Qualität mit System

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Qualität mit System

Z-Saatgutvermehrung und -aufbereitung aus Leidenschaft am Eifelrand

Seit den 1960er-Jahren ist der Name Becker in Kreuzau untrennbar mit der Saatgutwirtschaft verbunden. Was vor über 60 Jahren begann, führen Dietmar und Klarissa Becker heute in dritter Generation mit derselben Sorgfalt und einem klaren Ziel fort: Bestes Z-Saatgut zu erzeugen, das den Grundstein für den Erfolg anderer landwirtschaftlicher Betriebe legt.

Als spezialisierter Ackerbaubetrieb hat sich die Saatgutwirtschaft Becker als verlässlicher Partner für VO-Firmen und Züchterhäuser etabliert. Dabei geht das Spektrum weit über das Standard-Sortiment hinaus: Auch die anspruchsvolle Erzeugung von Vorstufen- und Basissaatgut gehört zum Kerngeschäft des Betriebes – eine Aufgabe, die kompromisslose Feldhygiene und höchste Präzision in der Planung voraussetzt.

Investitionen in moderne Strukturen

Die steigenden Anforderungen an Sortenreinheit, Rückverfolgbarkeit und Aufbereitungsqualität haben den Betrieb in den vergangenen Jahren zu gezielten Investitionen veranlasst. Um die hohen Qualitätsstandards in der Z-Saatgutaufbereitung dauerhaft abzusichern und zugleich effizienter arbeiten zu können, wurde konsequent in moderne Aufbereitungs- und Lagertechnik investiert. „Wir haben bewusst früh investiert, um die Saatgutqualität weiter zu steigern und unsere Prozesse klarer und sicherer aufzustellen“, betont Betriebsleiter und Inhaber Dietmar Becker.

Die Saatgutanlage befindet sich heute in einer modernen, klar gegliederten Halle mit kurzen Förderwegen. Diese Struktur ermöglicht einen schonenden Warenfluss und minimiert das Risiko von Vermischungen – ein zentraler Faktor für die Saatgutqualität. Um auch kleinste Fremdbesätze sicher auszuschleusen, setzt der Betrieb in der Endreinigung auf modernste Sortiertechnik.

Seit der grundlegenden Erneuerung wird die Technik kontinuierlich weiterentwickelt und optimiert. „Kurze Wege und klare Linien sind für uns kein Selbstzweck, sondern ein wichtiger Beitrag zur Sortenreinheit“, so der Betriebsleiter.

Jährlich werden rund 1.000 Tonnen anerkannte Saatware von rund zwölf Getreidesorten aufbereitet. Dieses Volumen erfordert nicht nur leistungsfähige Technik, sondern vor allem präzise abgestimmte Abläufe und ein hohes Maß an fachlichem Know-how, um die Qualitätsanforderungen der Saatguterzeugung zuverlässig zu erfüllen.

Standort mit besonderen Herausforderungen

Der Betrieb liegt am Rand der Eifel, in einem Gebiet mit stark wechselnden Böden. Die Bodengüte schwankt zwischen 40 und 78 Bodenpunkten. Während der Anbau von Zuckerrüben hier nur eingeschränkt möglich ist, zeigen insbesondere Weizen und Braugerste – vor allem auf leichteren Standorten – seit Jahren stabile Erträge. Grünlandflächen, Obstbau und Waldstreifen prägen das abwechslungsreiche Landschaftsbild.

Die Flächen liegen auf etwa 240 Metern über NHN, bei einer mittleren Jahrestemperatur von 9,5 °C. Die Vegetationsperiode beginnt etwas später als in der Köln-Aachener Bucht – ein Faktor, der in der Anbauplanung stets berücksichtigt werden muss. „Wir können hier nicht nach Schema F arbeiten. Jeder Schlag verlangt eine eigene Strategie“, fasst Becker zusammen.

Für die Praxis bedeutet das eine sehr differenzierte Bewirtschaftung der einzelnen Flächen. Sortenwahl, Aussaatzeitpunkt und Bestandesführung werden standortspezifisch angepasst, um die unterschiedlichen Bodenqualitäten optimal zu nutzen. Auf leichteren Böden liegt der Fokus auf früh abreifenden, standfesten Sorten, während auf besseren Lehmböden auch ertragsstärkere Typen zum Einsatz kommen.

Gleichzeitig spielt das Wassermanagement eine zentrale Rolle. Eine angepasste Bodenbearbeitung soll die Wasserhaltefähigkeit sichern und Verdichtungen vermeiden. Gerade in der Saatgutvermehrung ist zudem eine gleichmäßige Bestandsentwicklung entscheidend, um eine homogene Abreife und damit eine hohe Saatgutqualität zu erreichen.

Für Becker steht fest: „Am Ende entscheidet nicht der Spitzenertrag, sondern ein gleichmäßiger und sortenreiner Bestand“.

Ackerbau klar auf Saatgut ausgerichtet

Der reine Ackerbaubetrieb ohne Tierhaltung bewirtschaftet rund 200 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Der größte Teil davon entfällt auf die Saatgutvermehrung, mit Schwerpunkten bei Winterweizen, Wintergerste und Sommergerste. Ergänzend werden Kulturen wie Raps, Zuckerrüben oder Mais gezielt als Bereinigungsfrüchte eingesetzt, um saubere Ausgangsbedingungen für die folgenden Vermehrungen zu schaffen.

Gerade bei diesen Bereinigungskulturen wird größter Wert auf Feldhygiene gelegt. Ausfallgetreide oder Fremdbesatz dürfen nicht in die Folgekultur getragen werden. „In der Saatgutvermehrung muss man bereit sein, Ertrag zugunsten von Qualität in Kauf zu nehmen“, stellt Becker klar. Ein Grundsatz, der die gesamte Fruchtfolgegestaltung bestimmt.

Hohe Anforderungen im Saatgutanbau

Die Anlage der Vermehrungsflächen erfordert eine langfristige Planung. „Wir müssen jederzeit in der Lage sein, neue Sorten oder höhere Anbaustufen aufzunehmen, um flexibel auf Marktbedürfnisse reagieren zu können“, erläutert Becker.

Zunehmend herausfordernd wirken sich dabei regulatorische Vorgaben aus. Das Glyphosatverbot auf Flächen in Wasserschutzgebieten erschwert insbesondere im Vorstufen- und Basisbereich die Einhaltung der hohen Qualitätsanforderungen. Auch bei der Zulassung von Beizmitteln fehlt es an Planungssicherheit. „Ohne verlässliche Rahmenbedingungen wird es für viele Betriebe schwierig, Z-Saatgut auf diesem Niveau zu erzeugen“, warnt Becker.

Ein oft unterschätzter Faktor in der Saatgutvermehrung ist der manuelle Arbeitsaufwand. Alle Bestände werden regelmäßig fußläufig kontrolliert und bei Bedarf nachbereinigt, um die hohen Anforderungen an Sortenreinheit zu erfüllen. „Das ist zeitaufwendig, aber unverzichtbar“, betont Becker.

Steigende Lohnkosten und der zunehmende Fachkräftemangel stellen den Betrieb dabei vor zusätzliche Herausforderungen – gerade in arbeitsintensiven Phasen der Saison. So müssen in kurzen Zeitfenstern viele Schläge parallel kontrolliert werden, während gleichzeitig qualifizierte Arbeitskräfte mit ausreichendem Sorten- und Kulturkenntnissen schwer verfügbar sind. Zudem lässt sich diese Arbeit kaum mechanisieren oder zeitlich verschieben, da Verzögerungen unmittelbar die Sortenreinheit und damit die Anerkennungsfähigkeit des Saatguts gefährden würden.

Effiziente Aufbereitung mit Qualitätssicherung

In der Saatgutaufbereitung gilt ebenfalls: Qualität vor Quantität. Das Zeitfenster ist eng, Flexibilität und eine enge Abstimmung mit den VO-Firmen sind entscheidend. Eingehende Aufträge werden digital erfasst, priorisiert und zügig abgearbeitet. Der gesamte Prozess wird laufend beprobt, um die Aufbereitungsqualität abzusichern.

Während der laufenden Kampagne übernimmt Klarissa Becker das Probenmanagement sowie organisatorische und logistische Aufgaben im Saatgutvertrieb.

„Eine sorgfältige Organisation und lückenlose Probenführung sind genauso wichtig wie die Technik selbst“, unterstreicht sie.

Herausforderungen als Auftrag: Die Zukunft im Blick

Der Weg zu hochwertigem Saatgut wird steiniger. Das Glyphosatverbot auf Vermehrungsflächen, etwa in Wasserschutzgebieten und die zunehmende Unsicherheit bei der Zulassung effektiver Beizwirkstoffe fordern das Betriebsleiterpaar täglich heraus. Doch für Dietmar und Klarissa Becker sind diese regulatorischen Hürden kein Grund zum Stillstand, sondern ein Auftrag zur Weiterentwicklung: „Wir passen unsere Strategien auf dem Feld und in der Anlage kontinuierlich an, um trotz enger werdender Rahmenbedingungen die gewohnte Reinheit sicherzustellen.“

Ein zentrales Ziel bleibt dabei der Dialog mit der Praxis: Ein konsequenter Saatgutwechsel ist die wirtschaftlichste Versicherung für stabile Erträge und vitale Bestände. „Gutes Z-Saatgut ist kein Betriebsmittel von der Stange, sondern ein Hochleistungsprodukt“, betont Becker. Mit der Kombination aus jahrzehntelanger Erfahrung, modernster Aufbereitungstechnik und einem klaren Bekenntnis zum Standort Eifelrand bleibt der Betrieb ein starkes Bindeglied in der Wertschöpfungskette – heute und in der nächsten Generation.

Autorin: Jennifer Nickel (M.Sc.arg.)

Seit vielen Jahren leiten Dietmar und Klarissa Becker gemeinsam den Betrieb.

Foto: Saatgutwirtschaft Becker

Betriebsspiegel

Geografische Lage:

Eifelrandlage im Raum Kreuzau (Nordrhein-Westfalen)

Höhenlage:

240 m ü. NHN

Jahresniederschlag:

700 Millimeter

Betriebliche Ausrichtung:

Ackerbaubetrieb ohne Tierhaltung, Schwerpunkt Z-Saatgutvermehrung und -aufbereitung (inkl. Vorstufen- und Basissaatgut) für VO-Firmen und Züchterhäuser

Betriebsgröße:

200 ha landwirtschaftliche Nutzfläche

Bodenart:

stark wechselnde Böden mit 40–78 Bodenpunkten; von leichteren, sandigeren Standorten bis zu besseren Lehmböden im hügeligen Voreifelgebiet

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Jährlich werden rund 1.000 Tonnen anerkannte Saatware aus rund zwölf Getreidesorten aufbereitet.

Foto: Saatgutwirtschaft Becker

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Vor der Feldbestandsprüfung werden die Saatgutvermehrungsflächen händisch von Fremdbesatz gereinigt.

Foto: Saatgutwirtschaft Becker

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Für jeden Arbeitsauftrag ist ein Rückstellmuster aufzubewahren.

Foto: Saatgutwirtschaft Becker

Alte Getreidekrankheiten im Visier

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Alte Getreidekrankheiten im Visier

Interview mit Prof. Dr. Ute Kropf

Was passiert, wenn eine unsichtbare Pflanzenkrankheit ganze Ernten unbrauchbar macht – und es keinen wirksamen Schutz gibt? Die Diskussionen um einen Verzicht auf fungizide Beizen rückt systemisch wachsende Brandkrankheiten wie Stein- und Flugbrand wieder in den Fokus – genau wie die seit 2024 geltenden, deutlich strengeren Grenzwerte das Mutterkorn wieder zum Thema machen. Prof. Dr. Ute Kropf erklärt, was die einzelnen Erreger so gefährlich macht, wie sie funktionieren und was das für Landwirte ganz konkret bedeutet.

Frau Prof. Dr. Kropf, viele Jahre lang boten fungizide Beizen wirksamen Schutz gegen Brandkrankheiten im Getreide. Doch was kommt auf Landwirte zu, sollte der Einsatz dieser Beizen tatsächlich verboten werden?

Für Landwirte dürften Brandkrankheiten in diesem Fall eine echte Herausforderung werden. Fungizide Beizen kontrollieren boden- und samenbürtige Pathogene, die sich systemisch in der Pflanze entwickeln, wie zum Beispiel Brände. Um die Folgen abzuschätzen, muss man die Biologie dieser Krankheiten verstehen, denn Brände können sehr tückisch sein und kontaminieren den eigenen Boden und umliegende Standorte.

Haben Sie ein praktisches Beispiel für uns?

Nehmen wir zum Beispiel den Weizensteinbrand. Er ist nur sehr schwer im Bestand zu erkennen, insbesondere bei einem geringen Befallsniveau zu Beginn – den charakteristischen Geruch merkt man meist erst beim Dreschen. Anstatt des Korns wächst jedoch eine Brandbutte mit Millionen von Brandsporen, die über ein unglaubliches Vermehrungspotenzial verfügen und mehrjährig infektiös sind. Alle Triebe und Ährchen einer Pflanze sind befallen, da der Weizensteinbrand systemisch in der Pflanze hochwächst – er produziert außerdem Trimethylamin, welches akut und chronisch toxisch für Mensch und Tier ist.

Steinbrand kann in der Saison nicht mit einem Fungizid bekämpft werden. Die Brandbutten stauben beim Dreschen aus und verbreiten so ihre Sporen weiter. Die Sporen gelangen sowohl auf die geerntete Saat als auch auf das Stroh und den Boden, wo sie mehrere Jahre lebensfähig bleiben. Bisher waren sie leicht durch eine fungizide Beize zu kontrollieren, unsere Versuche zeigen jedoch noch keinen adäquaten Ersatz.

Heißt im Klartext: Der Landwirt ist auf eine saubere Fläche und sauberes Saatgut angewiesen – er darf sich den Erreger gar nicht erst auf die Fläche holen. Das ist allerdings gar nicht so einfach, denn insbesondere Steinbrand ist in der Feldanerkennung kaum zu erkennen – das merken wir selbst in der Forschung immer bei Feldern, wo wir sogar wissen: Hier ist Steinbrand drin. Man findet ihn nicht. Und eine Saatgutuntersuchung durch Sporenabschwemmung ist keine Pflicht. Diese Untersuchung ist außerdem sehr aufwendig und nicht für alle Partien leistbar.

Wie fielen die Versuchsergebnisse zu möglichen Alternativen aus?

Wir haben auf einem sauberen Standort stark infiziertes Saatgut ausgebracht. Wir konnten 53 befallene Ähren pro m2 in der unbehandelten Kontrolle feststellen. Mit einer fungiziden Beize waren es null Ähren. Mit Elektronenbehandlung 32 infizierte Ähren; mit Tillecur, einem Bio-Pflanzenstärkungsmittel, 37 Ähren. Alternative Beizoptionen wie Heißwasser kommen nur an die außen am Saatkorn haftenden Pathogene heran, bei Bränden fehlen daher diese Möglichkeiten zur Beize. Was jedem Landwirt bewusst sein sollte: Ist ein Standort einmal kontaminiert, dann bleibt er über mehrere Jahre infektiös. Das zeigt uns, dass wir die gesamte Saatgutgesundheit neu denken müssen. In Biobeständen in Süd- und Mitteldeutschland lässt sich aktuell eine Verbreitung von Steinbrand beobachten.

Wie genau könnten die Auswirkungen aussehen, sollte flächendeckend nicht mehr gebeizt werden?

Die erste praktische Folge sind natürlich wirtschaftliche Einbußen für den Landwirt. Mit Brandkrankheiten befallene Pflanzen bringen keinen Ertrag. Die Fläche ist kontaminiert, was den Folgeanbau erschwert. Um zu verhindern, dass die Brände überhaupt auf die Fläche kommen, müssen wir früher ansetzen: Es braucht sauberes Saatgut, das in Gesundlagen und gesunden Fruchtfolgen produziert wird, sprich ein gesundes Umfeld ist hier das A & O. Bestände mit samenbürtigen Krankheiten dürfen nicht in den Verkehr gelangen.

Wir müssen deutlich mehr auf die Acker- und Erntehygiene achten, denn über den Mähdrescher kann ganz schnell eine Verschleppung der Sporen stattfinden. Bereits durch Wind und Staubentwicklung beim Dreschen kann das Nachbarfeld betroffen sein. Und ganz wichtig: Eine Vorbesichtigung der Bestände vor der Ernte ist ein Muss. Durch Feldbesichtigungen könnte man viele befallene Bestände eliminieren und in einer anschließenden Gesundheitsprüfung im Labor abschließend beurteilen. Das bedeutet natürlich mehr Zeitaufwand und höhere Kosten für die Saatgutproduktion.

Gibt es ackerbauliche Maßnahmen, die gegen Brandkrankheiten helfen?

Bei Steinbrand kann es helfen, dass Stroh tief einzupflügen. Gegen Flugbrände ist mir keine Maßnahme bekannt. Man kann die Krankheiten nicht eliminieren, sondern müsste lernen damit zu leben und die Saatgutgesundheit in den Fokus nehmen. Was ganz wichtig ist: Insbesondere Brandkrankheiten wachsen lange verborgen – also systemisch – in der Pflanze. Das macht die Erkennung so schwer.

Glauben Sie denn, dass es Notfallzulassungen geben wird, zumindest für die Saatguterzeugung?

Ich würde eine Zulassung für die Vorproduktion unbedingt empfehlen. Wir können es uns nicht leisten, dass Standorte dauerhaft kontaminiert und gesunde Nachbarbestände infiziert werden.

Auf Landwirte wartet auch noch eine andere Herausforderung: Die gesetzlichen Grenzwerte für Mutterkorn-Sklerotien wurden zum 1. Juli 2024 herabgesetzt. Was bedeutet das für die kommende Saison?

Wir stehen dem Mutterkorn (Claviceps purpurea) auf den ersten Blick immer etwas machtlos gegenüber, weil wir keine Pflanzenschutzmittel haben. Man muss auch hier verstehen, wie die Krankheit funktioniert; und wie man Mutterkorn vorbeugen kann. Die Sporen befallen die Blüte aller Getreidearten und auch Ungräser bzw. Ziergräser. Sie fliegen wegen des milden Wetters immer früher. Besonders Roggen ist als Fremdbestäuber häufig betroffen, weil seine offenen Blüten eine gute Eintrittspforte darstellen.

Wir sehen vor allem dann Infektionen, wenn nicht genügend eigene Pollen da sind. Sprich: Gestresste Pflanzen sind eher betroffen, beispielsweise bei Kälte, Hitze oder aber Frost vor der Blüte. Auch unterständige Spättriebe an den Fahrgassen oder am Rand sowie Nachschosser bilden oft Mutterkörner, weil weniger Pollen für ihre Bestäubung unterwegs sind.

Das heißt, die Witterung spielt bei Mutterkorn eine große Rolle?

Absolut. Mit extremen Wetterbedingungen geht eine höhere Pollenmortalität einher. Weitere Vorzeichen sind eine längere Blühdauer, längeres Offenstehen der Spelzen, schlechte Pollenflugbedingungen, Regen während der Blüte und fehlender Wind. Auch Pflanzenstress durch Bor- oder Kupfermangel verbessert die Bedingungen für den Pilz. Alarmzeichen für den Landwirt sind auch Nachtfröste mit bodennahen Temperaturen um die 1 bis 2 Grad Celsius, extreme Hitze oder Trockenheit. Entscheidend sind die acht bis zehn Tage vor der Blüte.

Die schwarzen Mutterkörner fallen im Saatgut auf – könnte man diese nicht einfach aussortieren und so die strengen Grenzwerte einhalten?

Eine mechanische Reinigung mit Sieben und Tischauslesern ist nur bedingt effizient. Für sehr wertvolle Partien gibt es Farbsortierer, bei denen die dunklen Sklerotien optisch erkannt und durch einen Luftstoß entfernt werden. Dieses Verfahren ist aber sehr teuer.

Frau Prof. Dr. Kropf, wenn Sie all das zusammenfassen: Was raten Sie Landwirten ganz konkret für die Saison 2026 und wo sollten Sie wachsam sein?

Für die diesjährige Ernte kann man darauf achten, nicht in Stresssituationen Wachstumsregler einzusetzen (Nachtfröste, Trockenheit, Hitze). Kurz vor der Ernte kann man die Befallssituation analysieren, um für die kommenden Jahre einheitlicher entwickelte Bestände aufzustellen. Wo befinden sich die befallenen Pflanzen: vor allem an den Fahrgassen und Schlagrändern?

Dann könnte man diese Schlagstellen auf einen separaten Anhänger dreschen. Ist der Befall über den ganzen Schlag verteilt und konzentriert sich auf späte und unterständige Nebentriebe? Dann ist der Bestand ungleichmäßig, was an einer zu flachen oder uneinheitlichen Saatgutablage liegen kann. Beobachten Sie Sortenversuche in Ihrer Region, um nach gleichmäßig entwickelten Sorten mit einem hohen Pollenschüttungsvermögen Ausschau zu halten.

Autorin: Marilena Kipp

Prof. Dr. Ute Kropf – Lehrkraft an der HAW Kiel
Foto: Patrick Knittler

Zur Person:
Prof. Dr. Ute Kropf lehrt und forscht an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel. Sie beschäftigt sich mit der Entwicklungsphysiologie landwirtschaftlicher Kulturpflanzen. Im Rahmen der Webinar-Reihe „KornKompetenz“ der Getreidefonds Z-Saatgut e. V. (GFZS) informierte sie Praktiker im Dezember 2025 über die Gefahren von Brandkrankheiten und Mutterkorn.

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Foto: Jennifer Nickel, GFZS e. V.

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Lebenszyklus von Claviceps purpurea: Überwinterung als Sklerotium, Infektion über Ascosporen, Ausbreitung durch Honigtau und Neubildung von Sklerotien.

Foto: AgroConcept

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Nach der Infektion ersetzt der Pilz das Korn und bildet nach 6–8 Tagen einen zuckerhaltigen Honigtau mit Konidien, der Insekten anlockt und so die Sekundärinfektion verbreitet.

Foto: AgroConcept

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Anstelle des Getreidekorns entwickelt sich das Sklerotium. Es fällt bei der Ernte auf den Boden oder gelangt mit dem Erntegut in den Kreislauf.

Foto: GFPi e. V.

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Brandbutten beim Weizensteinbrand: Anstelle der Körner entstehen gräulich-braune, feste Butten, die bei der Ernte aufplatzen und Sporen freisetzen.

Foto: AgroConcept

Präzision vom Feld bis zum Sack

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Präzision vom Feld bis zum Sack

Saatgutvermehrung und -aufbereitung in der Praxis

Von der Züchtung zur modernen Aufbereitung

Die Wurzeln des Betriebes reichen tief in die Geschichte der Pflanzenzüchtung zurück. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts firmierte der Hof unter „Saatzucht Schweiger“ und widmete sich der Sommerbraugerstenzüchtung. 1903 erfolgte die erste Sortenzulassung, später folgten bekannte Sorten wie der Winterweizen „Moosburger begrannter Dickkopf“ oder „Jubilar“ von 1961, der zeitweise rund 40 Prozent der deutschen Winterweizenanbaufläche einnahm. Heute konzentriert sich die Familie ausschließlich auf die Saatgutaufbereitung und -produktion für externe Firmen, ein Tätigkeitsfeld, dem sie sich seit 2007 verschrieben hat. Seit 2018 ist der Betrieb zudem öko-zertifiziert, sodass sowohl konventionelles als auch ökologisches Saatgut angeboten werden kann.

Ackerflächen für jede Kultur optimal genutzt

Rund 130 Hektar Ackerland bewirtschaftet der Betrieb Schweiger. Auf diesen Flächen wachsen Winterackerbohnen, Sojabohnen, Weizen, Sommertriticale und Körnermais, überwiegend zur Saatgutvermehrung. Hierbei ist es laut dem Betriebsleiter Christian Schweiger entscheidend die Bodenbearbeitung und Fruchtfolge im Blick zu haben, damit die Kulturen gleichmäßig reifen und die hohen Qualitätsstandards für Saatgut eingehalten werden können.

Etwa ein Drittel der Flächen liegt in den Amperauen. Dort prägen leichte, kiesige Böden mit 40–60 Bodenpunkten den Anbau. „Auf diesen Standorten muss man die Wasserversorgung besonders im Auge behalten“, so Christian Schweiger. Die restlichen Flächen sind tonig-lehmige Ackerböden mit Lösslehmcharakter und 70–80 Bodenpunkten – deutlich ertragssicherer.

Anpassung an Klimawandel und Marktbedingungen

Die klimatischen Veränderungen machen auch vor Feldkirchen nicht halt. Für den Betrieb Schweiger bedeutet das, Anbauplanung und Bewirtschaftung stetig anzupassen. „Auch, wenn wir grundsätzlich eine gute Wasserversorgung haben, achten wir inzwischen gezielt darauf, den Wasserhaushalt im Boden optimal zu halten, damit die Pflanzen jederzeit über genügend Wasser verfügen“, erklärt Christian Schweiger. Unterstützt wird das durch angepasste Bodenbearbeitung, die das Wasser im Boden hält, und gezielte Fruchtfolgen, die den Boden langfristig stabilisieren.

Eine wichtige strategische Entscheidung war die Aufnahme von Sojabohnen in die Fruchtfolge. Vor einigen Jahren zunächst auf kleinen Versuchsflächen angebaut, sind sie heute fester Bestandteil. Der Sojaanbau bringt nicht nur Abwechslung in die Fruchtfolge, sondern trägt auch zur Entzerrung von Arbeitsspitzen im Jahresverlauf bei.

Markt- und Preisentwicklungen wirken sich nur begrenzt aus, da der Betrieb einen stabilen, leicht wachsenden Marktanteil hält. Größere Herausforderungen sieht Schweiger in fehlenden Wirkstoffzulassungen für Beizen, dem zunehmenden Import von Saatgut aus dem Ausland und dem Auftreten neuer Schädlinge. „Gerade der Bohnenkäfer bereitet uns bei Ackerbohnen zunehmend Probleme“, berichtet er.

Ein spezielles regionales Risiko ist der Hagel. Der Betrieb liegt in einem Gebiet, in der etwa alle zehn Jahre mit gravierenden Schäden zu rechnen ist. Um diesen Gefahren zu begegnen, setzt Schweiger auf eine Hagelversicherung. Darüber hinaus helfen ein weit gespanntes Netzwerk von Partnerbetrieben, ein großes Einzugsgebiet sowie die Verarbeitung unterschiedlicher Kulturen in der eigenen Anlage dabei, Ernteausfälle abzufedern und die Kunden selbst in schwierigen Jahren zuverlässig mit Z-Saatgut zu beliefern.

Partner für die Region

Neben dem eigenen Ackerbau ist die Saatgutaufbereitung längst zu einem festen Standbein des Betriebes geworden. Sieben Arbeitskräfte, davon zwei Familienmitglieder sorgen dafür, dass die Anlage das ganze Jahr über in Betrieb ist; in der Hochsaison verstärken erfahrene Aushilfskräfte das Team.

Viele Landwirte aus der Umgebung legen in Abstimmung mit Schweiger und den jeweiligen Züchtern Vermehrungen an, die anschließend im Betrieb erfasst und aufbereitet werden. Für Höfe ohne eigene Lager- oder Aufbereitungskapazitäten ist das ein entscheidender Vorteil. „Ohne unsere Partnerbetriebe gäbe es hier nicht diese Kultur- und Sortenvielfalt – und auch nicht die Mengen an hochwertigem Z-Saatgut, die wir heute verarbeiten“, betont Christian Schweiger. Gleichzeitig ist der Betrieb für viele Kollegen zu einer echten Alternative geworden – gerade für jene, die selbst keinen Lagerplatz besitzen oder lange Wege zum Landhandel hätten.

Qualitätsarbeit in der Aufbereitung

Jährlich werden in Feldkirchen rund 80 verschiedene Sorten und weit über 5.000 Tonnen Rohware verarbeitet – vom klassischen Weizen und Gerste bis zu Roggen, Hafer, Nackthafer, Lupine, Dinkel und verschiedenen Körnerleguminosen. Neben Z-Saatgut für Landwirte bereitet Schweiger auch Vorstufen- und Basissaatgut für Züchter auf.

Die technische Ausstattung ist breit aufgestellt: Siebreinigung, Trieur, Bürstmaschine, Stein- und Gewichtsausleser sowie ein Farbsortierer der neuesten Generation mit 4K-Echtfarbkameras und Low-NIR- sowie InGaAs-Sensoren. „Damit können wir das Saatgut optisch absolut präzise sortieren. Der Gewichtsausleser ist besonders wertvoll, wenn es um angekeimtes Getreide geht – er trennt aufgrund des veränderten spezifischen Gewichts zuverlässig aus“, erklärt Schweiger.

Die Arbeitsabläufe sind auf Sortenreinheit optimiert. Nach jedem Partiewechsel wird die Technik mit Pressluft und Staubsaugern gründlich gereinigt. „Wir verzichten bewusst auf Redler und Schnecken, um Kornbruch zu vermeiden. Bei uns laufen die Körner schonend über Bänder und Becherwerke.“ Das Ergebnis sind technische Reinheiten von 99,9–100 %, deutlich über den amtlich geforderten 98 % für zertifiziertes Saatgut.

Einblick in die aktuelle Saatgutsaison

Der Schwerpunkt liegt im Wintergetreide – und damit in einem engen Zeitfenster. „Für den Großteil unseres Absatzes haben wir nur wenige Wochen. Da müssen Vermehrer, Aufbereiter und Logistik perfekt zusammenarbeiten“, sagt Schweiger.

In diesem Jahr war das Wetter eine besondere Herausforderung. Ein Teil der Bestände konnte noch vor den langanhaltenden Regenfällen geerntet werden – mit sehr guten Qualitäten und Erträgen. „Alles, was wir vor dem 20. Juli dreschen konnten, hatte Topqualität und hervorragende Keimfähigkeit“, so Schweiger. Die spätere Ernte erforderte hingegen intensives Trocknen; die Anlagen liefen fast rund um die Uhr. Trotz leichter Einbußen bei der Keimfähigkeit liegen die Qualitäten weiterhin auf hohem Niveau und über den gesetzlich geforderten Mindestwerten. Die Aufbereitung ist bereits weit fortgeschritten, und im August konnten so viele Mengen ausgeliefert werden wie nie zuvor. Lediglich eine Partie musste aufgrund von Druschschäden ausgesondert werden.

Zukunftsaussichten und Visionen

Stillstand kommt für Christian Schweiger nicht infrage. Für die kommenden Jahre plant er für den Betrieb eine weitere Automatisierung der Anlage, um die Belegschaft zu entlasten und Kapazitäten zu erhöhen. „Nachhaltigkeit und Innovation sind für uns gelebte Praxis. Unsere Trocknungsanlagen arbeiten CO₂-neutral, und auch bei der Reinigung setzen wir modernste Technik ein“, erklärt Schweiger.

Ziel ist es, weiterhin große Mengen hochwertiges Z-Saatgut zu liefern – auch bei Sonderkulturen wie Sojabohnen – und den Betrieb langfristig als zentralen Partner für die regionale Landwirtschaft zu positionieren. „Entscheidend ist, dass am Ende im Sack nur das Beste liegt“, resümiert er.

Der Hof der Familie Schweiger in Feldkirchen bei Freising – seit über 370 Jahren in Familienbesitz und heute ein moderner Ackerbau- und Saatgutbetrieb.

Fotos: Schweiger Feldkirchen

Betriebsspiegel
Saatzucht Schweiger, Feldkirchen

Geografische Lage:
östliche Stadtgrenze von München
Höhenlage:
523 m ü. NHN
Jahresniederschlag:
790 Liter
Betriebliche Ausrichtung:
Ackerbau, Saatgutvermehrung und -aufbereitung
Betriebsgröße:
130 ha
Bodenart:
leichte, kiesige Böden (40–60 Bodenpunkte) und tonig-lehmige Ackerböden mit Lösslehmcharakter (70–80 Bodenpunkte)

Betriebsleiter Christian Schweiger setzt auf Vielfalt in den Kulturen.

Vor der Feldbestandsprüfung werden die Saatgutvermehrungsflächen händisch von Fremdbesatz gereinigt.

Ein Blick in die Saatgutaufbereitung: modernste Technik sorgt für Präzision und Sortenreinheit.

Farbsortierer erkennen jedes einzelne Korn und entfernen unerwünschtes Material.

Die gesamte Anlage im Blick: Über Monitore wird jeder Arbeitsschritt in der Aufbereitung überwacht.

Geprüftes Z-Saatgut für die Landwirte der Region.

Qualität von Anfang an

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Qualität von Anfang an

Ökologisches Z-Saatgut

Benedikt Endres wurde als bester ökologischer Z-Saatgut-Aufbereiter 2023 vom Getreidefonds Z-Saatgut e. V. ausgezeichnet – eine Anerkennung, die den herausragenden Einsatz und die Innovationskraft seines Betriebes widerspiegelt.

Was steckt hinter diesem Erfolg? Und wie gelingt es Endres, in einem so anspruchsvollen Bereich wie der ökologischen Saatgutproduktion Maßstäbe zu setzen?

Vom Vater zum Sohn

Der Betrieb Endres begann in den 1980er Jahren mit der Saatgutvermehrung. Damals legte sein Vater, Hermann Endres, den Grundstein für das heutige Unternehmen, indem er mit der Vermehrung von Weizen und Gerste begann. Im Laufe der Jahre erweiterte sich das Spektrum der vermehrten Kulturen stetig. Eine große Besonderheit war die Aufnahme der Hybridroggenvermehrung in den 1990er Jahren. Die Getreideart spielte über drei Jahrzehnte hinweg eine bedeutende Rolle im Betrieb, bis zur Umstellung auf ökologische Landwirtschaft im Jahr 2016. „Auf Biobetrieben spielen Hybridsorten keine so bedeutende Rolle,“ erläutert Endres. Auch die Hybridrapsvermehrung war für einige Jahre Teil des Portfolios, was die Vielseitigkeit und Experimentierfreudigkeit des Unternehmens unterstreicht. Ein wichtiger Meilenstein war 2009, als durch die Eiweißinitiative in Bayern die erste Sojavermehrung, die im Laufe der Jahre auf 50 ha anwuchs, angelegt wurde. Neben der Saatgutvermehrung auf 280 ha und der anschließenden Aufbereitung führt der Betrieb auch Lohnarbeiten für andere Biobetriebe durch und baut u. a. Speiseleguminosen, Sonnenblumen und Zuckerrüben an.

Qualität aus Leidenschaft

Die Entscheidung, 2022 in die Aufbereitung einzusteigen, war für Benedikt Endres keine leichtfertige. Sie entsprang einem tiefen Verständnis für die Bedeutung der Saatgutqualität und dem Wunsch, jeden Aspekt des Produktionsprozesses zu kontrollieren und zu optimieren. Dabei legt er besonderen Wert auf die technische Reinheit des Saatgutes. „Wir achten darauf, dass die Rohware möglichst frei von Staub, Stroh und Spelzen ist, da dieser Besatz oft einen höheren Pilzbefall aufweist, der durch biologische Beizen nicht vollständig bekämpft werden kann“, erklärt Endres. „Unser Ziel ist es, gesundes Z-Saatgut zu produzieren, das den höchsten Qualitätsstandards entspricht.“ Er beschreibt seine Motivation mit Leidenschaft: „Wir möchten unseren Qualitätsanspruch für beste Saatgutqualität in der gesamten Prozesskette, von der Aussaat bis zum Endprodukt, mit größter Sorgfalt und Hingabe selbst gestalten.“ Dieser Ansatz spiegelt sich in der Vielfalt der aufbereiteten Kulturen wider. Von verschiedenen Getreidesorten wie Winterweizen, Dinkel, Hafer, Sommergerste und Wintertriticale über Sojabohnen bis hin zu Futtererbsen – das Spektrum ist breit gefächert und zeigt die Flexibilität und das umfassende Know-how des Betriebes.

Qualität beginnt auf dem Feld

Die Grundlage für die Erzeugung von hochwertigem Z-Saatgut wird bereits auf dem Acker gelegt. Benedikt Endres betont die Wichtigkeit einer durchdachten Herangehensweise von Anfang an, um sicherzustellen, dass das Saatgut gesund und widerstandsfähig wird: „Ausgewogene Fruchtfolgen, gutes Beikrautmanagement über die gesamte Vegetation, ideale Termine für Aussaat (z. B. Weizen Ende Oktober bis Anfang November, anschließend Striegeln – Hacken), Pflege und Ernte nutzen, bestmögliche Spezialtechnik einsetzen, selbst auf die beste Saatgutqualität achten und schonende Behandlung des Erntegutes“ seien ausschlaggebend für die Qualität der Saatware – schon vor der eigentlichen Aufbereitung. Seine Fruchtfolge orientiert sich an einer typischen Ökofruchtfolge und wird je nach Bodenzustand, Nährstoffversorgung und Beikrautbesatz noch individuell angepasst: Luzerne–Luzerne–Winterweizen–Zuckerrübe–Sojabohne–Dinkel–Sommergerste oder Hafer–Sonnenblume. Endres „Geheimrezept“ bleibt natürlich geheim, nur so viel verrät er: „Immer auf dem Feld präsent sein, genau wissen, was wann wächst und keimt und der Kulturpflanze einen vegetativen Vorsprung verschaffen!“

Hohe Ansprüche an die Aufbereitung: Nur das Beste ist gut genug

„Mein Anspruch ist, möglichst gesundes und reines Saatgut herzustellen. Daher sortiert eine gute Aufbereitungsanlage jegliche Fremdbestandteile sowie nicht optimal geeignete Körner zuverlässig aus“, betont Endres. Besonders als Öko-Vermehrer und Aufbereiter zählen neben den üblichen Anerkennungskriterien die Gesundheit des Kornes (frei von samenbürtigen Krankheiten wie z. B. Steinbrand) und die Triebkraft (Kalttest) unter nicht optimalen Bedingungen. Endres erläutert, dass seine Ansprüche an die Saatgutqualität sehr hoch sind, da er weiß, wie wichtig hochwertiges Saatgut für den Erfolg der Landwirte ist, die seine Produkte verwenden. „Da in der ökologischen Landwirtschaft keine chemischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, ist es umso wichtiger, dass die Pflanzen von Beginn an stark und gesund sind,“ ergänzt Endres.

Technik, Erfahrung und Teamarbeit

Um die hohen Qualitätsstandards zu erreichen, setzt der Betrieb auf eine Kombination aus modernster Technik und jahrelanger Erfahrung. Endres erklärt: „Wir nutzen in allen Bereichen bestmögliche Spezialtechnik, die wir oft noch nach unseren Bedürfnissen umbauen, und versuchen, keine Kompromisse einzugehen.“ Doch Technik allein macht noch keinen Erfolg aus. „Die Position in der Fruchtfolge ist eine wichtige Basis. Die Bestandesführung auf dem Feld bedarf viel Wissen, Erfahrung und auch Handarbeit“, so Endres. Letztendlich sei es ein Zusammenspiel aus Technik, einer guten Teamleistung im gesamten Produktionsprozess sowie der Witterung. Endres hebt hervor, dass die kontinuierliche Weiterbildung und der Austausch mit Experten entscheidend sind, um immer auf dem neuesten Stand und der besten Praktiken zu bleiben.

Für einen „Neuling“ sei es besonders herausfordernd, die ideale Anlageneinstellung herauszufinden, um konstant zu performen. Umso mehr freue er sich daher, dass er den Preis als bester ökologischer Getreide-Z-Saatgut-Aufbereiter erhalten habe.

Überraschungen und Probleme gab es in der anfänglichen Phase jedoch kaum: „Unser Motto ist: ‚Wenn dann mach mer’s gscheit‘ – von nennenswerten Problemen und Überraschungen sind wir bislang verschont geblieben.“.

Herausforderungen in der ökologischen Saatgutproduktion

Im Vergleich zur konventionellen Produktion sieht sich der ökologische Saatgutproduzent mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Dabei wird die Einhaltung ökologischer Standards weniger durch die Aufbereitung, sondern vielmehr durch die Produktion auf dem Feld sichergestellt. Endres bringt es auf den Punkt: „Wir sind viel mehr auf das Produkt selbst angewiesen. Probleme können nicht durch Mitteleinsatz (z. B. chemische Beize) gelöst werden. Daher muss der gesamte Erzeugungsprozess stimmen.“ Dies bedeutet, dass jeder Schritt, von der Bodenvorbereitung über die Aussaat bis hin zur Ernte, sorgfältig geplant und durchgeführt wird, um sicherzustellen, dass die ökologischen Standards eingehalten werden.

Fokus auf natürliche Widerstandsfähigkeit

Besonders im ökologischen Bereich sind Betriebe auf eine gute Ausgangsbasis der verwendeten Betriebsmittel angewiesen. „Gute Werte bei Keimfähigkeit und Triebkraft sind entscheidend für robustes Pflanzenwachstum und resiliente Entwicklung“, erklärt Endres. Interessanterweise sieht Endres hier auch Potenzial für den konventionellen Bereich: „Eigentlich müsste IMMER zuerst auf die natürliche Fähigkeit des Saatgutes geachtet werden. Dies könnte so manchen Beizmitteleinsatz im konventionellen Bereich unnötig machen.“ Für ihn steht fest, dass die Erkenntnisse aus der ökologischen Landwirtschaft auch für konventionelle Betriebe von großem Wert sein können und möglicherweise zu einer insgesamt nachhaltigeren Landwirtschaft führen könnten.

Vision einer nachhaltigen Landwirtschaft

Mit Blick auf die Zukunft hat Benedikt Endres klare Vorstellung: „Mein Ziel ist, mit konstant guter Saatgutqualität punkten zu können.

Meine Vision ist die fortschreitende Umstellung vieler Kollegen zum Ökolandbau für eine umweltverträglichere Landbewirtschaftung und möglichst gesunde Lebensmittel – am liebsten 100 % Bio.“ Für ihn ist die ökologische Produktion nicht nur ein Nischenmarkt, sondern ein Zukunftsmodell für die gesamte Branche.

Für die kommenden fünf bis zehn Jahre erwartet Endres positive Entwicklungen in der ökologischen Landwirtschaft. „Ich erwarte einen konstant wachsenden Bioabsatz und wieder steigendes Bewusstsein beim Einkaufsverhalten der Verbraucher. Die Absatzdelle durch die Krisen der Welt wird sich erholen und die Betriebe sich vermehrt mit Umstellungsgedanken befassen. Regionale Bioerzeugnisse rücken dann wieder mehr in den Fokus,“ resümiert er optimistisch.

Fazit

Hochwertiges Saatgut bildet die Grundlage für gesunde, widerstandsfähige Pflanzen, die besser mit Krankheiten und Schädlingen umgehen können. Besonders die Produktion von ökologischem Z-Saatgut, wie sie von Benedikt Endres praktiziert wird, stellt hohe Qualitätsanforderungen an den Vermehrer und Aufbereiter. Sie erfordert ein tiefes Verständnis für natürliche Prozesse, den Einsatz modernster Technik und ein engagiertes Team. Der Erfolg von Endres, gekrönt durch die Auszeichnung als bester ökologischer Getreide-Z-Saatgut-Aufbereiter 2023, zeigt, dass mit Leidenschaft, Erfahrung und dem richtigen Ansatz herausragende Ergebnisse erzielt werden können.

Benedikt Endres

Bild: Daniel Delang /
Öko-Modellregionen Bayern

Betriebsspiegel

Betriebsleiter:
Benedikt Endres
Betriebsform:
Ackerbau
Ackerbau:
280 ha
Saatgutvermehrung:
ca.
40 ha Winterweizen
25 ha Dinkel
15 ha Sommergerste
15 ha Hafer
50 ha Sojabohnen
40 ha Zuckerrübe
15 ha Sonnenblumen
20 h Kichererbsen
50 ha Luzerne
10 ha Sonstige
Klima:
580 mm Jahresniederschlag, 9,7°C
Boden:
>80 % schluffiger Lehm

Benedikt Endres erzeugt ökologisches Saatgut nach Bioland-Richtlinien.

Bild: Endres

Akribische Planung und strenge Kontrolle

Fachartikel

Akribische Planung und strenge Kontrolle

Die Vermehrung und Aufbereitung von Saatgut ist ein aufwendiger Prozess.

Die Reinsdorfer Agrargenossenschaft aus Sachsen gibt Einblicke in die verantwortungsvolle Arbeit.

Die Reinsdorfer Agrargenossenschaft eG bei Waldheim, rund 60 Kilometer westlich von Dresden, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Ursprünglich als LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) mit Pflanzen- und Tierproduktion gegründet, hat sich der Betrieb heute zusätzlich ein Standbein in der Saatgutproduktion aufgebaut. Dabei setzt die Genossenschaft auf nachhaltige Anbaumethoden, innovative Technik und eine gezielte Marktstrategie.

Der Klimawandel stellt Landwirte vor neue Herausforderungen. In Reinsdorf begegnet man diesen mit einer Mischung aus Erfahrung und Innovation. „Wir setzen verstärkt auf trockenresistente Sorten“, erläutert Charlotte Glitz, Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft. „Aber das allein reicht nicht. Unser gesamtes Anbausystem muss sich anpassen.“ Extremwetterlagen wie Trockenperioden im Sommer und feuchte Frühjahre erschweren die Planung. „Die letzten Jahre haben gezeigt, dass wir flexibel reagieren müssen“, ergänzt sie. Die Fruchtfolgegestaltung ist dabei ein Schlüsselelement. Auf einer bewirtschafteten Fläche von 1.200 ha hat die Genossenschaft neben den klassischen Kulturen wie Weizen, Gerste und Raps, auch auf 95 ha Triticalevermehrung als wichtige Säule etabliert. Aber auch Leguminosen wie Erbsen finden ihren Platz. „Sie lockern die Fruchtfolge auf, binden Stickstoff und verbessern die Bodenstruktur. Das spüren wir in der gesamten Rotation“, stellt Glitz heraus.

Effizient durch nachhaltige Praktiken

Die Genossenschaft hat sich auf die Vermehrung und Aufbereitung von Saatgut spezialisiert und bedient mit Triticale eine wichtige Marktnische. „Triticale vereint die Vorteile von Weizen und Roggen. Sie ist robust, anspruchslos und liefert stabile Erträge – ideal für unsere Bedingungen“, erklärt Marco Rost, Leiter der Saatgutproduktion.

„Durchwuchs ist der Feind jedes Vermehrers“, weiß Rost. „Deshalb planen wir die Fruchtfolge auf den Vermehrungsflächen besonders akribisch. In der Vermehrung haben wir deutlich strengere Vorgaben als im regulären Ackerbau“, betont er. Besonders wichtig ist eine weite Fruchtfolge, die die Bestände sauber hält und das Risiko von Durchwuchs, Krankheiten und Schädlingsbefall minimiert.

Während der Vegetation werden die Bestände intensiv betreut. Geschulte Mitarbeiter kontrollieren regelmäßig auf Fremdbesatz. „Wenn nötig, gehen wir mit einigen Mitarbeitern durchs Feld und selektieren per Hand“, erklärt Rick Hertzsch, zuständig für die Vermehrungsvorhaben. „Das ist zwar aufwendig, aber für Spitzenqualität im Z-Saatgut-Bereich unerlässlich.“

Die Auswahl der richtigen Sorten spielt ebenfalls eine Schlüsselrolle. Besonders bei Weizen ist Stickstoffeffizienz von Bedeutung. „Unser Ziel ist es, mit minimaler Düngung maximalen Proteingehalt zu erzielen.“ Daher wird jedes Jahr die Düngestrategie neu bewertet und angepasst, statt pauschal festgelegte Mengen zu verwenden.

Der Fahrer der Pflanzenschutzspritze spielt ebenfalls eine unverzichtbare Rolle. Er kennt die Felder in- und auswendig und gibt einen ersten Eindruck der Bestände wieder. Diese enge Betreuung sorgt dafür, dass potenzielle Probleme frühzeitig erkannt und zielgerichtet behandelt werden. Die weite Fruchtfolge trägt nicht nur zur Vermeidung von Krankheiten bei, sondern auch zur Reduktion des Schädlingsbefalls. „Schädlinge wie das Getreidehähnchen oder der Maiszünsler fühlen sich bei engen Fruchtfolgen besonders wohl“, warnt Hertzsch. Der Fruchtwechsel unterbricht den Entwicklungszyklus vieler Schädlinge und reduziert so den Befallsdruck. Auch Pilzkrankheiten wie Schwarzbeinigkeit oder Halmbruch treten vor allem bei engen Fruchtfolgen auf. Der Wechsel mit Blattfrüchten wie Raps oder Leguminosen verringert den Krankheitsdruck und minimiert den Einsatz von Fungiziden.

Zusätzlich trägt die Fruchtfolge zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit bei. „Mit Zwischenfrüchten und stickstoffbindenden Pflanzen wie Erbsen verbessern wir die Bodenstruktur und verringern den Bedarf an zusätzlichem Dünger“, erklärt er. Diese nachhaltige Strategie fördere nicht nur stabile Erträge, sondern stelle Saatgut mit den höchsten Qualitätsanforderungen sicher.

Präzision in der Saatgutaufbereitung

Die Saatgutproduktion endet nicht mit der Ernte – im Gegenteil: Die Qualitätssicherung wird auch während der Aufbereitung fortgeführt. Nach der Einlagerung wird die Rohware streng kontrolliert. Die optimale Feuchte bei der Einlagerung liegt bei 15–16 %. Durch konsequentes Runterlüften auf unter 20 °C wird die Lagerfähigkeit gewährleistet.

Der Prozess der Saatgutaufbereitung erfolgt in der Reinsdorfer eG in mehreren Stufen:

  • Grobreinigung: Entfernen von Fremdbesatz mittels Sieben und Wind.
  • Spezialreinigung: Bruchkorn und Fremdbesatz werden durch Trieur-Trommeln entfernt.
  • Silo-Lagerung: Unter kontrollierten Bedingungen wird das Saatgut zwischengelagert und eine Probe wird im Labor auf die Beschaffenheit überprüft.
  • Wenn alle Parameter zur Eignung für Z-Saatgut eingehalten werden, wird eine Anerkennung erteilt und die Ware ist handelsfähig.
  • Beizung und Verpackung: Big Bags, Papiersäcke oder lose Verladung auf LKW.

„Unsere Aufbereitungskapazität reicht von zwei bis sechs Tonnen pro Stunde, je nach Reinigungsanlage“, berichtet Rost. Ein besonderer Fokus liegt auf der schonenden Behandlung des Z-Saatgutes. Fallhöhen werden minimiert und Becherwerke laufen auf reduzierter Geschwindigkeit, um Bruchkorn zu vermeiden. „Wir wollen nicht nur die Mindeststandards erfüllen, sondern stets das Optimum erreichen“, betont Glitz.

Die Vermarktung des Z-Saatgutes erfolgt dann über die Geschäftsstellen von Saatgut 2000, der einzigen neu gegründeten VO-Firma im Osten Deutschlands. „Eine regionale Vermarktung wäre der Idealzustand, aber aktuell nicht realistisch“, muss Glitz zugeben. „Die Region um Dresden ist kein typisches Triticaleanbaugebiet. Aber unser Ziel ist es, den Bereich der Saatgutvermehrung weiter auszubauen und weitere Potenziale zu erschließen, indem wir gezielt auf Nachfrage reagieren und unser Sortiment erweitern“, so Glitz.

Digitale Pläne für die Zukunft

Doch trotz aller Erfolge bleibt die Landwirtschaft ein herausforderndes Geschäft. Der Kampf um Pachtflächen, steigende Auflagen und schwankende Märkte fordern die Genossenschaft. „Wir müssen ständig am Ball bleiben“, sagt Glitz. „Stillstand können wir uns nicht leisten.“

Für die Zukunft hat man große Pläne. Wie erwähnt, soll die Saatgutvermehrung weiter ausgebaut werden. Aber auch in Sachen Digitalisierung und Präzisionslandwirtschaft will man vorangehen. „Wir investieren in Technik und Know-how. Aber immer mit Augenmaß. Die Technik soll uns unterstützen, nicht ersetzen“, ergänzt sie.

Ein besonderes Anliegen ist der Genossenschaft der Nachwuchs. „Wir bilden aus und bieten jungen Menschen eine Perspektive“, betont sie. „Denn nur mit qualifizierten und motivierten Mitarbeitern können wir die Herausforderungen der Zukunft meistern.“

Fazit

Die Reinsdorfer Agrargenossenschaft eG zeigt, wie sich Tradition und Fortschritt vereinen lassen. Mit einem klaren Fokus auf Qualität, nachhaltigen Anbaumethoden und der Spezialisierung auf die Saatgutvermehrung hat sich der Betrieb eine starke Position erarbeitet.

Jennifer Nickel
Getreidefonds Z-Saatgut e. V.

Die Reinsdorfer Agrargenossenschaft in Waldheim bewirtschaftet 1.200 ha Fläche.

Foto: Reinsdorfer Agrargenossenschaft eG

Marco Rost sorgt für die fachgerechte Aufbereitung des Z-Saatgutes.

Foto: Reinsdorfer Agrargenossenschaft eG

Für die Ernte werden zwei John-Deere-Mähdrescher eingesetzt, die durch ihr Rotorsystem die Körner schonen ausdreschen.

Foto: Niklas Polster/Luftbilder_HD

Die 95 ha Triticalevermehrung werden in der eigenen Anlage aufbereitet und durch Saatgut 2000 vermarktet.

Foto: Reinsdorfer Agrargenossenschaft eG

Die Drillmaschine sorgt mit hoher Flächenleistung für eine termingerechte und gleichmäßige Saatgutablage.

Foto: Reinsdorfer Agrargenossenschaft eG

Die Gülle aus der Milchviehhaltung (knapp 500 Rinder) und die Gärreste der 549 kW-Biogasanlage werden als organische Dünger auf den Feldern ausgebracht.

Foto: Reinsdorfer Agrargenossenschaft eG

Die Kunst der Saatgutvermehrung: Z-Saatgut-Vermehrer und -Aufbereiter zieht Bilanz

Fachartikel

Die Kunst der Saatgutvermehrung:

Z-Saatgut-Vermehrer und -Aufbereiter zieht Bilanz

2023 war ein Jahr der Extreme – das kalte und nasse Frühjahr verzögerte die Aussaat, durch die Frühsommertrockenheit gerieten u. a. die Sommerungen unter Trockenstress, und der verregnete Juli/August sorgte für wochenlange Druschpausen und ließ einige Bestände ins Lager gehen. Vor allem die Flächen im Norden und Westen Deutschlands waren von Auswuchs betroffen. Gegebenheiten, die besonders in der Saatgutproduktion erfahrene und fachkundige Profis erfordern, um am Ende Qualitätssaatgut für die Landwirte herstellen zu können.

Saatgutvermehrer in der 3. Generation

Ulrich Horsch aus dem baden-württembergischen Maulbronn ist einer dieser Profis. Seit der Übernahme des elterlichen Betriebes 1996 hat Horsch den Betriebszweig der Vermehrung und Aufbereitung kontinuierlich ausgebaut. „Die Saatgutvermehrung ist mehr als nur eine Tätigkeit – es ist eine Tradition, die wir seit drei Generationen mit Herzblut verfolgen. Durch stetige Anpassungen und Investitionen haben wir nicht nur die Technologie vorangetrieben, sondern auch unser Vermehrungssortiment vielfältig erweitert“, betont der erfahrene Betriebsinhaber.

Die Vielfalt im Fokus: Z-Saatgut und mehr

Aktuell vermehrt der Elfinger Hof zwei Sorten Wintergerste, sechs Sorten Winterweizen, eine Sorte Sommerweizen und zwei Sorten Sommerbraugerste. Die Breite des Vermehrungssortiments dient nicht nur der optimalen Auslastung der Aufbereitungsanlage, sondern hat auch das Ziel, ein breites und angepasstes Portfolio für die Landwirte in der Region bereitzustellen. Auf dem Betrieb von Ulrich Horsch wird nur Saatgut aus der eigenen Vermehrung aufbereitet. „Die Produktion von Z-Saatgut erfordert höchste Qualitätsstandards. Daher haben wir vor einigen Jahren entschieden, uns aus der Aufbereitung von Saatgut anderer Betriebe zurückzuziehen, um die Kontrolle über die Qualität von Anfang bis Ende zu behalten“, erklärt der Vermehrer.

Ulrich Horsch (rechts) und sein Mitarbeiter Werner Ludwig beim Absacken des gereinigten Z-Saatgutes

Foto: U. Horsch

„Ich habe den Anspruch, unseren Landwirten Z-Saatgut höchster Qualität anzubieten.“

Qualität beginnt auf dem Feld

Die Qualität des Saatgutes steht und fällt nicht nur mit der Aufbereitung, sondern beginnt bereits auf dem Feld. „Eine sorgfältige Bodenbearbeitung, eine durchdachte Fruchtfolge und die Vermeidung von Ausfallgetreide sind von grundlegender Bedeutung. Besonders im Kontext von Z-Saatgut ist eine akribische und in den meisten Fällen händische Feldbereinigung vor der Ernte unerlässlich“, betont Horsch. Für ihn kann eine erfolgreiche Vermehrung nur in weiten Fruchtfolgen mit konsequentem Wechsel von Sommer- und Winterungen erfolgen. „Unsere Fruchtfolge unterscheidet sich oft von der unserer Berufskollegen“, stellt Horsch fest. Wintergerste wird beispielsweise nach Raps oder anderen Blattfrüchten vermehrt. Die Wintergerstenvermehrung nach Weizen ist aufgrund von Weizendurchwuchs nicht möglich. Ein weiterer Punkt betrifft das Glyphosatverbot. Falls es bestehen bleibt, wird die Sommergerstenvermehrung nach Weizen in Mulchsaat nicht mehr möglich sein, da der Weizendurchwuchs nicht zu 100 Prozent mechanisch bekämpft werden kann. Daher plant der Landwirt, die Sommergerste nach spätgerodeten Zuckerrüben zu vermehren. Ebenfalls vermieden wird die Ausbringung von Stallmist vor Getreide, um Verunreinigungen durch Getreidereste aus dem Stroh zu verhindern. Die Keimung des Ausfallgetreides ist die Grundvoraussetzung für die anschließende mechanische Bekämpfung. Hier setzt der Landwirt auf eine Grundbodenbearbeitung, gefolgt von einem Feingrubber mit Gänsefußscharen. Ein entscheidender Unterschied zu anderen Landwirten besteht darin, dass der Walzennachläufer durch einen Striegel ersetzt wurde. Dadurch werden Pflanzen nicht erneut angedrückt und können nicht weiterwachsen. Ein Vergraben des Ausfallgetreides muss laut dem Vermehrer durch Pflügen oder tiefes Grubbern vermieden werden, da es sonst in den folgenden Jahren immer wieder Verunreinigungen in den Vermehrungsbeständen nach sich zieht.

„Unsere Entscheidungen auf dem Feld beeinflussen direkt die Reinheit, Keimfähigkeit und Sortenreinheit des produzierten Z-Saatgutes.“

 

Auch nach der Ernte legt der Betriebsinhaber großen Wert auf Sauberkeit und Hygiene auf dem Hof und im Getreidelager. So werden die Getreideannahme und alle an der Aufbereitung beteiligten Geräte nach jedem Arten- und Sortenwechsel penibel gereinigt, damit Vermischungen ausgeschlossen werden. Um Keimfähigkeitsverluste zu minimieren, wird das Getreide möglichst schonend gedroschen, transportiert und schonend entgrannt.

Saatgutsaison 2023 auf dem Elfinger Hof

Da die Getreideflächen des Elfinger Hofes im Frühdruschgebiet liegen, war die Qualität der Saatware insgesamt gut. Die Keimfähigkeiten waren überwiegend sehr gut bis gut, jedoch brachte die Sommertrockenheit im Juni und Juli vor allem bei späteren Weizensorten und der Sommergerste Herausforderungen in der Sortierung mit sich. Einige Partien mussten daher zweimal gereinigt werden, um eine Spitzen- Saatgutqualität zu gewährleisten, wobei laut Horsch bis zu 30 Prozent Sortierabgang akzeptiert werden musste.

Der verregnete Sommer führte beim Betriebsinhaber vermehrt zu besorgten Anfragen bezüglich der Saatgutverfügbarkeit von Saatweizen. „Die Bestellungen für Weizensaatgut trafen frühzeitig ein, da Landwirte befürchteten, dass es aufgrund der Witterungsbedingungen knapp werden könnte“, resümiert Horsch.

Trotz der reichlichen Wintergerstenernte, konnte diese aufgrund des deutlichen Rückganges der Schweinehaltung nicht vollständig vermarktet werden. Im Gegensatz dazu verzeichnete der Saatweizen einen erfolgreichen Absatz. Angesichts dieser Erfahrungen zieht das Unternehmen Rückschlüsse für die kommende Saison. So wird die Sommergerstenvermehrung, insbesondere für die Herbstsaat, ausgebaut. Seit fünf Jahren ist der Elfinger Hof auch in der Sojabohnenvermehrung tätig und hat dabei gezielt eine bestimmte Sorte in den Fokus genommen. In dieser Zeit wurde die Aufbereitungsanlage entsprechend modifiziert, um die Förderwege und Fallhöhen zu verringern.

Damit reagiert das Unternehmen strategisch auf die Marktanforderungen und strebt eine zukunftsorientierte Ausrichtung der Saatgutsaison an.

Herausforderungen der Branche

Die größte Herausforderung für den Familienbetrieb liegt, neben der Witterung, in der wirtschaftlichen Darstellung der Saatgutvermehrung sowie im bürokratischen Aufwand. „Steigende Kosten setzen uns unter Druck. Die Investitionen in Anlagentechnik, die steigenden Dokumentations- und Zertifizierungskosten erfordern eine fortwährende Anpassungsfähigkeit“, gibt der Betriebsinhaber zu bedenken.

„Die Qualität unserer Arbeit spiegelt sich unmittelbar im Endprodukt, dem Z-Saatgut, wider. Um weiterhin auf diesem Qualitätsniveau agieren zu können, müssen die Kosten der Vermehrung und Aufbereitung angemessen berücksichtigt werden“, hebt der Vermehrer hervor. „Es ist entscheidend, dass Landwirte die Bedeutung dieser Kosten für ein hochwertiges Produkt verstehen und bereit sind, angemessene Preise dafür zu zahlen. Nur so können wir die gewohnten Standards und die Erwartungen unserer Kunden erfüllen.“

Trotz dieser Herausforderungen bleibt die Motivation hoch. „Positive Rückmeldungen zum Z-Saatgut bestätigen nicht nur die Qualität der Aufbereitung, sondern spornen mich und mein Team an, auch in Zukunft höchste Standards zu erreichen“, unterstreicht Ulrich Horsch.

Vor der Feldbestandsprüfung werden die Saatgutvermehrungsflächen händisch von Fremdbesatz gereinigt.

Foto: U. Horsch

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