wie bei Strube D&S in Schlanstedt hochwertiges Z-Saatgut entsteht

Fachartikel

Ausgezeichnete Handarbeit

Wie bei Strube D&S in Schlanstedt hochwertiges Z-Saatgut entsteht

Bei den diesjährigen DLG-Feldtagen wurde die Saatgutaufbereitungsanlage von Strube in Schlanstedt als „Bester Aufbereiter 2025“ in Sachsen-Anhalt ausgezeichnet. Grund genug, einmal genauer hinzuschauen: Was passiert eigentlich hinter den Toren der Anlage? Und was braucht es, damit aus geernteter Rohware hochwertiges Z-Saatgut wird?

Ein Preis, der die tägliche Arbeit würdigt

Als bester Aufbereiter 2025 aus Sachsen-Anhalt ausgezeichnet zu werden, war für das Team in Schlanstedt eine schöne Bestätigung von außen. „Feedback von Berufskollegen und Landwirten zur Aufbereitungsqualität bekommen wir durchaus – der Preis des Getreidefonds Z-Saatgut e. V. setzt dem noch einmal die Krone auf“, sagt Lagerleiter Andreas Lindemann. Umso mehr lohnt sich der Blick auf einen Betrieb, der 1877 gegründet wurde und schon früh in seiner Geschichte international handelte und züchtete – selbst während der beiden Weltkriege wurde der Ausbau von Forschungs- und Verarbeitungseinrichtungen nicht gestoppt. Heute unterhält Strube eigene Züchtungsprogramme für Zuckerrübe und Weizen. Seit 2025 gehört das Unternehmen zur RAGT-Gruppe und vertreibt sein Sortenportfolio in mehr als 40 Ländern weltweit.

„Wir betrachten unsere Genetik immer durch eine Art Zeitfenster in die Zukunft. Dürretoleranz, Nährstoffeffizienz und Toleranzen gegen klimabedingt neu oder verstärkt auftretende Krankheiten sind deshalb schon lange im Fokus unserer Züchter“, beschreibt Fachbereichsleiterin Johanna Hebestreit den züchterischen Anspruch. Möglich wird das durch ein breit aufgestelltes Versuchsnetzwerk, in dem Sorten unter unterschiedlichsten klimatischen Bedingungen geprüft werden, bevor sie in den jeweiligen Märkten Einzug halten.

Von der Fläche bis zur Anlage: der Weg zum Z-Saatgut

Als Züchter vermehrt Strube auf rund 180 Hektar Vorstufen- und Z-Saatgut in Winter-, Wechsel- und Sommerweizen. Aufbereitet wird an zwei Standorten mit unterschiedlicher Ausrichtung: Söllingen in Niedersachsen ist auf kleinere Partien ausgelegt und verarbeitet dort jährlich rund 1.170 Tonnen Rohware aus der eigenen Vermehrung. Schlanstedt in Sachsen-Anhalt kommt bei der reinen Rohware zwar nur auf etwa 370 Tonnen, ist aber die größere und leistungsfähigere Anlage – denn hier übernimmt Strube zusätzlich die Aufbereitung als Dienstleistung für andere Züchtungsunternehmen: Rund 2.500 Tonnen Z-Saatgut Roggen werden dort aufbereitet, hinzu kommen etwa 450 Tonnen Erbsen der Basis- und konventionellen Stufe. Zählt man das Dienstleistungsgeschäft hinzu, läuft in Schlanstedt insgesamt mit Abstand bei Getreide das größte Volumen der beiden Standorte durch die Anlage.

Für Lagerleiter Andreas Lindemann, der die Anlage in Schlanstedt verantwortet, beginnt gute Aufbereitung nicht am Reinigungstisch, sondern auf dem Feld. „Es beginnt, wenn der Vermehrer für uns aussät, düngt und den Bestand betreut, und mündet letztlich in der Ernte bei möglichst optimalen Bedingungen und mit einem sorgfältig eingestellten Mähdrescher“, sagt Lindemann. Gewissenhafte Teamarbeit und fundiertes Fachwissen seien dabei das ganze Jahr über die Grundlage – nicht nur in der kurzen, intensiven Aufbereitungssaison. Denn wenn die Rohware in Schlanstedt ankommt, ist bereits vieles entschieden. Den Ausschlag gibt dabei, mit welcher Qualität und welchem Besatz eine Partie in die Anlage gelangt. Fremdgetreide, Unkrautsamen oder andere Nichtkornbestandteile erhöhen den Reinigungsaufwand und können im ungünstigen Fall die Sortenreinheit gefährden. Für das Team bedeutet das, jede Partie genau zu betrachten und die Reinigung auf die jeweilige Ausgangssituation abzustimmen. „Eine einheitliche Einstellung nach Schema F gibt es dabei nicht: Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Kultur, Sorte und Beschaffenheit der Rohware“, betont Lindemann.

Betriebsspiegel:

Unternehmensform: Familienunternehmen, seit 2025 Teil der RAGT-Gruppe

Gegründet: 1877

Schwerpunkte: Pflanzenzüchtung (Zuckerrübe, Weizen) sowie Vermehrung und Aufbereitung von Vorstufen- und Z-Saatgut

Vermehrungsfläche: rund 180 ha Winter-, Wechsel- und Sommerweizen

Standorte: Söllingen (Niedersachsen, ca. 1.170 t Rohware/Jahr) und Schlanstedt (Sachsen-Anhalt, ca. 370 t Rohware/Jahr)

Dienstleistungsaufbereitung in Schlanstedt: ca. 2.500 t Z-Saatgut Roggen, ca. 450 t Erbsen Basis & konventionell

Vertrieb: Produkte in mehr als 40 Ländern weltweit

Das ausgezeichnete Team aus Schlanstedt: Franziska Ernst, Johanna Hebestreit und Andreas Lindemann (v.l.n.r.) freuen sich über die Auszeichnung als bester Aufbereiter 2025 aus Sachsen-Anhalt.

Das ausgezeichnete Team aus Schlanstedt: Franziska Ernst, Johanna Hebestreit und Andreas Lindemann (v.l.n.r.) freuen sich über die Auszeichnung als bester Aufbereiter 2025 aus Sachsen-Anhalt.

Der Standort Schlanstedt aus der Vogelperspektive – hier laufen Züchtung und Dienstleistungsaufbereitung unter einem Dach zusammen.

Bild: Standort Schlanstedt

Der Standort Schlanstedt aus der Vogelperspektive – hier laufen Züchtung und Dienstleistungsaufbereitung unter einem Dach zusammen.

Flächenwahl entscheidet über die Qualität

Die anbautechnischen Entscheidungen liegen vollständig in der Obhut der Vermehrer, mit denen der Betrieb langjährige Partnerschaften pflegt. Sie gehören zu den wichtigsten Partnern des Unternehmens und prägen damit auch die enge Verbindung von Strube zur Landwirtschaft in der Region. Während der Vermehrungsplanung findet ein regelmäßiger Austausch statt, um gemeinsam die bestmögliche Rohwarenqualität als Basis für gutes Saatgut zu erreichen. „Einer der wichtigsten Aspekte ist die sorgfältige Auswahl der Flächen, vor allem mit Blick auf die Fruchtfolge“, erklärt Hebestreit. Denn was sich bereits auf dem Feld entwickelt, lässt sich später in der Aufbereitung nicht immer problemlos korrigieren. Besonders problematisch sind Fremdgetreide und Unkrautsamen, die sich hinsichtlich Größe, Form oder Gewicht teilweise nur schwer von der gewünschten Saatgutpartie unterscheiden lassen. Deshalb ist es für den Betrieb wirtschaftlicher und qualitativ sicherer, potenzielle Probleme möglichst früh zu vermeiden, statt sie erst nach der Ernte herausreinigen zu müssen.

„Gutes Z-Saatgut ist die günstigste Versicherung, die ein Betrieb abschließen kann“, fasst Hebestreit zusammen. „Nur wer sortenreines, gesundes und keimfähiges Saatgut aussät, bekommt einen gleichmäßigen Feldaufgang und einen Bestand, der von Anfang an konkurrenzfähig gegenüber Unkräutern und Krankheiten ist. Was hier stimmt, muss später nicht mehr korrigiert werden – weder mit zusätzlichem Pflanzenschutz noch mit Nachsaat oder Ertragseinbußen. Jede Partie, die wir sauber aus der Anlage geben, spart dem Landwirt am Ende Zeit, Geld und Nerven.“

Für die Zukunft soll diese Zusammenarbeit noch enger werden. Bei der Flächenauswahl will Strube verstärkt auf Vorfrüchte und Problematiken wie Ackerfuchsschwanz achten – etwa indem Gerste als Vorfrucht vor Weizen bewusst vermieden wird, um die Gefahr von Durchwuchs zu minimieren, und durch den Ausschluss von Flächen mit bekannter Ackerfuchsschwanzproblematik gar nicht erst für die Vermehrung ausgewählt werden.

Für die gereinigte Rohware stehen in Schlanstedt ca. 800 Boxen zur Verfügung.

Bild: Lagerhalle

Für die gereinigte Rohware stehen in Schlanstedt ca. 800 Boxen zur Verfügung.

Farbsortierer und Staubabsaugung sichern die Reinheit

Wie stark Technik und Erfahrung bei der Aufbereitung ineinandergreifen, zeigt sich an den verschiedenen Reinigungsschritten. Farbsortierer sind in Schlanstedt bereits im Einsatz: Sie sortieren gezielt einzelne Körner aus, die sich in ihren optischen Merkmalen vom gewünschten Saatgut unterscheiden – etwa bei Fremdgetreide oder Mutterkorn. Die Technik arbeitet dabei nicht isoliert: Je nach Beschaffenheit der Rohware müssen die einzelnen Reinigungsschritte aufeinander abgestimmt und die Maschinen entsprechend eingestellt werden. So lassen sich unerwünschte Bestandteile sehr zuverlässig entfernen und gleichzeitig Verluste an wertvollem Saatgut begrenzen. Staubabsaugungen an den wichtigsten neuralgischen Punkten der Anlage verbessern dabei sowohl den Arbeitsschutz als auch die Bedingungen für die Saatgutaufbereitung. Auflaufkrankheiten hält Strube derzeit durch den gezielten Einsatz von Beizmitteln im Griff. Trotz aller Technik bleibt die Erfahrung der Mitarbeiter ein entscheidender Faktor. Die Maschinen nehmen dem Team viele Arbeitsschritte ab, die Beurteilung der Rohware und die Kontrolle der Reinigung lassen sich jedoch nicht vollständig automatisieren. Gerade wenn sich eine Partie nicht wie erwartet verhält, sind Erfahrung und ein geschulter Blick gefragt. Die Mitarbeiter müssen erkennen, wann eine Einstellung angepasst, ein Reinigungsschritt verstärkt oder eine Partie nochmals überprüft werden muss.

Für die Zukunft prüft das Unternehmen, in allen Reinigungslinien einen Farbsortierer zu integrieren und neue Aufbereitungstechnik wie Bürstmaschinen in die bestehenden Anlagen einzubauen. Damit soll die technische Ausstattung der Aufbereitung gezielt weiterentwickelt werden. „Dadurch, dass wir als Züchter in der Vorstufenvermehrung tätig sind, haben wir sowieso einen sehr hohen Anspruch an die Qualität – und dieser spiegelt sich ebenso im Z-Saatgut wider“, betont Hebestreit.

Bürokratie als zusätzliche Hürde

Dass Klimaanpassung längst kein reines Zukunftsthema mehr ist, zeigt auch der Blick auf die gesetzlichen Vorgaben. Mit der Auflage NT699 wonach bestimmte Mittel auf Saatgut nur noch in professionellen, staubmindernden Saatgutbehandlungseinrichtungen ausgebracht werden dürfen, mussten beide Standorte beim Julius-Kühn-Institut gelistet werden. „Das hat wieder einen größeren bürokratischen Aufwand mit sich gebracht“, so Hebestreit.

Für die kommenden Jahre rechnet das Unternehmen mit weiteren Hürden. „Die größte Ungewissheit sind Wirkstoffverbote. Fludioxonil steht uns zwar momentan noch zur Verfügung, aber ein Verbot hätte weitreichende Folgen für die gesamte Landwirtschaft“, sagt Hebestreit. Im Getreide seien Schädlinge und Krankheiten derzeit noch nicht das drängendste Problem – das seien eher Unkräuter -, doch das werde sich spätestens mit einem Fludioxonil-Verbot ändern, wenn Flug- und Steinbrand wieder an Bedeutung gewinnen könnten.

Für die Saatgutaufbereitung wäre das nicht nur eine Frage eines einzelnen Wirkstoffs. Fällt eine etablierte Beizmöglichkeit weg, muss die Branche nach anderen Wegen suchen, um die Saatgutqualität und den Schutz der jungen Pflanzen sicherzustellen. Damit steigt auch die Bedeutung aller Maßnahmen, die bereits vor der Aufbereitung ansetzen: eine geeignete Fläche, eine möglichst saubere Rohware und eine konsequente Feldhygiene.

Für jeden Arbeitsauftrag ist ein Rückstellmuster aufzubewahren.

Bild: Probenraum

Für jeden Arbeitsauftrag ist ein Rückstellmuster aufzubewahren.

Aufbereitung mit Blick nach vorn

Wie sich die Saatgutbranche in den kommenden Jahren entwickeln wird, sehen beide nüchtern. Wettbewerbsverzerrung durch Wirkstoffverbote sowie Beschränkungen bei den Züchtungsmethoden könnten den Zuchtfortschritt im internationalen Vergleich erschweren -während Strube gleichzeitig nach europäischen und deutschen Vorschriften produzieren und weltweit erfolgreich bleiben muss. „Das ist eine größere Herausforderung, die wir gerne annehmen“, sagt Hebestreit dazu.

Für die Zukunft prüft das Unternehmen, in allen Reinigungslinien einen Farbsortierer zu integrieren, neue Aufbereitungstechnik wie Bürstmaschinen in die bestehenden Anlagen einzubauen und die Feldhygiene noch stärker in den Mittelpunkt der Vermehrungsplanung zu rücken. Für Lindemann bedeutet das vor allem eines: noch engere Absprachen mit den Vermehrungslandwirten, lange bevor die erste Saat in den Boden kommt. „Je genauer wir schon bei der Flächenwahl auf Vorfrüchte und mögliche Problematiken achten, desto weniger Aufwand haben wir später bei der Reinigung – und desto sicherer ist am Ende die Qualität“, fasst er die Strategie zusammen.

Fazit

Die Reportage zeigt: Hochwertiges Z-Saatgut entsteht nicht erst in der Aufbereitungsanlage. Entscheidend ist das Zusammenspiel vieler Schritte – von der Auswahl der Fläche und der Vermehrungsplanung über die Ernte bis zur Reinigung und Kontrolle der fertigen Partie. Moderne Technik schafft dabei neue Möglichkeiten, ersetzt aber nicht die Erfahrung und den geschulten Blick der Mitarbeiter.

Für Strube bedeutet das, Bewährtes weiterzuführen und zugleich Technik und Arbeitsweisen weiterzuentwickeln. Eine möglichst saubere Rohware, enge Abstimmung mit den Vermehrern und eine präzise Aufbereitung sollen auch künftig die Grundlage dafür bilden, dass aus der Ernte hochwertiges Z-Saatgut wird – trotz wachsender fachlicher und regulatorischer Herausforderungen.

Blick in die aktuelle Saatgutsaison

Die zurückliegende Saison verlangte dem Team in Schlanstedt einiges ab. „Eine schwierige Saison aufgrund der Ernte, mit hohem Besatz an Mutterkorn“, fasst Lindemann zusammen. Erhöhter Kleinkornbesatz und geringe Korngewichte kamen hinzu: Die frühen heißen Tage ließen den Weizen sehr schnell einreduzieren, teils ging der Bestand vorzeitig in die Notreife, was zu kleinerer Kornausbildung führte. Hinzu kam vielerorts hohes Untersieb.

Die Konsequenz zog das Team direkt an der Anlage: Bei manchen Sorten wurde die Reinigung spürbar schärfer eingestellt, um trotz schwieriger Ausgangsware die gewohnte Z-Saatgut-Qualität zu halten.

Autorin: Jennifer Nickel (M.Sc.agr.)

Bilder:

Quelle: GFZS

Das Korn im Fokus

Fachartikel

Das Korn im Fokus

Während auf politischer Ebene ein mögliches Verbot verschiedener Beizmittel diskutiert wird, stellt sich im Feld eine ganz andere Frage: Was schützt das Saatgut von morgen?

Steinbrand, Flugbrand und Fusarium kennen keine politischen Debatten – Saatgut muss Jahr für Jahr gegen diese Erreger bestehen, um Landwirten eine erfolgreiche Ernte zu bescheren. Chemische Beizen waren hier in den vergangenen Jahren das Mittel der Wahl, um die Körner von Beginn an zu schützen – sie überzeugen durch geringe Aufwandmengen, eine Wirkung direkt am Korn, weniger Überfahrten und nicht zuletzt: sichere Ernten. Doch dieser „Königsweg“ im integrierten Pflanzenschutz gerät nun unter Druck. Wirkstoffe stehen vor dem Aus und neue Genehmigungsverfahren dauern immer länger. Industrie und Wissenschaft arbeiten daher unter Hochdruck an Lösungen. Einen praktischen Einblick ermöglichten verschiedene Expertinnen und Experten den Teilnehmenden der Webinarreihe „KornKompetenz“ im vergangenen Winter. Eins scheint sich abzuzeichnen: Es geht um mehr als die bloße Genehmigung von Wirkstoffen – am Umgang mit Beizen könnte sich zeigen, in welche Richtung es für den chemischen Pflanzenschutz geht.

Schaubild

Die Zulassung als Nadelöhr

Dr. Dominique Kreul, Leiterin der Registrierung für Deutschland bei Syngenta, kennt die Genehmigungs- und Zulassungsprozesse in Sachen Pflanzenschutz und Beizen genau: „Eigentlich sollte eine Bewertung auf der EU-Ebene innerhalb von ca. 2,5 Jahren durchgeführt werden, aber leider sieht die Theorie in der Praxis anders aus. Es kann bis zu ein Jahrzehnt dauern, bis die Prüfung abgeschlossen ist“, berichtete sie und führte als Beispiel den Wirkstoff Trinexapac an, der ganze neun Jahre auf seine Wiedergenehmigung warten musste. Sie erläuterte den Zuhörern außerdem anhand eines Ampelfarbensystems, wie die Wirkstoffeigenschaften über eine Genehmigung und die dazugehörigen Genehmigungszeiträume entscheiden. Liegen die Wirkstoffe im „grünen Bereich“ kann eine Genehmigung für zehn bis fünfzehn Jahre erteilt werden, da ein akzeptables Risiko für Gesundheit und Umwelt vorliegt. Im Vergleich dazu gibt es Wirkstoffe, die auf Grund ihrer Eigenschaften eher in einem „gelben Bereich“ einzustufen sind und somit für maximal sieben Jahre genehmigt werden können: die sogenannten Substitutionskandidaten – hier muss auf Grund der höheren Risiken für Mensch, Tier oder Umwelt (z. B. Persistenz oder Toxizität) eine vergleichende Bewertung auf nationaler Ebene durchgeführt werden. Wird dabei eine sichere Alternative für eine Indikation gefunden, kann die Zulassung eines Mittels eingeschränkt oder sogar nicht erteilt werden. Keine Genehmigung in der EU erhalten dagegen Wirkstoffe im roten Bereich mit Cut-off-Kriterien, die zum Beispiel eine erbgutschädigende oder krebserzeugende Wirkung aufweisen.

Beizen vor dem Aus?

Was das nun für die chemischen Beizen bedeutet, beleuchtete Michael Hölter, BASF Leiter Fachberatung Deutschland. In der Liste aktuell zugelassener Beizmittel fallen viele gelb markierte Mittel auf, also Stoffe, die im Idealfall substituiert werden sollen. Insbesondere bei Fludioxonil und Tebuconazol ist innerhalb des Verfahrens wahrscheinlich, dass die Genehmigungen nicht verlängert werden.

Indem der Experte betroffene Mittel aus der Liste strich, verdeutlichte er den Teilnehmern die Brisanz des Themas. „Das Bild wird sehr dünn“, brachte er es auf den Punkt. Während für Gerste nur noch ein Produkt übrigblieb, ging Hafer in diesem Szenario leer aus. Der Experte machte jedoch auch deutlich, dass es weiter fungizide Beizen geben werde und BASF in deren Entwicklung investiert, selbst wenn einige die Zulassung verlieren. Es sei jedoch damit zu rechnen, dass bei einzelnen Getreidearten Bekämpfungslücken entstehen.

Wirkstofflücken schließen

Doch wie kann Saatgut alternativ behandelt werden, damit diese Lücken geschlossen werden? Aktuell werden verschiedene Optionen entwickelt und getestet. Elektronenbehandlung, Dampf, Bürsten – Körner können auf verschiedene Art und Weise desinfiziert werden. „Physikalische Verfahren haben eine breite Wirkung gegen Mikroorganismen und Pilzsporen, die außen auf der Schale sitzen oder als Pilzmyzel in den äußeren Randschichten“, erklärte Hölter. Dies gelte jedoch nicht für Flugbrände, da diese im Embryo des Korns sitzen. „Hier muss man erstmal rankommen“, weiß Hölter. Die Zunahme von Steinbrand und Flugbrand im Feld lässt sich bereits beobachten, berichtete der Saatgut-Experte. „Man nimmt an, durch die rückläufige Beizquote.“ Auch Kreul bestätigte: „Es ist eine Mammutaufgabe, vor der man steht. Man muss sich immer wieder an neue Szenarien anpassen, schaut nach Alternativen, um Lücken zu schließen. Das kann man nicht kurzfristig lösen.“ Ausnahmen für Vorstufen- und Basissaatgut hält Kreul daher für „wünschenswert“. Ein Vorschlag, den auch der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter e. V. unterstützt. Auf Nachfrage schätzt der Verband, dass circa 1 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche auf Zuchtgärten und Vermehrungsflächen zurückfällt. Diese versorgen also wiederum 99 % der Ackerflächen mit Saat- und Pflanzgut – eine Ausnahmeregelung zur Beize in bestimmten Gebieten, um gesundes Saatgut für die Landwirtschaft bereitstellen zu können und Ernten abzusichern, hält der Verband daher für mehr als gerechtfertigt.

Elektronenbehandlung als Chance

Roul Gamser von Geno-Saaten und André Weidauer von E-VITA stellten den Teilnehmern der Webinar-Reihe eine alternative Methode zur Saatgutbehandlung vor. „Wir setzen auf Elektronen, um das Saatgut von Schaderregern zu befreien“, erklärte Weidauer. Genauer gesagt basiert die Elektronenbehandlung auf beschleunigten Elektronen: energiereiche, negativ geladene Partikel, die in der Lage sind, chemische Bindungen aufzubrechen – und so gegen Pilze, Bakterien und Viren wirken können. Gamser stellte außerdem das Verfahren E-Vita-Plus vor, bei dem die Elektronenbehandlung mit anschließender biologischer Behandlung kombiniert wird. Bacillus-Bakterien, Vitamine und organische Säuren bilden laut des Referenten eine Schutzschicht auf dem Saatgut. „Während die Elektronenbehandlung primär für die Desinfektion des Saatguts verantwortlich ist, unterstützen die eingesetzten Biologicals die Pflanzen zusätzlich durch einen verbesserten Start und eine erhöhte Stresstoleranz“, erklärt der Experte.

Für einen erfolgreichen Feldaufgang und vitale Pflanzen ist gesundes Ausgangsmaterial entscheidend. Z-Saatgut wird auf seine Qualität und Gesundheit kontrolliert und bietet damit eine verlässliche Grundlage für die Aussaat.

Für einen erfolgreichen Feldaufgang und vitale Pflanzen ist gesundes Ausgangsmaterial entscheidend. Z-Saatgut wird auf seine Qualität und Gesundheit kontrolliert und bietet damit eine verlässliche Grundlage für die Aussaat.

Weidauer brachte die Technologie mit Forschungseinrichtungen, Universitäten, Saatgutproduzenten und Landwirten zur Marktreife. Er berichtete im Webinar, dass von unabhängigen Stellen die Gleichwertigkeit bei Ertrag und Feldaufgang zur chemischen Beizung bestätigt wurde, insbesondere bei Steinbrand. Auch Gamser teilte seine Beobachtungen mit den Zuhörenden: „Dank langjähriger Versuche konnten wir konsistent höhere Erträge mit E-Vita-Plus in Öko- und konventionellem Anbau feststellen – im Durchschnitt in Gerste 7 % und in Weizen 6 % mehr Ertrag.“ Aus Sicht der Referenten sei für die Landwirte aber die starke Wurzelentwicklung und die damit verbundene Stresstoleranz am wichtigsten. Gleichwohl betonen die Experten die Wichtigkeit der Bekämpfung von Getreidekrankheiten wie dem Flugbrand in der Saatgut-Vorstufe. „Ist das Saatgut erst einmal mit diesen tief im Keimling sitzenden Pathogenen infiziert, kommen sowohl Elektronen- als auch chemische Behandlung an ihre Grenzen“, so Weidauer. Bei befallenen Partien käme hier eigentlich nur die Aberkennung in Frage.

Biologicals statt Beize?

Die sogenannten Biologicals werden immer wieder als Alternative oder Ergänzung zu verschiedenen physikalischen Beizmethoden im Zusammenhang mit einem möglichen Verbot fungizider Beizen genannt. Es handelt sich dabei um natürliche Substanzen und lebende Mikroorganismen zur Förderung der biotischen Aktivität von Böden und Steigerung der Stresstoleranz von Pflanzen. Prof. Dr. Christel Baum von der Universität Rostock forscht seit 30 Jahren an Biologicals und ist von deren Potenzial überzeugt. „Viele Pflanzenschutzmittel basieren auf Wirkmechanismen aus der Natur und sind damit fast eine Nachahmung von Biologicals“, erklärte sie. In Versuchen mit Trichoderma an Weizen konnte sie eine signifikant erhöhte N-Aufnahme ins Korn beziehungsweise signifikant erhöhte N- und P-Aufnahmen in die Wurzel nachweisen, die auf eine geförderte Mineralisierung zurückgeht. „Biologicals haben ein hohes Potenzial in der Erhöhung der Stresstoleranz und Nährstoffnutzungseffizienz“, erklärte sie. Doch lassen sich damit wirklich die positiven Effekte fungizider Beizen ersetzen?

Saatgutbehandlungen können Getreide bereits in der frühen Entwicklungsphase vor samen- und bodenbürtigen Krankheitserregern schützen und so einen gesunden Feldaufgang unterstützen.

Saatgutbehandlungen können Getreide bereits in der frühen Entwicklungsphase vor samen- und bodenbürtigen Krankheitserregern schützen und so einen gesunden Feldaufgang unterstützen.

Keine Angst vor Biologie

„Wer zuerst sitzt, blockiert den Stuhl“, erklärte Carsten Schmidt von der Progress Agrar GmbH zu genau dieser Frage und übertrug das Prinzip auf die Pflanze. Diese sei dank der Biologicals – durch eine Bodenbehandlung, Saatgutbehandlung oder Blattbehandlung – mit positiver Biologie „besetzt“ und daher weniger anfällig für Krankheitserreger. Die aussichtsreichsten Erfahrungen konnte Baum in Versuchen mit der Saatgutbehandlung sammeln, ergänzte sie: „Wir wünschen und brauchen eine große Pflanzennähe.“

Schmidt teilte ebenfalls seine Beobachtungen aus dem Feld mit dem Produkt BACTOLIVE SEED und betonte, dass die Biologicals in Zusammenarbeit mit chemischer Beize einen besonders positiven Effekt haben, doch auch die rein biologische Anwendung habe keinen Nachteil gebracht. „Es braucht Mut zum Testen und Ausprobieren und keine Angst vor Biologie“, erklärte er. „Man muss jedoch ganz klar wissen, wann man die Produkte einsetzt, die Zeitfenster sind andere als bei der Chemie.“ Ein Punkt, den auch Baum den Praktikern ans Herz legte: „Die Dosierung von Biologicals ist ein sensibler Punkt. Hier gilt nicht: Mehr hilft mehr.“ Schließlich könnte die ursprünglich nützliche Wechselwirkung zwischen zwei Organismen (Mutualismus) sonst auch für die Pflanze schädlich werden und in Parasitismus umschlagen, warnte sie.

Es bleibt spannend

Deutlich wurde in der Webinar-Reihe vor allem eins: Die Diskussion um Saatgutbehandlungen ist längst keine Wirkstoff- oder Produktdebatte mehr – sondern eine Systemfrage. Während in den vergangenen Jahren bei der Pflanzenschutzmittelzulassung oft das Risiko im Vordergrund stand, wünschen sich Vertreter aus Industrie und Praxis hier wieder einen stärkeren Fokus auf die Wissenschaft.

„Ich merke hier ein Umdenken, dass man doch sieht: Pflanzenschutzmittel sind sinnvoll“, teilte Kreul ihre Beobachtung mit den Teilnehmenden und wird hierbei von Hölter unterstützt, der ebenfalls auf mehr „Balance“ hofft. Auch zertifiziertes Z-Saatgut spielt dabei eine wichtige Rolle: Es wird in der amtlichen Beschaffenheitsprüfung überprüft und bildet somit eine verlässliche Qualitätsgrundlage für Landwirte. Wer selbst nachbaut und sich bisher auf chemische Beizen verlassen konnte, muss auf sauberes Saatgut – und das Krankheitsgeschehen auf seinen Flächen – achten sowie Alternativen zur herkömmlichen Beize beobachten. Praktiker stehen mehr denn je vor der Aufgabe, Verfahren gezielt zu kombinieren und damit einer der wichtigsten Aufgaben gerecht zu werden: das Korn zu schützen – von Beginn an.

Marilena Kipp

Info:

Im Rahmen der Webinar-Reihe „KornKompetenz“ der Getreidefonds Z-Saatgut e. V. (GFZS) informierten verschiedene Experten im Dezember 2025 und Januar 2026 über Alternativen zur chemischen Beize. Die aufgezeichneten, kostenfreien Webinare sind auf YouTube abrufbar unter https://www.youtube.com/@z-saatgut2159.

Präzision bei jedem Arbeitsschritt – wie bei Zenk-Agrar hochwertiges Getreide-Z-Saatgut entsteht

Fachartikel

Präzision bei jedem Arbeitsschritt

Wie bei Zenk-Agrar hochwertiges Getreide-Z-Saatgut entsteht

Qualitätssaatgut entsteht nicht erst in der Aufbereitung. Bereits bei Fruchtfolge, Bodenbearbeitung und Bestandesführung werden die Weichen für Sortenreinheit und Keimfähigkeit gestellt. Der Familienbetrieb Zenk-Agrar aus Oberfranken zeigt, wie viel Präzision, Kontrolle und Handarbeit erforderlich sind, damit aus geerntetem Getreide anerkanntes Z-Saatgut wird.

Der Grundstein wird lange vor der Ernte gelegt

Wer zertifiziertes Saatgut kauft, erwartet hohe Keimfähigkeit, Sortenreinheit und vitale Pflanzen. Bis ein Bestand jedoch als Z-Saatgut anerkannt wird, sind zahlreiche Arbeitsschritte erforderlich. Denn bereits einzelne Fremdpflanzen oder wenige Körner einer anderen Sorte können die Anerkennung gefährden.

Die Saatgutvermehrung zählt deshalb zu den anspruchsvollsten Bereichen des Ackerbaus. Eine durchdachte Anbaustrategie, konsequente Feldhygiene und lückenlose Kontrollen bilden die Grundlage für hochwertiges Saatgut.

Wie dies in der Praxis umgesetzt wird, zeigt der Familienbetrieb Zenk-Agrar im oberfränkischen Zapfendorf, der Vorstufen-, Basis- und Z-Saatgut vermehrt.

Vom Gemischtbetrieb zum Spezialisten

Die heutige Spezialisierung entstand schrittweise. Als Robert Zenk Ende der 1980er-Jahre mit der Saatgutvermehrung begann, wurde der Hof noch als klassischer Gemischtbetrieb mit Milchviehhaltung geführt. Der Ackerbau diente überwiegend der Futter- und Marktfruchtproduktion, die Saatgutvermehrung war zunächst nur ein zusätzlicher Betriebszweig.

Mit dem Einstieg von Sohn Johannes im Jahr 2005 begann die Familie den Betriebszweig konsequent auszubauen und investierte in moderne Aufbereitungs- und Lagertechnik.

Heute bewirtschaftet die Familie rund 500 Hektar Ackerfläche. Etwa die Hälfte davon dient der Vermehrung von Basis- und Z-Saatgut. Die Schwerpunkte liegen dabei auf Winterweizen und Wintertriticale. Winterraps und Silomais ergänzen die Fruchtfolge und sorgen für die notwendige Auflockerung der Anbauplanung. „Die Vermehrung von Saatgetreide ist deutlich anspruchsvoller als die Produktion von Brot- oder Futtergetreide. Der zusätzliche Aufwand ist hoch, aber genau dieser Aufwand sorgt letztlich dafür, dass das Z-Saatgut alle Anforderungen erfüllt“, bringt Robert Zenk die Besonderheiten des Betriebszweigs auf den Punkt.

Winterweizen stellt höchste Ansprüche

Winterweizen nimmt auf dem Betrieb eine Schlüsselrolle ein. Anders als im Konsumanbau reicht ein hoher Ertrag allein nicht aus. Entscheidend ist, dass jedes Korn die Anforderungen an zertifiziertes Saatgut erfüllt. „Saatgutqualität entsteht nicht erst in der Aufbereitung. Die Grundlage legen wir mit der Anbauplanung und einer sauberen Bestandesführung auf dem Feld“, betont der Betriebsinhaber. Deshalb beginnt die Arbeit lange vor der Aussaat. Jede Fläche wird hinsichtlich Vorfrucht, Bodenbeschaffenheit und Fruchtfolge bewertet, um optimale Voraussetzungen für einen gesunden und möglichst sortenreinen Bestand zu schaffen.

Seit mehr als 25 Jahren setzt der Betrieb auf pfluglose Bodenbearbeitung. Nach einem flachen Stoppelsturz folgt – sofern erforderlich – ein weiterer Arbeitsgang, um Ausfallgetreide und Ungräser zum Keimen zu bringen und mechanisch zu regulieren. Erst anschließend wird vor der Herbstsaat, wenn nötig, bis etwa 25 Zentimeter Tiefe gelockert. „Die tiefe Lockerung sorgt dafür, dass sich der Winterweizen schnell und gleichmäßig durchwurzeln kann. Gerade unter trockenen Bedingungen macht sich das später im Bestand bemerkbar“, erklärt Zenk.

Auch beim Aussaattermin verfolgt der Betrieb eine klare Strategie. Winterweizen und Wintertriticale sollen möglichst früh gesät werden, damit sich die Pflanzen vor Wintereinbruch ausreichend entwickeln können. Dass dies nicht immer gelingt, zeigte ein Herbst mit lang anhaltenden Niederschlägen, in dem der letzte Weizen erst Mitte Oktober ausgesät werden konnte. Dank eines außergewöhnlich milden Novembers entwickelten sich die Bestände dennoch gut.

Fruchtfolge als Grundlage der Saatgutqualität

Während die Fruchtfolge im Marktfruchtbau häufig wirtschaftlich optimiert wird, dient sie in der Saatgutvermehrung in erster Linie der Qualitätssicherung. „Viele Probleme lassen sich vermeiden, wenn die Fruchtfolge konsequent aufgebaut ist. Das gilt für Krankheiten genauso wie für Fremdbesatz oder Problemgräser“, erläutert Zenk.

Sommerungen und Blattfrüchte unterbrechen Krankheitszyklen und verbessern gleichzeitig die Möglichkeiten zur Ungrasbekämpfung. Gerade Ackerfuchsschwanz und Windhalm stellen auch in Oberfranken große Herausforderungen dar. Durch wechselnde Kulturen können unterschiedliche Herbizidwirkstoffe eingesetzt und Resistenzen gezielt vorgebeugt werden. Auch gesetzliche Vorgaben fließen zunehmend in die Anbauplanung ein.

Qualität entsteht auf dem Feld

Während der Vegetation stehen regelmäßige Feldkontrollen im Mittelpunkt. Gesucht werden Fremdgetreide, andere Sorten sowie Unkräuter und Ungräser, die die Anerkennung des Bestandes gefährden könnten. Entdeckte Fremdpflanzen werden konsequent entfernt, häufig noch von Hand. Die aufwendige Arbeit bleibt oft unsichtbar, ist für die Sortenreinheit jedoch unverzichtbar. Bereits eine einzelne übersehene Pflanze kann später das gesamte Erntegut verunreinigen.

Wie konsequent der Betrieb vorgeht, zeigt ein Beispiel aus der Praxis: Als auf einer neu zugepachteten Fläche in einer Triticalevermehrung zu viele Weizenpflanzen festgestellt wurden, entschied sich die Familie bewusst gegen die Nutzung dieses Schlags als Vermehrungsfläche, statt das Risiko einer Aberkennung einzugehen. „Manchmal gehört auch dazu, rechtzeitig die Reißleine zu ziehen. Qualität hat immer Vorrang vor der Menge“, sagt Robert Zenk.

Je nach Witterungsverlauf investiert der Betrieb zwischen 100 und 150 Arbeitsstunden pro Jahr allein in Feldkontrollen und das manuelle Entfernen von Fremdpflanzen.

280 Stunden für die Sortenreinheit

Spätestens zur Ernte wird deutlich, worin sich die Saatgutvermehrung vom klassischen Marktfruchtbau unterscheidet. Während dort nach Abschluss eines Schlages meist direkt die nächste Fläche folgt, beginnt bei Zenk-Agrar nach jedem Sortenwechsel zunächst ein anderer Arbeitsgang: reinigen.

Schon wenige Körner einer anderen Sorte können die Sortenreinheit einer Partie gefährden. Deshalb wird jede Maschine vollständig von Rückständen befreit. „Sauberkeit ist in der Saatgutvermehrung das A und O. Was wir heute nicht gründlich reinigen, kann uns später bei der Anerkennung Probleme bereiten“, erklärt Zenk.

Bereits die Sämaschine wird nach jedem Sortenwechsel mit Druckluft, Staubsauger und Hochdruckreiniger gereinigt. Zwei Personen benötigen dafür bis zu anderthalb Stunden. Bei mehreren Winterweizensorten summiert sich dieser Arbeitsgang im Laufe eines Jahres auf rund 30 Stunden.

Noch aufwendiger ist die Reinigung des Mähdreschers. „In der Sammelschnecke des Schneidwerks können sich durchaus bis zu 20 Kilogramm Körner verstecken. Auch aus dem Feuchtemesser holen wir regelmäßig noch eine Handvoll Getreide heraus. Genau deshalb reinigen wir jede Maschine bis in den hintersten Winkel“, berichtet Zenk. Schrägförderer, Steinfangmulde, Korntank, Förderschnecken, Strohverteiler und Elevator werden sorgfältig kontrolliert und gereinigt. Für jeden Sortenwechsel sind zwei Mitarbeiter rund zweieinhalb Stunden beschäftigt. Trotz einer möglichst sortenweisen Ernte summiert sich dieser Aufwand auf rund 50 Arbeitsstunden pro Jahr.

Mit der Ernte endet der Aufwand jedoch nicht. Das Getreide wird zunächst in den hofeigenen Silos eingelagert. Dort überwacht der Betrieb jede Partie mehrmals täglich. Steigt die Temperatur über 20 °C, wird sofort belüftet oder umgelagert. Erst nach sieben bis zwölf Tagen beginnt die eigentliche Aufbereitung.

Trotz moderner Technik lässt sich mangelhafte Bestandesführung später nicht ausgleichen. „Eine gute Aufbereitung kann viel leisten. Aber sie kann keine schlechte Vermehrung in hochwertiges Saatgut verwandeln. Die Grundlage entsteht immer auf dem Feld“, betont Robert Zenk.

Das Saatgut durchläuft mehrere Reinigungsstufen. Windsichter, Entgranner, Siebreinigung, Korntrieur und Gewichtsausleser entfernen Schritt für Schritt Staub, Bruchkorn, Fremdbesatz sowie beschädigte Körner. Dabei arbeitet der Betrieb bewusst kornschonend, um die Keimfähigkeit zu erhalten.

Sämtliche Komponenten der Aufbereitungsanlage – vom Windsichter bis zum Gewichtsausleser – werden akribisch gesäubert. Besonders konsequent erfolgt dies im Bereich Beizung und Abfüllung. „Nach jeder Partie reinigen wir alle Förderwege vollständig. Das passiert im Laufe einer Saison etwa 50-mal“, beschreibt Robert Zenk den Ablauf. Allein für die Reinigung der Aufbereitungs- und Beizanlage fallen rund 200 Arbeitsstunden pro Jahr an.

Rechnet man Sämaschine, Mähdrescher und Saatgutanlage zusammen, investiert der Betrieb jährlich rund 280 Stunden ausschließlich in die Reinigung seiner Technik.

Auch bei angelieferten Betriebsmitteln oder externen Transportfahrzeugen bleibt die Aufmerksamkeit hoch. Denn selbst einzelne eingeschleppte Körner können später Probleme verursachen.

240 Proben auf dem Weg zum Blauen Etikett

Parallel zur Aufbereitung wird jede Partie intensiv überwacht und geprüft. Bereits bei der Annahme werden regelmäßig Proben gezogen. Daraus entstehen Mischproben und Rückstellmuster, die eindeutig gekennzeichnet und archiviert werden. So lassen sich Zustand und Beschaffenheit jeder Partie auch später nachvollziehen.

Für die amtliche Beschaffenheitsprüfung entnimmt ein anerkanntes Probenahmegerät weitere Proben, die an das Labor der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft gehen. Dort werden Keimfähigkeit, technische Reinheit und Besatz untersucht. Erst wenn alle Anforderungen erfüllt sind, erhält das Saatgut die offizielle Anerkennung und kann somit das Blaue Etikett tragen.

Während der Beizung werden weitere Muster gezogen und archiviert. Insgesamt summieren sich Laborproben und Rückstellmuster auf rund 240 Proben pro Jahr – ein Beleg für die engmaschige Qualitätskontrolle in der Saatgutvermehrung.

Hand in Hand durch die Saison

Die Saatgutvermehrung auf dem Betrieb Zenk-Agrar ist echte Teamarbeit. Jeder in der Familie hat seinen festen Aufgabenbereich, gleichzeitig greifen die einzelnen Arbeitsschritte während der Saison eng ineinander. Johannes Zenk verantwortet Ackerbau und Bestandesführung, Robert Zenk kümmert sich um Annahme und Aufbereitung, Tobias Zenk übernimmt Beizung, Abpackung und Kommissionierung. Angelika Zenk kontrolliert gemeinsam mit den Mitarbeitern während der Vegetation die Vermehrungsbestände und entfernt unerwünschte Pflanzen von Hand – eine oft unsichtbare, aber entscheidende Arbeit für die Anerkennung der Vermehrungsflächen.

Gerade in den arbeitsintensiven Monaten zwischen Juli und Oktober laufen viele Prozesse gleichzeitig ab. Während auf den Feldern noch geerntet wird, werden bereits die ersten Partien eingelagert, später aufbereitet, gebeizt und für die Auslieferung vorbereitet. Gleichzeitig treffen neue Ernten ein, Laborergebnisse müssen berücksichtigt und kurzfristige Kundenbestellungen bearbeitet werden. Jeder Arbeitsschritt baut auf dem vorherigen auf und erfordert eine enge Abstimmung innerhalb des Teams.

„Unsere Kunden sollen möglichst nicht warten müssen. Mit Ausnahme einzelner Spezialsorten versuchen wir, jede Sorte innerhalb kurzer Zeit bereitzustellen“, sagt Robert Zenk. Damit das gelingt, sind eingespielte Abläufe und klare Verantwortlichkeiten ebenso wichtig wie moderne Technik. Denn am Ende entscheidet nicht nur die Qualität jeder einzelnen Saatgutpartie über den Erfolg, sondern auch das reibungslose Zusammenspiel aller Beteiligten.

Fazit

Die Betriebsreportage zeigt: Hochwertiges Z-Saatgut entsteht nicht durch einen einzelnen Arbeitsschritt oder moderne Technik allein. Entscheidend sind die vielen kleinen Entscheidungen, die während eines gesamten Anbaujahres getroffen werden – von der Fruchtfolge über die Bestandesführung bis hin zur letzten Laborprobe. Der Familienbetrieb Zenk-Agrar macht deutlich, dass zertifiziertes Saatgut vor allem das Ergebnis von Erfahrung, Sorgfalt und konsequenter Qualitätsarbeit ist.

Betriebsspiegel:

Geografische Lage: Zapfendorf; nördlicher Rand des oberfränkischen Landkreises Bamberg (Bayern)

Höhenlage: 308 m ü. NHN

Jahresniederschlag: 560 mm Niederschlag pro Jahr im Durchschnitt der letzten zehn Jahre

Betriebliche Ausrichtung: Ackerbaubetrieb mit Schwerpunkt Z-Saatgutvermehrung und -aufbereitung (inkl. Vorstufen- und Basissaatgut) für VO-Firmen und Züchterhäuser

Betriebsgröße: 500 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, auf etwa der Hälfte wird Saatgut vermehrt

Bodenart: sandiger Lehm bis Ton (25–45 BP)

Anzahl der Schläge: 264 (im Durchschnitt 1,89 ha pro Schlag, 60 % unter 2 ha, max. Hofentfernung 8 km)

Familie Zenk führt den Betrieb gemeinsam: Tobias, Angelika, Robert und Johannes Zenk. (v.l.n.r.)

Familie Zenk führt den Betrieb gemeinsam: Tobias, Angelika, Robert und Johannes Zenk. (v.l.n.r.)

Robert Zenk kümmert sich um die Annahme und Aufbereitung des Getreides. Nach der Einlagerung wird die Temperatur in den Silos intensiv überprüft.

Robert Zenk kümmert sich um die Annahme und Aufbereitung des Getreides. Nach der Einlagerung wird die Temperatur in den Silos intensiv überprüft.

Der Ackerbau liegt in den Händen von Johannes Zenk. Seit über 20 Jahren wird eine pfluglose Bearbeitung praktiziert.

Der Ackerbau liegt in den Händen von Johannes Zenk. Seit über 20 Jahren wird eine pfluglose Bearbeitung praktiziert.

Das Beizen, Abpacken und Kommissionieren obliegt Tobias Zenk. Die Beizanlage ist nach QSS und QSS-BeiZplus zertifiziert, darf also alle Beizmittel verarbeiten.

Das Beizen, Abpacken und Kommissionieren obliegt Tobias Zenk. Die Beizanlage ist nach QSS und QSS-BeiZplus zertifiziert, darf also alle Beizmittel verarbeiten.

Urkunden und Zertifikate zeigen den hohen Standard, den das Unternehmen Zenk-Agrar bei der Beizung einhält.

Urkunden und Zertifikate zeigen den hohen Standard, den das Unternehmen Zenk-Agrar bei der Beizung einhält.

Gut gefülltes Lager während der Hauptaufbereitungszeit: Zahlreiche abgepackte Z-Saatgutpartien warten auf ihre Auslieferung.

Gut gefülltes Lager während der Hauptaufbereitungszeit: Zahlreiche abgepackte Z-Saatgutpartien warten auf ihre Auslieferung.

Das fertige Z-Saatgut wird nach Abschluss aller Qualitätskontrollen per Lkw an die Kunden ausgeliefert.

Das Beizen, Abpacken und Kommissionieren obliegt Tobias Zenk. Die Beizanlage ist nach QSS und QSS-BeiZplus zertifiziert, darf also alle Beizmittel verarbeiten.

Die Saatgutstufen kurz erklärt

Vorstufensaatgut steht am Anfang der Vermehrung und wird in der Regel vom Zuchtunternehmen erzeugt. Es dient als Ausgangsmaterial für die weitere Vermehrung und für interne Prüfungen der Sorten.

Basissaatgut wird unter Verantwortung des Züchters nach den Grundsätzen der Erhaltungszüchtung erzeugt. Es bildet die Grundlage für die weitere Vermehrung zu Z-Saatgut und unterliegt besonders hohen Anforderungen an Sortenreinheit und Beschaffenheit.

Z-Saatgut ist staatlich anerkanntes und zertifiziertes Saatgut für den landwirtschaftlichen Anbau. Es wird vor der Anerkennung auf festgelegte Qualitätsmerkmale geprüft und darf erst nach erfolgreicher Zertifizierung in Verkehr gebracht werden.

Blick in die aktuelle Saison

Anfang Juli fiel bei Zenk-Agrar der Startschuss für die diesjährige Getreideernte. Bereits Anfang August waren die letzten Flächen gedroschen. Weil der Regen ausblieb, kam es zu keinen witterungsbedingten Unterbrechungen – gleichzeitig machte das enge Zeitfenster die Ernte zu einer intensiven und hektischen Phase.

Bei der Gerste und Triticale ist Robert Zenk mit den Erträgen zufrieden. Auch die Sortierung fiel insgesamt gut aus, wenngleich es etwas Untersortierung gab. Beim Weizen zeigt sich dagegen deutlicher, welche Spuren die lange Trockenheit hinterlassen hat. Zwar ist auch hier der Ertrag zufriedenstellend, allerdings blieben die Körner kleiner. Das schlägt sich im niedrigen Tausendkorngewicht (TKM) und in einer schlechteren Siebsortierung nieder. Entsprechend höher fällt der Siebabgang bei der Aufbereitung aus. „Die Ernte ist gut und ohne größere Unterbrechungen gelaufen. Dadurch, dass es keinen Regen gab, mussten wir allerdings auch in kurzer Zeit viel schaffen“, blickt Robert Zenk auf die vergangenen Wochen zurück.

Nach der Ernte richtet sich der Blick nun auf die kommende Aussaat. Die anhaltende Trockenheit beschäftigt den Betrieb dabei weiterhin. Auf den Feldern fehlt vielerorts die notwendige Bodenfeuchtigkeit, sodass die Landwirte derzeit nur eingeschränkt arbeiten können. Entsprechend verhalten entwickelt sich momentan auch die Nachfrage nach Saatgut. „Im Vergleich zu den Vorjahren ist die Bestellung bis jetzt schwach. Die Landwirte können einfach noch nicht so viel auf dem Acker machen und warten ab, wie sich die Bedingungen entwickeln“, beschreibt Zenk die aktuelle Situation.

Für Zenk-Agrar geht die Saison damit direkt in die nächste Phase über. Während auf den Feldern weiterhin auf ausreichend Niederschlag gewartet wird, laufen im Betrieb Aufbereitung und Qualitätssicherung des Z-Saatguts für die kommende Aussaat weiter.

Autorin: Jennifer Nickel (M.Sc.agr.)

Bildquelle: Walter Hollweg

Innovationen bereichern die Saatgutbranche

Fachartikel

Innovationen bereichern die Saatgutbranche

Saatgutinnovationspreis 2026: Sieger und Shortlist-Platzierte zeigen zukunftsweisende Technologien für die Saatgutwirtschaft auf den DLG-Feldtagen

Die DLG hatte die Landwirte im Vorfeld der Feldtage 2026 ermuntert, nach Bernburg zu kommen, um die Zukunft des Pflanzenbaus aus neuen Blickwinkeln zu diskutieren. In diesem Sinne hatte der Getreidefonds Z-Saatgut e. V. (GFZS) ein hervorragendes Umfeld gewählt, um zukunftsweisende und marktfähige Entwicklungen von Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Start-ups vorzustellen und mit dem neuen Saatgutinnovationspreis auszuzeichnen. Der GFZS hat die Geschäftsführer der drei prämierten Preisträger – Jens Varnskühler von der seedalive GmbH, Jean-Pascal Lutze von der NoMaze GmbH und Dr. Johannes Wolff von der phenoLytics GmbH – befragt, mit welchen Technologien sie die Saatgutwirtschaft verändern wollen.

Herr Varnskühler, Ihr Unternehmen seedalive wurde auf den DLG-Feldtagen 2026 als Gesamtsieger mit dem Saatgutinnovationspreis ausgezeichnet. Was macht Ihre Technologie so besonders?

„Mit unserem KI-gestützten Keimfähigkeitsschnelltest können wir die Qualität von Saatgut innerhalb von nur drei bis vier Stunden zuverlässig bestimmen. Herkömmliche Verfahren nach dem ISTA-Standard benötigen je nach Kulturart zwischen sieben und 28 Tagen. Damit schaffen wir eine völlig neue Geschwindigkeit in der Saatgutanalytik und ermöglichen deutlich schnellere Entscheidungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette“.

Wie funktioniert der Schnelltest?

„Die Samen werden für etwa vier Stunden unter kontrollierten Bedingungen mit einer speziellen Lösung in Kontakt gebracht. Je nach Vitalität der Samen verändert sich die Farbe dieser Lösung. Diese Farbveränderungen stehen in direktem Zusammenhang mit der Keimfähigkeit. Anschließend werden die Ergebnisse mit unserer eigens entwickelten KI-Technologie ausgewertet. So erhalten wir präzise Prognosen zur Keimfähigkeit, Keimgeschwindigkeit, Vitalität sowie zu möglichen Fehlentwicklungen der Samen.“

Welche zusätzlichen Informationen liefert die Technologie?

„Neben der reinen Keimfähigkeit können wir auch Aussagen über die Dormanz, also die Keimruhe, treffen. Darüber hinaus lassen sich Anomalien der Samen erkennen. Besonders interessant ist auch die Möglichkeit, frühzeitig Fusarium-Infektionen beispielsweise bei Weizenproben zu identifizieren.“

Welche Vorteile bietet das Verfahren gegenüber herkömmlichen Methoden?

„Wir sparen rund 99 Prozent an Zeit und Energie ein und steigern die Effizienz um das 84-Fache. Das bedeutet für unsere Kunden deutlich schnellere Entscheidungen, geringere Kosten und mehr Flexibilität – gerade in der Hochsaison, wenn jede Stunde zählt.“

Für welche Kulturen ist der Schnelltest bereits verfügbar?

„Unsere Technologie ist bereits für zahlreiche Kulturarten einsatzbereit. Dazu gehören sämtliche Getreidearten von Braugerste bis Weizen, verschiedene Gemüsearten wie Kohl oder Zwiebel, Ölsaaten wie Raps, Ölrettich und Senf sowie Leguminosen wie Bohne, Erbse und Sojabohne.“

Wer profitiert besonders von dem Schnelltest?

„Eigentlich die gesamte Branche. Saatgutproduzenten können Lieferungen und Aufbereitungsaufträge bereits am Tag der Analyse freigeben. Dadurch verbessern sich Planungssicherheit und Vermarktungsmöglichkeiten erheblich. Gleichzeitig sinken Logistik- und Lagerkosten“.

Welche Vorteile ergeben sich für Pflanzenzüchter, Mälzer und Händler?

„Züchter können ihre Züchtungszyklen beschleunigen, weil sie deutlich schneller belastbare Ergebnisse erhalten. Zudem schaffen die präzisen Prognosen zur Keimgeschwindigkeit und Vitalität eine bessere Grundlage für züchterische Entscheidungen.

Mälzer erhalten bereits nach wenigen Stunden wichtige Informationen zur Keimenergie, Wasserempfindlichkeit und Keimfähigkeit der Ware – selbst kurz nach der Ernte. Händler profitieren von einer höheren Transparenz bei Wareneingangsprüfungen oder bei überlagerter Ware und können ihren Kunden eine verlässliche Qualitätsgarantie bieten“.

Bieten Sie die Analysen ausschließlich als Dienstleistung an?

„Nein. Unsere Kunden können zwischen einem Serviceangebot und einem flexiblen Vor-Ort-Kit wählen. Unternehmen mit einem hohen Probenaufkommen können die Qualitätsbestimmung selbst durchführen, während Kunden mit geringeren Mengen unseren Analyseservice nutzen können.“

Welches Ziel verfolgt seedalive mit dieser Innovation?

„Wir wollen in den nächsten Jahren weltweit skalieren und der neue globale Goldstandard für die Beurteilung von Saatgutqualität werden. Die Voraussetzungen dafür sind geschaffen: unsere seedalive Technologie ist in den wichtigsten Agrarländern patenrechtlich geschützt.“

Zitat:

„Wir ermöglichen es Unternehmen nun, innerhalb weniger Stunden belastbare Qualitätsentscheidungen zu treffen – schneller, ressourcenschonender und deutlich flexibler.“

Jens Varnskühler, seedalive GmbH

Indikatorlösung:
Nach einer mehrstündigen Inkubation der Samen mit einer Indikatorlösung werden vitalitätsabhängige Farbveränderungen erfasst und mittels KI-gestützter Bildanalyse ausgewertet. Die Ergebnisse ermöglichen Prognosen zur Keimfähigkeit, Keimgeschwindigkeit, Vitalität und zu potenziellen Fehlentwicklungen.

Jens Varnskühler und Prof. Dr. Klaus Mummenhoff (v.l.n.r.)
Im Jahr 2021 gründeten der Diplom-Biologe Jens Varnskühler und Prof. Dr. Klaus Mummenhoff das Spin-off seedalive. Hervorgegangen aus einem Forschungsprojekt, wurde das Verfahren anschließend zur Anwendung in der Saatgutanalytik weiterentwickelt.

Herr Lutze, die NoMaze GmbH hat sich als innovatives Agrar-Tech-Unternehmen einen Namen gemacht. Woran arbeiten Sie genau?

„Wir entwickeln eine KI-gestützte Softwareplattform für Pflanzenzüchter. Mit unserer SaaS-Lösung können wir die Leistung von Hybridlinien unter unterschiedlichen Umweltbedingungen präzise vorhersagen. Damit helfen wir Züchtungsunternehmen, fundiertere Entscheidungen zu treffen und den genetischen Fortschritt deutlich zu beschleunigen.

Warum ist das für die Pflanzenzüchtung so wichtig?

„Eine der zentralen Herausforderungen in der Pflanzenzüchtung besteht darin, vorherzusagen, welche Sorte unter welchen Umweltbedingungen die beste Leistung erbringt. Diese Leistung hängt von komplexen Wechselwirkungen zwischen Genetik und Umwelt ab – den sogenannten Genotyp-Umwelt-Interaktionen. Die bisher etablierten Vorhersagemodelle können diese Zusammenhänge nur eingeschränkt erfassen“.

Die NoMaze-Plattform kombiniert Datenvisualisierung (SmartPlot) mit KI-gestützten Vorhersagen der Sortenleistung (TraitLens).

Die Plattform — SmartPlot & TraitLens
Die NoMaze-Plattform kombiniert Datenvisualisierung (SmartPlot) mit KI-gestützten Vorhersagen der Sortenleistung (TraitLens).

Jean-Pascal Lutze, Mitgründer von NoMaze. Der Robotik- und KI-Spezialist war zuvor als Ingenieur beim DLR tätig und ist Autor mehrerer wissenschaftlicher Publikationen sowie Mitinhaber von Patenten.

Jean-Pascal Lutze
Jean-Pascal Lutze, Mitgründer von NoMaze. Der Robotik- und KI-Spezialist war zuvor als Ingenieur beim DLR tätig und ist Autor mehrerer wissenschaftlicher Publikationen sowie Mitinhaber von Patenten.

Wie wurde dieses Problem bislang gelöst?

„Züchtungsunternehmen haben traditionell versucht, die Schwächen der Modelle durch umfangreiche Feldversuche auszugleichen. Dafür werden über viele Jahre hinweg zahlreiche Versuche an unterschiedlichen Standorten durchgeführt. Diese Selektionszyklen dauern oft acht bis zwölf Jahre und verursachen Kosten in Millionenhöhe pro Jahr und Unternehmen“.

Fehlen den Unternehmen dafür die notwendigen Daten?

„Interessanterweise nicht. Die entscheidenden Daten – genomische, phänotypische und ökologische Informationen – sind häufig bereits vorhanden. Was bislang fehlte, waren geeignete Modelle, die diese Daten in ihrer gesamten Komplexität verarbeiten und daraus verlässliche Empfehlungen ableiten können.“

Und genau hier setzt Ihre Technologie an?

„Ja. Das Herzstück unserer Plattform ist ein Deep-Learning-Modell, also eine moderne Form der Künstlichen Intelligenz. Diese Technologie ist in der Lage, komplexe Muster in sehr großen Datenmengen zu erkennen und daraus zu lernen. Dadurch können wir deutlich präzisere Vorhersagen über die Sortenleistung in unterschiedlichen Umwelten treffen.

Welche Vorteile ergeben sich daraus für die Pflanzenzüchtung?

„Unsere Technologie ermöglicht kürzere Selektionszyklen und reduziert den Aufwand für Feldtests. Gleichzeitig steigern wir den genetischen Fortschritt messbar. In unseren Analysen übertrifft unser Modell den bisherigen Branchenstandard GBLUP deutlich und erzielt eine Verbesserung des genetischen Fortschritts“.

Welche Bedeutung hat das mit Blick auf die globalen Herausforderungen in der Landwirtschaft?

„Angesichts des Klimawandels, einer wachsenden Weltbevölkerung und steigender Anforderungen an Ertrag und Ressourceneffizienz wird die Entwicklung leistungsfähiger Sorten immer wichtiger. Unsere Technologie kann dazu beitragen, diesen Prozess zu beschleunigen und insbesondere die Züchtung klimaresistenter Sorten voranzubringen“.

Was ist Ihre Vision für die Zukunft?

„Wir wollen Züchtungsunternehmen dabei helfen, schneller bessere Entscheidungen zu treffen. Unsere Plattform macht komplexe Genotyp-Umwelt-Zusammenhänge erstmals mit moderner KI-Technologie praktisch nutzbar und eröffnet damit neue Möglichkeiten für die Pflanzenzüchtung der Zukunft.

Zitat:

„Wir wollen Züchtungsunternehmen dabei helfen, schneller bessere Entscheidungen zu treffen“.

Jean-Pascal Lutze, NoMaze GmbH

Herr Dr. Wolff, phenoLytics eröffnet mit der 3D-Röntgen-Computertomographie neue Möglichkeiten in der Saatgutanalytik. Was macht Ihre Lösung so besonders?

„Unsere Technologien liefern die Referenzdaten zur Saatgut- und Keimlingsqualität, die erforderlich sind, um Prozesse entlang der gesamten Getreide-Wertschöpfungskette zu optimieren, zu digitalisieren und miteinander zu vernetzen. Grundlage dafür sind phänotypische Messwerte auf Basis der 3D-Röntgen-Computertomographie (CT), mit denen wir die tatsächliche Biomasse von Samen und den daraus entstehenden Keimlingen  objektiv messen können“.

Warum reichen nicht mehr die bisher üblichen Verfahren zur Saatgutprüfung aus?

„Bis heute werden in der Saatgutbranche vor allem die klassischen ISTA-Keim- und Reinheitstests eingesetzt. Diese Verfahren werden seit mehr als 100 Jahren angewendet und beruhen auf manuellen sowie visuellen Bewertungen. Damit sind sie schwer zu standardisieren und liefern nur Daten zur Keimfähigkeit, nicht aber zur Qualität der Keimpflanzen. Unter den zunehmend instabilen Umweltbedingungen benötigt man aber Aussagen über die tatsächliche Leistungsfähigkeit des Saatguts auf dem Feld– und dies unter verschiedenen Stressbedingungen. Eine niedrige Keimrate zeigt zwar an, dass ein Problem vorliegt, gibt aber keine Hinweise auf dessen Ursache. Zudem fehlen objektive phänotypische Daten, die fundierte Entscheidungen auf Basis belastbarer Qualitätsinformationen ermöglichen.“

Wie funktioniert Ihr Ansatz?

„Mit unseren Diagnosetechnologien können wir die Qualität und Keimfähigkeit jedes einzelnen Samens analysieren. Das phenoCheck-System scannt innerhalb weniger Minuten mehrere Hundert Samen gleichzeitig mittels 3D-CT. Dabei erfassen wir sowohl äußere als auch innere Strukturen jedes einzelnen Korns. Äußere Parameter sind z.B. das Volumen und die Abmessungen (Länge, Breite Höhe), aber auch spezifische Eigenschaften, wie z.B. die Morphologie der Bauchfalte bei Getreide. Als innere Eigenschaften messen wir das Volumen z.B. des Embryos und Endosperms, Hohlräume, Nekrosen und Dichte. Damit können wir auch das Einzelsamen- und Tausendkorngewicht oder das Hektolitergewicht sowie das Spezifische Gewicht berechnen. Auf diese Weise erhalten Anwender einen umfassenden Überblick über die Qualität einer gesamten Saatgutcharge und ihrer Homogenität“.

Welche Vorteile bietet die 3D-Röntgentechnologie gegenüber herkömmlichen Methoden?

„Ein wesentlicher Vorteil besteht darin, dass die Analyse zerstörungsfrei erfolgt. Das Saatgut kann innerhalb kürzester Zeit vermessen, klassifiziert und bewertet werden, ohne dabei beschädigt zu werden. Gleichzeitig werden sowohl äußere als auch innere Merkmale erfasst. Dadurch entstehen direkte quantitative Daten zu der Saatgutqualität jeder Saatgutpartie während mitkonventionellen Verfahren meist nur indirekte Proxies gemessen werden.“

Sie analysieren nicht nur Samen, sondern auch die Keimlinge. Welche Informationen gewinnen Sie dabei?

„Mit unserem phenoTest stellen wir vollständige 3D-Daten zur Keimung und zum Phänotyp der Keimlinge bereit. Darüber hinaus erfassen wir die Homogenität innerhalb einer Saatgutcharge, die Keimgeschwindigkeit, die Wachstumsdynamik sowie die Triebkraft der Pflanzen. Diese Informationen ermöglichen eine deutlich präzisere Bewertung der Leistungsfähigkeit des Saatguts, beispielsweise auch unter Stressbedingungen, die wir als Wasser-, Hitze-, oder Salzstress in den Keimgefäßen simulieren können“.

Durch die Korrelation von Sameneigenschaften mit Keimlingseigenschaften können wir Vorhersagemodelle trainieren, die alleine auf Basis von kurzen Saatgutuntersuchungen eine Vorhersage der zu erwartenden Keimfähigkeit und Keimlingsqualität erlauben.

Welche Rolle spielt dabei der 3D-Sortierer phenoSort?

„Der phenoSort ergänzt die Analyse durch eine automatisierte Klassifizierung und Sortierung von Samen und Verunreinigungen in Millisekunden. Minderwertige Körner werden mithilfe von Luftdüsen unmittelbar aussortiert. Dabei erreicht das System einen Durchsatz von rund 250.000 Samen pro Minute. In Kombination mit dem phenoTest-System können wir nicht nur nach äußerer Qualität, sondern auch nach innerer Saatgutqualität und Keimfähigkeitspotentialsortieren.“

Welchen Nutzen hat das für Saatgutunternehmen und Züchter?

„Neben einer zuverlässigen Reinigung sowie Größen- und Reinheitssortierung bietet unsere Technologie einen weiteren wichtigen Vorteil: Saatgutpartien, die bisher aufgrund nicht erreichter Qualitätsgrenzwerte verworfen werden mussten, können häufig gerettet und gezielt aufbereitet werden, weil die physikalischen Begrenzungen von Sieben oder Schwerkrafttischen hier nicht gelten. Das erhöht die Ressourceneffizienz und schafft wirtschaftlichen Mehrwert.“

Wohin soll die Entwicklung künftig führen?

„Unser Ziel ist es, Prozesse in Produktion, Aufbereitung, Qualitätskontrolle und Züchtung datenbasiert miteinander zu vernetzen. Nur durch die intelligente Nutzung objektiver Qualitätsdaten lassen sich die Potenziale moderner Saatguttechnologien vollständig ausschöpfen.“

Zitat:

„Unser Ziel ist es, Prozesse in Produktion, Aufbereitung, Qualitätskontrolle und Züchtung datenbasiert miteinander zu vernetzen, um damit die Saatgutqualität nachhaltig zu optimieren und Leistungsstabilität und -steigerung im Feld zu erreichen.“

Dr. Johannes Wolff, Geschäftsführer der phenoLytics GmbH

Prinzip der automatisierten 4D-Phänotypisierung per phenoTest. Durch röntgenbasierte Zeitrafferaufnahmen und KI-basierte Vermessung liefert das System vollautomatisch objektive, reproduzierbare Daten zur morphologischen Keimlingsentwicklung im geschlossenen Container.

Automatisierte 4D-Phänotypisierung von Keimlingen
Prinzip der automatisierten 4D-Phänotypisierung per phenoTest. Durch röntgenbasierte Zeitrafferaufnahmen und KI-basierte Vermessung liefert das System vollautomatisch objektive, reproduzierbare Daten zur morphologischen Keimlingsentwicklung im geschlossenen Container.

Dr. Johannes Wolff und Dr. Antje Wolff, Gründer von phenoLytics. Die von ihnen entwickelten Technologien ermöglichen die 3D-Phänotypisierung von Saatgut, Keimlingen und Pflanzen.

Dr. Johannes Wolff und Dr. Antje Wolff
Dr. Johannes Wolff und Dr. Antje Wolff, Gründer von phenoLytics. Die von ihnen entwickelten Technologien ermöglichen die 3D-Phänotypisierung von Saatgut, Keimlingen und Pflanzen.

Fazit

Die drei ausgezeichneten Projekte zeigen eindrucksvoll, wie moderne Technologien die Saatgutwirtschaft verändern können und welches Potenzial diese Innovationen besitzen. Ausgangspunkt aller Forschungen und Bemühungen bleibt gesundes und qualitativ hochwertiges Saatgut. Z-Saatgut bildet die Grundlage für vitale Pflanzenbestände, hohe Erträge und eine nachhaltige Ernährungssicherung. Auch zukünftig muss es gelingen, die Qualität des Saatguts weiter zu steigern, denn sie bestimmt maßgeblich den gesamten Produktionsverlauf vom Feldaufgang bis zur Ertragsleistung. Die drei Preisträger haben mit ihrer Arbeit dazu einen bedeutenden Beitrag geleistet. Die neuen Technologien stärken u. a. die Prozesssicherheit in der Saatgutaufbereitung und ermöglichen deutlich flexiblere Entscheidungen in der Praxis.

Logo Saatgutinnovationspreis 2026

Abb.: Logo Saatgutinnovationspreis

Getreidefonds Z-Saatgut e. V. (GFZS)

Der Getreidefonds Z-Saatgut e. V. (GFZS) ist eine Initiative der in Deutschland aktiven Getreidezüchter in Zusammenarbeit mit der Saatgutbranche. Ziel des GFZS ist die Qualitätssicherung und -förderung von zertifiziertem Getreidesaatgut sowie die Steigerung des Saatgutwechsels. Zudem informiert der GFZS Landwirte, Handel, Beratung und Interessierte zu den vielfältigen Vorzügen von Z-Saatgut.

Unsere Mitglieder:

Kontakt:

Jennifer Nickel (M.Sc.agr.)
Getreidefonds Z-Saatgut e. V.
Kaufmannstraße 71–73
53115 Bonn
Telefon: +49 228 98581-287
E-Mail:   jennifer.nickel@z-saatgut.de

Qualität mit System

Fachartikel

Qualität mit System

Z-Saatgutvermehrung und -aufbereitung aus Leidenschaft am Eifelrand

Seit den 1960er-Jahren ist der Name Becker in Kreuzau untrennbar mit der Saatgutwirtschaft verbunden. Was vor über 60 Jahren begann, führen Dietmar und Klarissa Becker heute in dritter Generation mit derselben Sorgfalt und einem klaren Ziel fort: Bestes Z-Saatgut zu erzeugen, das den Grundstein für den Erfolg anderer landwirtschaftlicher Betriebe legt.

Als spezialisierter Ackerbaubetrieb hat sich die Saatgutwirtschaft Becker als verlässlicher Partner für VO-Firmen und Züchterhäuser etabliert. Dabei geht das Spektrum weit über das Standard-Sortiment hinaus: Auch die anspruchsvolle Erzeugung von Vorstufen- und Basissaatgut gehört zum Kerngeschäft des Betriebes – eine Aufgabe, die kompromisslose Feldhygiene und höchste Präzision in der Planung voraussetzt.

Investitionen in moderne Strukturen

Die steigenden Anforderungen an Sortenreinheit, Rückverfolgbarkeit und Aufbereitungsqualität haben den Betrieb in den vergangenen Jahren zu gezielten Investitionen veranlasst. Um die hohen Qualitätsstandards in der Z-Saatgutaufbereitung dauerhaft abzusichern und zugleich effizienter arbeiten zu können, wurde konsequent in moderne Aufbereitungs- und Lagertechnik investiert. „Wir haben bewusst früh investiert, um die Saatgutqualität weiter zu steigern und unsere Prozesse klarer und sicherer aufzustellen“, betont Betriebsleiter und Inhaber Dietmar Becker.

Die Saatgutanlage befindet sich heute in einer modernen, klar gegliederten Halle mit kurzen Förderwegen. Diese Struktur ermöglicht einen schonenden Warenfluss und minimiert das Risiko von Vermischungen – ein zentraler Faktor für die Saatgutqualität. Um auch kleinste Fremdbesätze sicher auszuschleusen, setzt der Betrieb in der Endreinigung auf modernste Sortiertechnik.

Seit der grundlegenden Erneuerung wird die Technik kontinuierlich weiterentwickelt und optimiert. „Kurze Wege und klare Linien sind für uns kein Selbstzweck, sondern ein wichtiger Beitrag zur Sortenreinheit“, so der Betriebsleiter.

Jährlich werden rund 1.000 Tonnen anerkannte Saatware von rund zwölf Getreidesorten aufbereitet. Dieses Volumen erfordert nicht nur leistungsfähige Technik, sondern vor allem präzise abgestimmte Abläufe und ein hohes Maß an fachlichem Know-how, um die Qualitätsanforderungen der Saatguterzeugung zuverlässig zu erfüllen.

Standort mit besonderen Herausforderungen

Der Betrieb liegt am Rand der Eifel, in einem Gebiet mit stark wechselnden Böden. Die Bodengüte schwankt zwischen 40 und 78 Bodenpunkten. Während der Anbau von Zuckerrüben hier nur eingeschränkt möglich ist, zeigen insbesondere Weizen und Braugerste – vor allem auf leichteren Standorten – seit Jahren stabile Erträge. Grünlandflächen, Obstbau und Waldstreifen prägen das abwechslungsreiche Landschaftsbild.

Die Flächen liegen auf etwa 240 Metern über NHN, bei einer mittleren Jahrestemperatur von 9,5 °C. Die Vegetationsperiode beginnt etwas später als in der Köln-Aachener Bucht – ein Faktor, der in der Anbauplanung stets berücksichtigt werden muss. „Wir können hier nicht nach Schema F arbeiten. Jeder Schlag verlangt eine eigene Strategie“, fasst Becker zusammen.

Für die Praxis bedeutet das eine sehr differenzierte Bewirtschaftung der einzelnen Flächen. Sortenwahl, Aussaatzeitpunkt und Bestandesführung werden standortspezifisch angepasst, um die unterschiedlichen Bodenqualitäten optimal zu nutzen. Auf leichteren Böden liegt der Fokus auf früh abreifenden, standfesten Sorten, während auf besseren Lehmböden auch ertragsstärkere Typen zum Einsatz kommen.

Gleichzeitig spielt das Wassermanagement eine zentrale Rolle. Eine angepasste Bodenbearbeitung soll die Wasserhaltefähigkeit sichern und Verdichtungen vermeiden. Gerade in der Saatgutvermehrung ist zudem eine gleichmäßige Bestandsentwicklung entscheidend, um eine homogene Abreife und damit eine hohe Saatgutqualität zu erreichen.

Für Becker steht fest: „Am Ende entscheidet nicht der Spitzenertrag, sondern ein gleichmäßiger und sortenreiner Bestand“.

Ackerbau klar auf Saatgut ausgerichtet

Der reine Ackerbaubetrieb ohne Tierhaltung bewirtschaftet rund 200 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Der größte Teil davon entfällt auf die Saatgutvermehrung, mit Schwerpunkten bei Winterweizen, Wintergerste und Sommergerste. Ergänzend werden Kulturen wie Raps, Zuckerrüben oder Mais gezielt als Bereinigungsfrüchte eingesetzt, um saubere Ausgangsbedingungen für die folgenden Vermehrungen zu schaffen.

Gerade bei diesen Bereinigungskulturen wird größter Wert auf Feldhygiene gelegt. Ausfallgetreide oder Fremdbesatz dürfen nicht in die Folgekultur getragen werden. „In der Saatgutvermehrung muss man bereit sein, Ertrag zugunsten von Qualität in Kauf zu nehmen“, stellt Becker klar. Ein Grundsatz, der die gesamte Fruchtfolgegestaltung bestimmt.

Hohe Anforderungen im Saatgutanbau

Die Anlage der Vermehrungsflächen erfordert eine langfristige Planung. „Wir müssen jederzeit in der Lage sein, neue Sorten oder höhere Anbaustufen aufzunehmen, um flexibel auf Marktbedürfnisse reagieren zu können“, erläutert Becker.

Zunehmend herausfordernd wirken sich dabei regulatorische Vorgaben aus. Das Glyphosatverbot auf Flächen in Wasserschutzgebieten erschwert insbesondere im Vorstufen- und Basisbereich die Einhaltung der hohen Qualitätsanforderungen. Auch bei der Zulassung von Beizmitteln fehlt es an Planungssicherheit. „Ohne verlässliche Rahmenbedingungen wird es für viele Betriebe schwierig, Z-Saatgut auf diesem Niveau zu erzeugen“, warnt Becker.

Ein oft unterschätzter Faktor in der Saatgutvermehrung ist der manuelle Arbeitsaufwand. Alle Bestände werden regelmäßig fußläufig kontrolliert und bei Bedarf nachbereinigt, um die hohen Anforderungen an Sortenreinheit zu erfüllen. „Das ist zeitaufwendig, aber unverzichtbar“, betont Becker.

Steigende Lohnkosten und der zunehmende Fachkräftemangel stellen den Betrieb dabei vor zusätzliche Herausforderungen – gerade in arbeitsintensiven Phasen der Saison. So müssen in kurzen Zeitfenstern viele Schläge parallel kontrolliert werden, während gleichzeitig qualifizierte Arbeitskräfte mit ausreichendem Sorten- und Kulturkenntnissen schwer verfügbar sind. Zudem lässt sich diese Arbeit kaum mechanisieren oder zeitlich verschieben, da Verzögerungen unmittelbar die Sortenreinheit und damit die Anerkennungsfähigkeit des Saatguts gefährden würden.

Effiziente Aufbereitung mit Qualitätssicherung

In der Saatgutaufbereitung gilt ebenfalls: Qualität vor Quantität. Das Zeitfenster ist eng, Flexibilität und eine enge Abstimmung mit den VO-Firmen sind entscheidend. Eingehende Aufträge werden digital erfasst, priorisiert und zügig abgearbeitet. Der gesamte Prozess wird laufend beprobt, um die Aufbereitungsqualität abzusichern.

Während der laufenden Kampagne übernimmt Klarissa Becker das Probenmanagement sowie organisatorische und logistische Aufgaben im Saatgutvertrieb.

„Eine sorgfältige Organisation und lückenlose Probenführung sind genauso wichtig wie die Technik selbst“, unterstreicht sie.

Herausforderungen als Auftrag: Die Zukunft im Blick

Der Weg zu hochwertigem Saatgut wird steiniger. Das Glyphosatverbot auf Vermehrungsflächen, etwa in Wasserschutzgebieten und die zunehmende Unsicherheit bei der Zulassung effektiver Beizwirkstoffe fordern das Betriebsleiterpaar täglich heraus. Doch für Dietmar und Klarissa Becker sind diese regulatorischen Hürden kein Grund zum Stillstand, sondern ein Auftrag zur Weiterentwicklung: „Wir passen unsere Strategien auf dem Feld und in der Anlage kontinuierlich an, um trotz enger werdender Rahmenbedingungen die gewohnte Reinheit sicherzustellen.“

Ein zentrales Ziel bleibt dabei der Dialog mit der Praxis: Ein konsequenter Saatgutwechsel ist die wirtschaftlichste Versicherung für stabile Erträge und vitale Bestände. „Gutes Z-Saatgut ist kein Betriebsmittel von der Stange, sondern ein Hochleistungsprodukt“, betont Becker. Mit der Kombination aus jahrzehntelanger Erfahrung, modernster Aufbereitungstechnik und einem klaren Bekenntnis zum Standort Eifelrand bleibt der Betrieb ein starkes Bindeglied in der Wertschöpfungskette – heute und in der nächsten Generation.

Autorin: Jennifer Nickel (M.Sc.arg.)

Seit vielen Jahren leiten Dietmar und Klarissa Becker gemeinsam den Betrieb.

Foto: Saatgutwirtschaft Becker

Betriebsspiegel

Geografische Lage:

Eifelrandlage im Raum Kreuzau (Nordrhein-Westfalen)

Höhenlage:

240 m ü. NHN

Jahresniederschlag:

700 Millimeter

Betriebliche Ausrichtung:

Ackerbaubetrieb ohne Tierhaltung, Schwerpunkt Z-Saatgutvermehrung und -aufbereitung (inkl. Vorstufen- und Basissaatgut) für VO-Firmen und Züchterhäuser

Betriebsgröße:

200 ha landwirtschaftliche Nutzfläche

Bodenart:

stark wechselnde Böden mit 40–78 Bodenpunkten; von leichteren, sandigeren Standorten bis zu besseren Lehmböden im hügeligen Voreifelgebiet

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Jährlich werden rund 1.000 Tonnen anerkannte Saatware aus rund zwölf Getreidesorten aufbereitet.

Foto: Saatgutwirtschaft Becker

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Vor der Feldbestandsprüfung werden die Saatgutvermehrungsflächen händisch von Fremdbesatz gereinigt.

Foto: Saatgutwirtschaft Becker

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Für jeden Arbeitsauftrag ist ein Rückstellmuster aufzubewahren.

Foto: Saatgutwirtschaft Becker

Alte Getreidekrankheiten im Visier

Fachartikel

Alte Getreidekrankheiten im Visier

Interview mit Prof. Dr. Ute Kropf

Was passiert, wenn eine unsichtbare Pflanzenkrankheit ganze Ernten unbrauchbar macht – und es keinen wirksamen Schutz gibt? Die Diskussionen um einen Verzicht auf fungizide Beizen rückt systemisch wachsende Brandkrankheiten wie Stein- und Flugbrand wieder in den Fokus – genau wie die seit 2024 geltenden, deutlich strengeren Grenzwerte das Mutterkorn wieder zum Thema machen. Prof. Dr. Ute Kropf erklärt, was die einzelnen Erreger so gefährlich macht, wie sie funktionieren und was das für Landwirte ganz konkret bedeutet.

Frau Prof. Dr. Kropf, viele Jahre lang boten fungizide Beizen wirksamen Schutz gegen Brandkrankheiten im Getreide. Doch was kommt auf Landwirte zu, sollte der Einsatz dieser Beizen tatsächlich verboten werden?

Für Landwirte dürften Brandkrankheiten in diesem Fall eine echte Herausforderung werden. Fungizide Beizen kontrollieren boden- und samenbürtige Pathogene, die sich systemisch in der Pflanze entwickeln, wie zum Beispiel Brände. Um die Folgen abzuschätzen, muss man die Biologie dieser Krankheiten verstehen, denn Brände können sehr tückisch sein und kontaminieren den eigenen Boden und umliegende Standorte.

Haben Sie ein praktisches Beispiel für uns?

Nehmen wir zum Beispiel den Weizensteinbrand. Er ist nur sehr schwer im Bestand zu erkennen, insbesondere bei einem geringen Befallsniveau zu Beginn – den charakteristischen Geruch merkt man meist erst beim Dreschen. Anstatt des Korns wächst jedoch eine Brandbutte mit Millionen von Brandsporen, die über ein unglaubliches Vermehrungspotenzial verfügen und mehrjährig infektiös sind. Alle Triebe und Ährchen einer Pflanze sind befallen, da der Weizensteinbrand systemisch in der Pflanze hochwächst – er produziert außerdem Trimethylamin, welches akut und chronisch toxisch für Mensch und Tier ist.

Steinbrand kann in der Saison nicht mit einem Fungizid bekämpft werden. Die Brandbutten stauben beim Dreschen aus und verbreiten so ihre Sporen weiter. Die Sporen gelangen sowohl auf die geerntete Saat als auch auf das Stroh und den Boden, wo sie mehrere Jahre lebensfähig bleiben. Bisher waren sie leicht durch eine fungizide Beize zu kontrollieren, unsere Versuche zeigen jedoch noch keinen adäquaten Ersatz.

Heißt im Klartext: Der Landwirt ist auf eine saubere Fläche und sauberes Saatgut angewiesen – er darf sich den Erreger gar nicht erst auf die Fläche holen. Das ist allerdings gar nicht so einfach, denn insbesondere Steinbrand ist in der Feldanerkennung kaum zu erkennen – das merken wir selbst in der Forschung immer bei Feldern, wo wir sogar wissen: Hier ist Steinbrand drin. Man findet ihn nicht. Und eine Saatgutuntersuchung durch Sporenabschwemmung ist keine Pflicht. Diese Untersuchung ist außerdem sehr aufwendig und nicht für alle Partien leistbar.

Wie fielen die Versuchsergebnisse zu möglichen Alternativen aus?

Wir haben auf einem sauberen Standort stark infiziertes Saatgut ausgebracht. Wir konnten 53 befallene Ähren pro m2 in der unbehandelten Kontrolle feststellen. Mit einer fungiziden Beize waren es null Ähren. Mit Elektronenbehandlung 32 infizierte Ähren; mit Tillecur, einem Bio-Pflanzenstärkungsmittel, 37 Ähren. Alternative Beizoptionen wie Heißwasser kommen nur an die außen am Saatkorn haftenden Pathogene heran, bei Bränden fehlen daher diese Möglichkeiten zur Beize. Was jedem Landwirt bewusst sein sollte: Ist ein Standort einmal kontaminiert, dann bleibt er über mehrere Jahre infektiös. Das zeigt uns, dass wir die gesamte Saatgutgesundheit neu denken müssen. In Biobeständen in Süd- und Mitteldeutschland lässt sich aktuell eine Verbreitung von Steinbrand beobachten.

Wie genau könnten die Auswirkungen aussehen, sollte flächendeckend nicht mehr gebeizt werden?

Die erste praktische Folge sind natürlich wirtschaftliche Einbußen für den Landwirt. Mit Brandkrankheiten befallene Pflanzen bringen keinen Ertrag. Die Fläche ist kontaminiert, was den Folgeanbau erschwert. Um zu verhindern, dass die Brände überhaupt auf die Fläche kommen, müssen wir früher ansetzen: Es braucht sauberes Saatgut, das in Gesundlagen und gesunden Fruchtfolgen produziert wird, sprich ein gesundes Umfeld ist hier das A & O. Bestände mit samenbürtigen Krankheiten dürfen nicht in den Verkehr gelangen.

Wir müssen deutlich mehr auf die Acker- und Erntehygiene achten, denn über den Mähdrescher kann ganz schnell eine Verschleppung der Sporen stattfinden. Bereits durch Wind und Staubentwicklung beim Dreschen kann das Nachbarfeld betroffen sein. Und ganz wichtig: Eine Vorbesichtigung der Bestände vor der Ernte ist ein Muss. Durch Feldbesichtigungen könnte man viele befallene Bestände eliminieren und in einer anschließenden Gesundheitsprüfung im Labor abschließend beurteilen. Das bedeutet natürlich mehr Zeitaufwand und höhere Kosten für die Saatgutproduktion.

Gibt es ackerbauliche Maßnahmen, die gegen Brandkrankheiten helfen?

Bei Steinbrand kann es helfen, dass Stroh tief einzupflügen. Gegen Flugbrände ist mir keine Maßnahme bekannt. Man kann die Krankheiten nicht eliminieren, sondern müsste lernen damit zu leben und die Saatgutgesundheit in den Fokus nehmen. Was ganz wichtig ist: Insbesondere Brandkrankheiten wachsen lange verborgen – also systemisch – in der Pflanze. Das macht die Erkennung so schwer.

Glauben Sie denn, dass es Notfallzulassungen geben wird, zumindest für die Saatguterzeugung?

Ich würde eine Zulassung für die Vorproduktion unbedingt empfehlen. Wir können es uns nicht leisten, dass Standorte dauerhaft kontaminiert und gesunde Nachbarbestände infiziert werden.

Auf Landwirte wartet auch noch eine andere Herausforderung: Die gesetzlichen Grenzwerte für Mutterkorn-Sklerotien wurden zum 1. Juli 2024 herabgesetzt. Was bedeutet das für die kommende Saison?

Wir stehen dem Mutterkorn (Claviceps purpurea) auf den ersten Blick immer etwas machtlos gegenüber, weil wir keine Pflanzenschutzmittel haben. Man muss auch hier verstehen, wie die Krankheit funktioniert; und wie man Mutterkorn vorbeugen kann. Die Sporen befallen die Blüte aller Getreidearten und auch Ungräser bzw. Ziergräser. Sie fliegen wegen des milden Wetters immer früher. Besonders Roggen ist als Fremdbestäuber häufig betroffen, weil seine offenen Blüten eine gute Eintrittspforte darstellen.

Wir sehen vor allem dann Infektionen, wenn nicht genügend eigene Pollen da sind. Sprich: Gestresste Pflanzen sind eher betroffen, beispielsweise bei Kälte, Hitze oder aber Frost vor der Blüte. Auch unterständige Spättriebe an den Fahrgassen oder am Rand sowie Nachschosser bilden oft Mutterkörner, weil weniger Pollen für ihre Bestäubung unterwegs sind.

Das heißt, die Witterung spielt bei Mutterkorn eine große Rolle?

Absolut. Mit extremen Wetterbedingungen geht eine höhere Pollenmortalität einher. Weitere Vorzeichen sind eine längere Blühdauer, längeres Offenstehen der Spelzen, schlechte Pollenflugbedingungen, Regen während der Blüte und fehlender Wind. Auch Pflanzenstress durch Bor- oder Kupfermangel verbessert die Bedingungen für den Pilz. Alarmzeichen für den Landwirt sind auch Nachtfröste mit bodennahen Temperaturen um die 1 bis 2 Grad Celsius, extreme Hitze oder Trockenheit. Entscheidend sind die acht bis zehn Tage vor der Blüte.

Die schwarzen Mutterkörner fallen im Saatgut auf – könnte man diese nicht einfach aussortieren und so die strengen Grenzwerte einhalten?

Eine mechanische Reinigung mit Sieben und Tischauslesern ist nur bedingt effizient. Für sehr wertvolle Partien gibt es Farbsortierer, bei denen die dunklen Sklerotien optisch erkannt und durch einen Luftstoß entfernt werden. Dieses Verfahren ist aber sehr teuer.

Frau Prof. Dr. Kropf, wenn Sie all das zusammenfassen: Was raten Sie Landwirten ganz konkret für die Saison 2026 und wo sollten Sie wachsam sein?

Für die diesjährige Ernte kann man darauf achten, nicht in Stresssituationen Wachstumsregler einzusetzen (Nachtfröste, Trockenheit, Hitze). Kurz vor der Ernte kann man die Befallssituation analysieren, um für die kommenden Jahre einheitlicher entwickelte Bestände aufzustellen. Wo befinden sich die befallenen Pflanzen: vor allem an den Fahrgassen und Schlagrändern?

Dann könnte man diese Schlagstellen auf einen separaten Anhänger dreschen. Ist der Befall über den ganzen Schlag verteilt und konzentriert sich auf späte und unterständige Nebentriebe? Dann ist der Bestand ungleichmäßig, was an einer zu flachen oder uneinheitlichen Saatgutablage liegen kann. Beobachten Sie Sortenversuche in Ihrer Region, um nach gleichmäßig entwickelten Sorten mit einem hohen Pollenschüttungsvermögen Ausschau zu halten.

Autorin: Marilena Kipp

Prof. Dr. Ute Kropf – Lehrkraft an der HAW Kiel
Foto: Patrick Knittler

Zur Person:
Prof. Dr. Ute Kropf lehrt und forscht an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Kiel. Sie beschäftigt sich mit der Entwicklungsphysiologie landwirtschaftlicher Kulturpflanzen. Im Rahmen der Webinar-Reihe „KornKompetenz“ der Getreidefonds Z-Saatgut e. V. (GFZS) informierte sie Praktiker im Dezember 2025 über die Gefahren von Brandkrankheiten und Mutterkorn.

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Foto: Jennifer Nickel, GFZS e. V.

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Lebenszyklus von Claviceps purpurea: Überwinterung als Sklerotium, Infektion über Ascosporen, Ausbreitung durch Honigtau und Neubildung von Sklerotien.

Foto: AgroConcept

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Nach der Infektion ersetzt der Pilz das Korn und bildet nach 6–8 Tagen einen zuckerhaltigen Honigtau mit Konidien, der Insekten anlockt und so die Sekundärinfektion verbreitet.

Foto: AgroConcept

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Anstelle des Getreidekorns entwickelt sich das Sklerotium. Es fällt bei der Ernte auf den Boden oder gelangt mit dem Erntegut in den Kreislauf.

Foto: GFPi e. V.

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Brandbutten beim Weizensteinbrand: Anstelle der Körner entstehen gräulich-braune, feste Butten, die bei der Ernte aufplatzen und Sporen freisetzen.

Foto: AgroConcept

Anmeldung zum Webinar 10.12.2025

Informationen über weitere Veranstaltungen

11 + 8 =

Mit der Anmeldung zum Webinar stimme ich der Speicherung meiner personenbezogenen Daten (Name und E-Mail-Adresse) zu. Mir ist bewusst, dass meine Daten spätestens 6 Monate nach Beendigung des Webinars gelöscht werden. Darüber hinaus ist mir bekannt, dass die Datenschutzerklärung des GFZS für das Webinar Gültigkeit hat.

Anmeldung zum Webinar 17.12.2025

Informationen über weitere Veranstaltungen

7 + 5 =

Mit der Anmeldung zum Webinar stimme ich der Speicherung meiner personenbezogenen Daten (Name und E-Mail-Adresse) zu. Mir ist bewusst, dass meine Daten spätestens 6 Monate nach Beendigung des Webinars gelöscht werden. Darüber hinaus ist mir bekannt, dass die Datenschutzerklärung des GFZS für das Webinar Gültigkeit hat.

Anmeldung zum Webinar 28.01.2026

Informationen über weitere Veranstaltungen

15 + 9 =

Mit der Anmeldung zum Webinar stimme ich der Speicherung meiner personenbezogenen Daten (Name und E-Mail-Adresse) zu. Mir ist bewusst, dass meine Daten spätestens 6 Monate nach Beendigung des Webinars gelöscht werden. Darüber hinaus ist mir bekannt, dass die Datenschutzerklärung des GFZS für das Webinar Gültigkeit hat.

Anmeldung zum Webinar 21.01.2026

Informationen über weitere Veranstaltungen

5 + 11 =

Mit der Anmeldung zum Webinar stimme ich der Speicherung meiner personenbezogenen Daten (Name und E-Mail-Adresse) zu. Mir ist bewusst, dass meine Daten spätestens 6 Monate nach Beendigung des Webinars gelöscht werden. Darüber hinaus ist mir bekannt, dass die Datenschutzerklärung des GFZS für das Webinar Gültigkeit hat.

Anmeldung zum Webinar 25.02.2026

Informationen über weitere Veranstaltungen

13 + 8 =

Mit der Anmeldung zum Webinar stimme ich der Speicherung meiner personenbezogenen Daten (Name und E-Mail-Adresse) zu. Mir ist bewusst, dass meine Daten spätestens 6 Monate nach Beendigung des Webinars gelöscht werden. Darüber hinaus ist mir bekannt, dass die Datenschutzerklärung des GFZS für das Webinar Gültigkeit hat.