wie bei Strube D&S in Schlanstedt hochwertiges Z-Saatgut entsteht
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Ausgezeichnete Handarbeit
Wie bei Strube D&S in Schlanstedt hochwertiges Z-Saatgut entsteht
Bei den diesjährigen DLG-Feldtagen wurde die Saatgutaufbereitungsanlage von Strube in Schlanstedt als „Bester Aufbereiter 2025“ in Sachsen-Anhalt ausgezeichnet. Grund genug, einmal genauer hinzuschauen: Was passiert eigentlich hinter den Toren der Anlage? Und was braucht es, damit aus geernteter Rohware hochwertiges Z-Saatgut wird?
Ein Preis, der die tägliche Arbeit würdigt
Als bester Aufbereiter 2025 aus Sachsen-Anhalt ausgezeichnet zu werden, war für das Team in Schlanstedt eine schöne Bestätigung von außen. „Feedback von Berufskollegen und Landwirten zur Aufbereitungsqualität bekommen wir durchaus – der Preis des Getreidefonds Z-Saatgut e. V. setzt dem noch einmal die Krone auf“, sagt Lagerleiter Andreas Lindemann. Umso mehr lohnt sich der Blick auf einen Betrieb, der 1877 gegründet wurde und schon früh in seiner Geschichte international handelte und züchtete – selbst während der beiden Weltkriege wurde der Ausbau von Forschungs- und Verarbeitungseinrichtungen nicht gestoppt. Heute unterhält Strube eigene Züchtungsprogramme für Zuckerrübe und Weizen. Seit 2025 gehört das Unternehmen zur RAGT-Gruppe und vertreibt sein Sortenportfolio in mehr als 40 Ländern weltweit.
„Wir betrachten unsere Genetik immer durch eine Art Zeitfenster in die Zukunft. Dürretoleranz, Nährstoffeffizienz und Toleranzen gegen klimabedingt neu oder verstärkt auftretende Krankheiten sind deshalb schon lange im Fokus unserer Züchter“, beschreibt Fachbereichsleiterin Johanna Hebestreit den züchterischen Anspruch. Möglich wird das durch ein breit aufgestelltes Versuchsnetzwerk, in dem Sorten unter unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen geprüft werden, bevor sie in den jeweiligen Märkten Einzug halten.
Von der Fläche bis zur Anlage: der Weg zum Z-Saatgut
Als Züchter vermehrt Strube auf rund 180 Hektar Vorstufen- und Z-Saatgut in Winter-, Wechsel- und Sommerweizen. Aufbereitet wird an zwei Standorten mit unterschiedlicher Ausrichtung: Söllingen in Niedersachsen ist auf kleinere Partien ausgelegt und verarbeitet dort jährlich rund 1.170 Tonnen Rohware aus der eigenen Vermehrung. Schlanstedt in Sachsen-Anhalt kommt bei der reinen Rohware zwar nur auf etwa 370 Tonnen, ist aber die größere und leistungsfähigere Anlage – denn hier übernimmt Strube zusätzlich die Aufbereitung als Dienstleistung für andere Züchtungsunternehmen: Rund 2.500 Tonnen Z-Saatgut Roggen werden dort aufbereitet, hinzu kommen etwa 450 Tonnen Erbsen der Basis- und konventionellen Stufe. Zählt man das Dienstleistungsgeschäft hinzu, läuft in Schlanstedt insgesamt mit Abstand bei Getreide das größte Volumen der beiden Standorte durch die Anlage.
Für Lagerleiter Andreas Lindemann, der die Anlage in Schlanstedt verantwortet, beginnt gute Aufbereitung nicht am Reinigungstisch, sondern auf dem Feld. „Es beginnt, wenn der Vermehrer für uns aussät, düngt und den Bestand betreut, und mündet letztlich in der Ernte bei möglichst optimalen Bedingungen und mit einem sorgfältig eingestellten Mähdrescher“, sagt Lindemann. Gewissenhafte Teamarbeit und fundiertes Fachwissen seien dabei das ganze Jahr über die Grundlage – nicht nur in der kurzen, intensiven Aufbereitungssaison. Denn wenn die Rohware in Schlanstedt ankommt, ist bereits vieles entschieden. Den Ausschlag gibt dabei, mit welcher Qualität und welchem Besatz eine Partie in die Anlage gelangt. Fremdgetreide, Unkrautsamen oder andere Nichtkornbestandteile erhöhen den Reinigungsaufwand und können im ungünstigen Fall die Sortenreinheit gefährden. Für das Team bedeutet das, jede Partie genau zu betrachten und die Reinigung auf die jeweilige Ausgangssituation abzustimmen. „Eine einheitliche Einstellung nach Schema F gibt es dabei nicht: Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Kultur, Sorte und Beschaffenheit der Rohware“, betont Lindemann.
Betriebsspiegel:
Unternehmensform: Familienunternehmen, seit 2025 Teil der RAGT-Gruppe
Gegründet: 1877
Schwerpunkte: Pflanzenzüchtung (Zuckerrübe, Weizen) sowie Vermehrung und Aufbereitung von Vorstufen- und Z-Saatgut
Vermehrungsfläche: rund 180 ha Winter-, Wechsel- und Sommerweizen
Standorte: Söllingen (Niedersachsen, ca. 1.170 t Rohware/Jahr) und Schlanstedt (Sachsen-Anhalt, ca. 370 t Rohware/Jahr)
Dienstleistungsaufbereitung in Schlanstedt: ca. 2.500 t Z-Saatgut Roggen, ca. 450 t Erbsen Basis & konventionell
Vertrieb: Produkte in mehr als 40 Ländern weltweit
Das ausgezeichnete Team aus Schlanstedt: Franziska Ernst, Johanna Hebestreit und Andreas Lindemann (v.l.n.r.) freuen sich über die Auszeichnung als bester Aufbereiter 2025 aus Sachsen-Anhalt.
Bild: Standort Schlanstedt
Der Standort Schlanstedt aus der Vogelperspektive – hier laufen Züchtung und Dienstleistungsaufbereitung unter einem Dach zusammen.
Flächenwahl entscheidet über die Qualität
Die anbautechnischen Entscheidungen liegen vollständig in der Obhut der Vermehrer, mit denen der Betrieb langjährige Partnerschaften pflegt. Sie gehören zu den wichtigsten Partnern des Unternehmens und prägen damit auch die enge Verbindung von Strube zur Landwirtschaft in der Region. Während der Vermehrungsplanung findet ein regelmäßiger Austausch statt, um gemeinsam die bestmögliche Rohwarenqualität als Basis für gutes Saatgut zu erreichen. „Einer der wichtigsten Aspekte ist die sorgfältige Auswahl der Flächen, vor allem mit Blick auf die Fruchtfolge“, erklärt Hebestreit. Denn was sich bereits auf dem Feld entwickelt, lässt sich später in der Aufbereitung nicht immer problemlos korrigieren. Besonders problematisch sind Fremdgetreide und Unkrautsamen, die sich hinsichtlich Größe, Form oder Gewicht teilweise nur schwer von der gewünschten Saatgutpartie unterscheiden lassen. Deshalb ist es für den Betrieb wirtschaftlicher und qualitativ sicherer, potenzielle Probleme möglichst früh zu vermeiden, statt sie erst nach der Ernte herausreinigen zu müssen.
„Gutes Z-Saatgut ist die günstigste Versicherung, die ein Betrieb abschließen kann“, fasst Hebestreit zusammen. „Nur wer sortenreines, gesundes und keimfähiges Saatgut aussät, bekommt einen gleichmäßigen Feldaufgang und einen Bestand, der von Anfang an konkurrenzfähig gegenüber Unkräutern und Krankheiten ist. Was hier stimmt, muss später nicht mehr korrigiert werden – weder mit zusätzlichem Pflanzenschutz noch mit Nachsaat oder Ertragseinbußen. Jede Partie, die wir sauber aus der Anlage geben, spart dem Landwirt am Ende Zeit, Geld und Nerven.“
Für die Zukunft soll diese Zusammenarbeit noch enger werden. Bei der Flächenauswahl will Strube verstärkt auf Vorfrüchte und Problematiken wie Ackerfuchsschwanz achten – etwa indem Gerste als Vorfrucht vor Weizen bewusst vermieden wird, um die Gefahr von Durchwuchs zu minimieren, und durch den Ausschluss von Flächen mit bekannter Ackerfuchsschwanzproblematik gar nicht erst für die Vermehrung ausgewählt werden.
Bild: Lagerhalle
Für die gereinigte Rohware stehen in Schlanstedt ca. 800 Boxen zur Verfügung.
Farbsortierer und Staubabsaugung sichern die Reinheit
Wie stark Technik und Erfahrung bei der Aufbereitung ineinandergreifen, zeigt sich an den verschiedenen Reinigungsschritten. Farbsortierer sind in Schlanstedt bereits im Einsatz: Sie sortieren gezielt einzelne Körner aus, die sich in ihren optischen Merkmalen vom gewünschten Saatgut unterscheiden – etwa bei Fremdgetreide oder Mutterkorn. Die Technik arbeitet dabei nicht isoliert: Je nach Beschaffenheit der Rohware müssen die einzelnen Reinigungsschritte aufeinander abgestimmt und die Maschinen entsprechend eingestellt werden. So lassen sich unerwünschte Bestandteile sehr zuverlässig entfernen und gleichzeitig Verluste an wertvollem Saatgut begrenzen. Staubabsaugungen an den wichtigsten neuralgischen Punkten der Anlage verbessern dabei sowohl den Arbeitsschutz als auch die Bedingungen für die Saatgutaufbereitung. Auflaufkrankheiten hält Strube derzeit durch den gezielten Einsatz von Beizmitteln im Griff. Trotz aller Technik bleibt die Erfahrung der Mitarbeiter ein entscheidender Faktor. Die Maschinen nehmen dem Team viele Arbeitsschritte ab, die Beurteilung der Rohware und die Kontrolle der Reinigung lassen sich jedoch nicht vollständig automatisieren. Gerade wenn sich eine Partie nicht wie erwartet verhält, sind Erfahrung und ein geschulter Blick gefragt. Die Mitarbeiter müssen erkennen, wann eine Einstellung angepasst, ein Reinigungsschritt verstärkt oder eine Partie nochmals überprüft werden muss.
Für die Zukunft prüft das Unternehmen, in allen Reinigungslinien einen Farbsortierer zu integrieren und neue Aufbereitungstechnik wie Bürstmaschinen in die bestehenden Anlagen einzubauen. Damit soll die technische Ausstattung der Aufbereitung gezielt weiterentwickelt werden. „Dadurch, dass wir als Züchter in der Vorstufenvermehrung tätig sind, haben wir sowieso einen sehr hohen Anspruch an die Qualität – und dieser spiegelt sich ebenso im Z-Saatgut wider“, betont Hebestreit.
Bürokratie als zusätzliche Hürde
Dass Klimaanpassung längst kein reines Zukunftsthema mehr ist, zeigt auch der Blick auf die gesetzlichen Vorgaben. Mit der Auflage NT699 wonach bestimmte Mittel auf Saatgut nur noch in professionellen, staubmindernden Saatgutbehandlungseinrichtungen ausgebracht werden dürfen, mussten beide Standorte beim Julius-Kühn-Institut gelistet werden. „Das hat wieder einen größeren bürokratischen Aufwand mit sich gebracht“, so Hebestreit.
Für die kommenden Jahre rechnet das Unternehmen mit weiteren Hürden. „Die größte Ungewissheit sind Wirkstoffverbote. Fludioxonil steht uns zwar momentan noch zur Verfügung, aber ein Verbot hätte weitreichende Folgen für die gesamte Landwirtschaft“, sagt Hebestreit. Im Getreide seien Schädlinge und Krankheiten derzeit noch nicht das drängendste Problem – das seien eher Unkräuter -, doch das werde sich spätestens mit einem Fludioxonil-Verbot ändern, wenn Flug- und Steinbrand wieder an Bedeutung gewinnen könnten.
Für die Saatgutaufbereitung wäre das nicht nur eine Frage eines einzelnen Wirkstoffs. Fällt eine etablierte Beizmöglichkeit weg, muss die Branche nach anderen Wegen suchen, um die Saatgutqualität und den Schutz der jungen Pflanzen sicherzustellen. Damit steigt auch die Bedeutung aller Maßnahmen, die bereits vor der Aufbereitung ansetzen: eine geeignete Fläche, eine möglichst saubere Rohware und eine konsequente Feldhygiene.
Bild: Probenraum
Für jeden Arbeitsauftrag ist ein Rückstellmuster aufzubewahren.
Aufbereitung mit Blick nach vorn
Wie sich die Saatgutbranche in den kommenden Jahren entwickeln wird, sehen beide nüchtern. Wettbewerbsverzerrung durch Wirkstoffverbote sowie Beschränkungen bei den Züchtungsmethoden könnten den Zuchtfortschritt im internationalen Vergleich erschweren -während Strube gleichzeitig nach europäischen und deutschen Vorschriften produzieren und weltweit erfolgreich bleiben muss. „Das ist eine größere Herausforderung, die wir gerne annehmen“, sagt Hebestreit dazu.
Für die Zukunft prüft das Unternehmen, in allen Reinigungslinien einen Farbsortierer zu integrieren, neue Aufbereitungstechnik wie Bürstmaschinen in die bestehenden Anlagen einzubauen und die Feldhygiene noch stärker in den Mittelpunkt der Vermehrungsplanung zu rücken. Für Lindemann bedeutet das vor allem eines: noch engere Absprachen mit den Vermehrungslandwirten, lange bevor die erste Saat in den Boden kommt. „Je genauer wir schon bei der Flächenwahl auf Vorfrüchte und mögliche Problematiken achten, desto weniger Aufwand haben wir später bei der Reinigung – und desto sicherer ist am Ende die Qualität“, fasst er die Strategie zusammen.
Fazit
Die Reportage zeigt: Hochwertiges Z-Saatgut entsteht nicht erst in der Aufbereitungsanlage. Entscheidend ist das Zusammenspiel vieler Schritte – von der Auswahl der Fläche und der Vermehrungsplanung über die Ernte bis zur Reinigung und Kontrolle der fertigen Partie. Moderne Technik schafft dabei neue Möglichkeiten, ersetzt aber nicht die Erfahrung und den geschulten Blick der Mitarbeiter.
Für Strube bedeutet das, Bewährtes weiterzuführen und zugleich Technik und Arbeitsweisen weiterzuentwickeln. Eine möglichst saubere Rohware, enge Abstimmung mit den Vermehrern und eine präzise Aufbereitung sollen auch künftig die Grundlage dafür bilden, dass aus der Ernte hochwertiges Z-Saatgut wird – trotz wachsender fachlicher und regulatorischer Herausforderungen.
Blick in die aktuelle Saatgutsaison
Die zurückliegende Saison verlangte dem Team in Schlanstedt einiges ab. „Eine schwierige Saison aufgrund der Ernte, mit hohem Besatz an Mutterkorn“, fasst Lindemann zusammen. Erhöhter Kleinkornbesatz und geringe Korngewichte kamen hinzu: Die frühen heißen Tage ließen den Weizen sehr schnell einreduzieren, teils ging der Bestand vorzeitig in die Notreife, was zu kleinerer Kornausbildung führte. Hinzu kam vielerorts hohes Untersieb.
Die Konsequenz zog das Team direkt an der Anlage: Bei manchen Sorten wurde die Reinigung spürbar schärfer eingestellt, um trotz schwieriger Ausgangsware die gewohnte Z-Saatgut-Qualität zu halten.
Autorin: Jennifer Nickel (M.Sc.agr.)
Bilder:
Quelle: GFZS



























