Präzision vom Feld bis zum Sack

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Präzision vom Feld bis zum Sack

Saatgutvermehrung und -aufbereitung in der Praxis

Von der Züchtung zur modernen Aufbereitung

Die Wurzeln des Betriebes reichen tief in die Geschichte der Pflanzenzüchtung zurück. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts firmierte der Hof unter „Saatzucht Schweiger“ und widmete sich der Sommerbraugerstenzüchtung. 1903 erfolgte die erste Sortenzulassung, später folgten bekannte Sorten wie der Winterweizen „Moosburger begrannter Dickkopf“ oder „Jubilar“ von 1961, der zeitweise rund 40 Prozent der deutschen Winterweizenanbaufläche einnahm. Heute konzentriert sich die Familie ausschließlich auf die Saatgutaufbereitung und -produktion für externe Firmen, ein Tätigkeitsfeld, dem sie sich seit 2007 verschrieben hat. Seit 2018 ist der Betrieb zudem öko-zertifiziert, sodass sowohl konventionelles als auch ökologisches Saatgut angeboten werden kann.

Ackerflächen für jede Kultur optimal genutzt

Rund 130 Hektar Ackerland bewirtschaftet der Betrieb Schweiger. Auf diesen Flächen wachsen Winterackerbohnen, Sojabohnen, Weizen, Sommertriticale und Körnermais, überwiegend zur Saatgutvermehrung. Hierbei ist es laut dem Betriebsleiter Christian Schweiger entscheidend die Bodenbearbeitung und Fruchtfolge im Blick zu haben, damit die Kulturen gleichmäßig reifen und die hohen Qualitätsstandards für Saatgut eingehalten werden können.

Etwa ein Drittel der Flächen liegt in den Amperauen. Dort prägen leichte, kiesige Böden mit 40–60 Bodenpunkten den Anbau. „Auf diesen Standorten muss man die Wasserversorgung besonders im Auge behalten“, so Christian Schweiger. Die restlichen Flächen sind tonig-lehmige Ackerböden mit Lösslehmcharakter und 70–80 Bodenpunkten – deutlich ertragssicherer.

Anpassung an Klimawandel und Marktbedingungen

Die klimatischen Veränderungen machen auch vor Feldkirchen nicht halt. Für den Betrieb Schweiger bedeutet das, Anbauplanung und Bewirtschaftung stetig anzupassen. „Auch, wenn wir grundsätzlich eine gute Wasserversorgung haben, achten wir inzwischen gezielt darauf, den Wasserhaushalt im Boden optimal zu halten, damit die Pflanzen jederzeit über genügend Wasser verfügen“, erklärt Christian Schweiger. Unterstützt wird das durch angepasste Bodenbearbeitung, die das Wasser im Boden hält, und gezielte Fruchtfolgen, die den Boden langfristig stabilisieren.

Eine wichtige strategische Entscheidung war die Aufnahme von Sojabohnen in die Fruchtfolge. Vor einigen Jahren zunächst auf kleinen Versuchsflächen angebaut, sind sie heute fester Bestandteil. Der Sojaanbau bringt nicht nur Abwechslung in die Fruchtfolge, sondern trägt auch zur Entzerrung von Arbeitsspitzen im Jahresverlauf bei.

Markt- und Preisentwicklungen wirken sich nur begrenzt aus, da der Betrieb einen stabilen, leicht wachsenden Marktanteil hält. Größere Herausforderungen sieht Schweiger in fehlenden Wirkstoffzulassungen für Beizen, dem zunehmenden Import von Saatgut aus dem Ausland und dem Auftreten neuer Schädlinge. „Gerade der Bohnenkäfer bereitet uns bei Ackerbohnen zunehmend Probleme“, berichtet er.

Ein spezielles regionales Risiko ist der Hagel. Der Betrieb liegt in einem Gebiet, in der etwa alle zehn Jahre mit gravierenden Schäden zu rechnen ist. Um diesen Gefahren zu begegnen, setzt Schweiger auf eine Hagelversicherung. Darüber hinaus helfen ein weit gespanntes Netzwerk von Partnerbetrieben, ein großes Einzugsgebiet sowie die Verarbeitung unterschiedlicher Kulturen in der eigenen Anlage dabei, Ernteausfälle abzufedern und die Kunden selbst in schwierigen Jahren zuverlässig mit Z-Saatgut zu beliefern.

Partner für die Region

Neben dem eigenen Ackerbau ist die Saatgutaufbereitung längst zu einem festen Standbein des Betriebes geworden. Sieben Arbeitskräfte, davon zwei Familienmitglieder sorgen dafür, dass die Anlage das ganze Jahr über in Betrieb ist; in der Hochsaison verstärken erfahrene Aushilfskräfte das Team.

Viele Landwirte aus der Umgebung legen in Abstimmung mit Schweiger und den jeweiligen Züchtern Vermehrungen an, die anschließend im Betrieb erfasst und aufbereitet werden. Für Höfe ohne eigene Lager- oder Aufbereitungskapazitäten ist das ein entscheidender Vorteil. „Ohne unsere Partnerbetriebe gäbe es hier nicht diese Kultur- und Sortenvielfalt – und auch nicht die Mengen an hochwertigem Z-Saatgut, die wir heute verarbeiten“, betont Christian Schweiger. Gleichzeitig ist der Betrieb für viele Kollegen zu einer echten Alternative geworden – gerade für jene, die selbst keinen Lagerplatz besitzen oder lange Wege zum Landhandel hätten.

Qualitätsarbeit in der Aufbereitung

Jährlich werden in Feldkirchen rund 80 verschiedene Sorten und weit über 5.000 Tonnen Rohware verarbeitet – vom klassischen Weizen und Gerste bis zu Roggen, Hafer, Nackthafer, Lupine, Dinkel und verschiedenen Körnerleguminosen. Neben Z-Saatgut für Landwirte bereitet Schweiger auch Vorstufen- und Basissaatgut für Züchter auf.

Die technische Ausstattung ist breit aufgestellt: Siebreinigung, Trieur, Bürstmaschine, Stein- und Gewichtsausleser sowie ein Farbsortierer der neuesten Generation mit 4K-Echtfarbkameras und Low-NIR- sowie InGaAs-Sensoren. „Damit können wir das Saatgut optisch absolut präzise sortieren. Der Gewichtsausleser ist besonders wertvoll, wenn es um angekeimtes Getreide geht – er trennt aufgrund des veränderten spezifischen Gewichts zuverlässig aus“, erklärt Schweiger.

Die Arbeitsabläufe sind auf Sortenreinheit optimiert. Nach jedem Partiewechsel wird die Technik mit Pressluft und Staubsaugern gründlich gereinigt. „Wir verzichten bewusst auf Redler und Schnecken, um Kornbruch zu vermeiden. Bei uns laufen die Körner schonend über Bänder und Becherwerke.“ Das Ergebnis sind technische Reinheiten von 99,9–100 %, deutlich über den amtlich geforderten 98 % für zertifiziertes Saatgut.

Einblick in die aktuelle Saatgutsaison

Der Schwerpunkt liegt im Wintergetreide – und damit in einem engen Zeitfenster. „Für den Großteil unseres Absatzes haben wir nur wenige Wochen. Da müssen Vermehrer, Aufbereiter und Logistik perfekt zusammenarbeiten“, sagt Schweiger.

In diesem Jahr war das Wetter eine besondere Herausforderung. Ein Teil der Bestände konnte noch vor den langanhaltenden Regenfällen geerntet werden – mit sehr guten Qualitäten und Erträgen. „Alles, was wir vor dem 20. Juli dreschen konnten, hatte Topqualität und hervorragende Keimfähigkeit“, so Schweiger. Die spätere Ernte erforderte hingegen intensives Trocknen; die Anlagen liefen fast rund um die Uhr. Trotz leichter Einbußen bei der Keimfähigkeit liegen die Qualitäten weiterhin auf hohem Niveau und über den gesetzlich geforderten Mindestwerten. Die Aufbereitung ist bereits weit fortgeschritten, und im August konnten so viele Mengen ausgeliefert werden wie nie zuvor. Lediglich eine Partie musste aufgrund von Druschschäden ausgesondert werden.

Zukunftsaussichten und Visionen

Stillstand kommt für Christian Schweiger nicht infrage. Für die kommenden Jahre plant er für den Betrieb eine weitere Automatisierung der Anlage, um die Belegschaft zu entlasten und Kapazitäten zu erhöhen. „Nachhaltigkeit und Innovation sind für uns gelebte Praxis. Unsere Trocknungsanlagen arbeiten CO₂-neutral, und auch bei der Reinigung setzen wir modernste Technik ein“, erklärt Schweiger.

Ziel ist es, weiterhin große Mengen hochwertiges Z-Saatgut zu liefern – auch bei Sonderkulturen wie Sojabohnen – und den Betrieb langfristig als zentralen Partner für die regionale Landwirtschaft zu positionieren. „Entscheidend ist, dass am Ende im Sack nur das Beste liegt“, resümiert er.

Der Hof der Familie Schweiger in Feldkirchen bei Freising – seit über 370 Jahren in Familienbesitz und heute ein moderner Ackerbau- und Saatgutbetrieb.

Fotos: Schweiger Feldkirchen

Betriebsspiegel
Saatzucht Schweiger, Feldkirchen

Geografische Lage:
östliche Stadtgrenze von München
Höhenlage:
523 m ü. NHN
Jahresniederschlag:
790 Liter
Betriebliche Ausrichtung:
Ackerbau, Saatgutvermehrung und -aufbereitung
Betriebsgröße:
130 ha
Bodenart:
leichte, kiesige Böden (40–60 Bodenpunkte) und tonig-lehmige Ackerböden mit Lösslehmcharakter (70–80 Bodenpunkte)

Betriebsleiter Christian Schweiger setzt auf Vielfalt in den Kulturen.

Vor der Feldbestandsprüfung werden die Saatgutvermehrungsflächen händisch von Fremdbesatz gereinigt.

Ein Blick in die Saatgutaufbereitung: modernste Technik sorgt für Präzision und Sortenreinheit.

Farbsortierer erkennen jedes einzelne Korn und entfernen unerwünschtes Material.

Die gesamte Anlage im Blick: Über Monitore wird jeder Arbeitsschritt in der Aufbereitung überwacht.

Geprüftes Z-Saatgut für die Landwirte der Region.

Qualität von Anfang an

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Qualität von Anfang an

Ökologisches Z-Saatgut

Benedikt Endres wurde als bester ökologischer Z-Saatgut-Aufbereiter 2023 vom Getreidefonds Z-Saatgut e. V. ausgezeichnet – eine Anerkennung, die den herausragenden Einsatz und die Innovationskraft seines Betriebes widerspiegelt.

Was steckt hinter diesem Erfolg? Und wie gelingt es Endres, in einem so anspruchsvollen Bereich wie der ökologischen Saatgutproduktion Maßstäbe zu setzen?

Vom Vater zum Sohn

Der Betrieb Endres begann in den 1980er Jahren mit der Saatgutvermehrung. Damals legte sein Vater, Hermann Endres, den Grundstein für das heutige Unternehmen, indem er mit der Vermehrung von Weizen und Gerste begann. Im Laufe der Jahre erweiterte sich das Spektrum der vermehrten Kulturen stetig. Eine große Besonderheit war die Aufnahme der Hybridroggenvermehrung in den 1990er Jahren. Die Getreideart spielte über drei Jahrzehnte hinweg eine bedeutende Rolle im Betrieb, bis zur Umstellung auf ökologische Landwirtschaft im Jahr 2016. „Auf Biobetrieben spielen Hybridsorten keine so bedeutende Rolle,“ erläutert Endres. Auch die Hybridrapsvermehrung war für einige Jahre Teil des Portfolios, was die Vielseitigkeit und Experimentierfreudigkeit des Unternehmens unterstreicht. Ein wichtiger Meilenstein war 2009, als durch die Eiweißinitiative in Bayern die erste Sojavermehrung, die im Laufe der Jahre auf 50 ha anwuchs, angelegt wurde. Neben der Saatgutvermehrung auf 280 ha und der anschließenden Aufbereitung führt der Betrieb auch Lohnarbeiten für andere Biobetriebe durch und baut u. a. Speiseleguminosen, Sonnenblumen und Zuckerrüben an.

Qualität aus Leidenschaft

Die Entscheidung, 2022 in die Aufbereitung einzusteigen, war für Benedikt Endres keine leichtfertige. Sie entsprang einem tiefen Verständnis für die Bedeutung der Saatgutqualität und dem Wunsch, jeden Aspekt des Produktionsprozesses zu kontrollieren und zu optimieren. Dabei legt er besonderen Wert auf die technische Reinheit des Saatgutes. „Wir achten darauf, dass die Rohware möglichst frei von Staub, Stroh und Spelzen ist, da dieser Besatz oft einen höheren Pilzbefall aufweist, der durch biologische Beizen nicht vollständig bekämpft werden kann“, erklärt Endres. „Unser Ziel ist es, gesundes Z-Saatgut zu produzieren, das den höchsten Qualitätsstandards entspricht.“ Er beschreibt seine Motivation mit Leidenschaft: „Wir möchten unseren Qualitätsanspruch für beste Saatgutqualität in der gesamten Prozesskette, von der Aussaat bis zum Endprodukt, mit größter Sorgfalt und Hingabe selbst gestalten.“ Dieser Ansatz spiegelt sich in der Vielfalt der aufbereiteten Kulturen wider. Von verschiedenen Getreidesorten wie Winterweizen, Dinkel, Hafer, Sommergerste und Wintertriticale über Sojabohnen bis hin zu Futtererbsen – das Spektrum ist breit gefächert und zeigt die Flexibilität und das umfassende Know-how des Betriebes.

Qualität beginnt auf dem Feld

Die Grundlage für die Erzeugung von hochwertigem Z-Saatgut wird bereits auf dem Acker gelegt. Benedikt Endres betont die Wichtigkeit einer durchdachten Herangehensweise von Anfang an, um sicherzustellen, dass das Saatgut gesund und widerstandsfähig wird: „Ausgewogene Fruchtfolgen, gutes Beikrautmanagement über die gesamte Vegetation, ideale Termine für Aussaat (z. B. Weizen Ende Oktober bis Anfang November, anschließend Striegeln – Hacken), Pflege und Ernte nutzen, bestmögliche Spezialtechnik einsetzen, selbst auf die beste Saatgutqualität achten und schonende Behandlung des Erntegutes“ seien ausschlaggebend für die Qualität der Saatware – schon vor der eigentlichen Aufbereitung. Seine Fruchtfolge orientiert sich an einer typischen Ökofruchtfolge und wird je nach Bodenzustand, Nährstoffversorgung und Beikrautbesatz noch individuell angepasst: Luzerne–Luzerne–Winterweizen–Zuckerrübe–Sojabohne–Dinkel–Sommergerste oder Hafer–Sonnenblume. Endres „Geheimrezept“ bleibt natürlich geheim, nur so viel verrät er: „Immer auf dem Feld präsent sein, genau wissen, was wann wächst und keimt und der Kulturpflanze einen vegetativen Vorsprung verschaffen!“

Hohe Ansprüche an die Aufbereitung: Nur das Beste ist gut genug

„Mein Anspruch ist, möglichst gesundes und reines Saatgut herzustellen. Daher sortiert eine gute Aufbereitungsanlage jegliche Fremdbestandteile sowie nicht optimal geeignete Körner zuverlässig aus“, betont Endres. Besonders als Öko-Vermehrer und Aufbereiter zählen neben den üblichen Anerkennungskriterien die Gesundheit des Kornes (frei von samenbürtigen Krankheiten wie z. B. Steinbrand) und die Triebkraft (Kalttest) unter nicht optimalen Bedingungen. Endres erläutert, dass seine Ansprüche an die Saatgutqualität sehr hoch sind, da er weiß, wie wichtig hochwertiges Saatgut für den Erfolg der Landwirte ist, die seine Produkte verwenden. „Da in der ökologischen Landwirtschaft keine chemischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, ist es umso wichtiger, dass die Pflanzen von Beginn an stark und gesund sind,“ ergänzt Endres.

Technik, Erfahrung und Teamarbeit

Um die hohen Qualitätsstandards zu erreichen, setzt der Betrieb auf eine Kombination aus modernster Technik und jahrelanger Erfahrung. Endres erklärt: „Wir nutzen in allen Bereichen bestmögliche Spezialtechnik, die wir oft noch nach unseren Bedürfnissen umbauen, und versuchen, keine Kompromisse einzugehen.“ Doch Technik allein macht noch keinen Erfolg aus. „Die Position in der Fruchtfolge ist eine wichtige Basis. Die Bestandesführung auf dem Feld bedarf viel Wissen, Erfahrung und auch Handarbeit“, so Endres. Letztendlich sei es ein Zusammenspiel aus Technik, einer guten Teamleistung im gesamten Produktionsprozess sowie der Witterung. Endres hebt hervor, dass die kontinuierliche Weiterbildung und der Austausch mit Experten entscheidend sind, um immer auf dem neuesten Stand und der besten Praktiken zu bleiben.

Für einen „Neuling“ sei es besonders herausfordernd, die ideale Anlageneinstellung herauszufinden, um konstant zu performen. Umso mehr freue er sich daher, dass er den Preis als bester ökologischer Getreide-Z-Saatgut-Aufbereiter erhalten habe.

Überraschungen und Probleme gab es in der anfänglichen Phase jedoch kaum: „Unser Motto ist: ‚Wenn dann mach mer’s gscheit‘ – von nennenswerten Problemen und Überraschungen sind wir bislang verschont geblieben.“.

Herausforderungen in der ökologischen Saatgutproduktion

Im Vergleich zur konventionellen Produktion sieht sich der ökologische Saatgutproduzent mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Dabei wird die Einhaltung ökologischer Standards weniger durch die Aufbereitung, sondern vielmehr durch die Produktion auf dem Feld sichergestellt. Endres bringt es auf den Punkt: „Wir sind viel mehr auf das Produkt selbst angewiesen. Probleme können nicht durch Mitteleinsatz (z. B. chemische Beize) gelöst werden. Daher muss der gesamte Erzeugungsprozess stimmen.“ Dies bedeutet, dass jeder Schritt, von der Bodenvorbereitung über die Aussaat bis hin zur Ernte, sorgfältig geplant und durchgeführt wird, um sicherzustellen, dass die ökologischen Standards eingehalten werden.

Fokus auf natürliche Widerstandsfähigkeit

Besonders im ökologischen Bereich sind Betriebe auf eine gute Ausgangsbasis der verwendeten Betriebsmittel angewiesen. „Gute Werte bei Keimfähigkeit und Triebkraft sind entscheidend für robustes Pflanzenwachstum und resiliente Entwicklung“, erklärt Endres. Interessanterweise sieht Endres hier auch Potenzial für den konventionellen Bereich: „Eigentlich müsste IMMER zuerst auf die natürliche Fähigkeit des Saatgutes geachtet werden. Dies könnte so manchen Beizmitteleinsatz im konventionellen Bereich unnötig machen.“ Für ihn steht fest, dass die Erkenntnisse aus der ökologischen Landwirtschaft auch für konventionelle Betriebe von großem Wert sein können und möglicherweise zu einer insgesamt nachhaltigeren Landwirtschaft führen könnten.

Vision einer nachhaltigen Landwirtschaft

Mit Blick auf die Zukunft hat Benedikt Endres klare Vorstellung: „Mein Ziel ist, mit konstant guter Saatgutqualität punkten zu können.

Meine Vision ist die fortschreitende Umstellung vieler Kollegen zum Ökolandbau für eine umweltverträglichere Landbewirtschaftung und möglichst gesunde Lebensmittel – am liebsten 100 % Bio.“ Für ihn ist die ökologische Produktion nicht nur ein Nischenmarkt, sondern ein Zukunftsmodell für die gesamte Branche.

Für die kommenden fünf bis zehn Jahre erwartet Endres positive Entwicklungen in der ökologischen Landwirtschaft. „Ich erwarte einen konstant wachsenden Bioabsatz und wieder steigendes Bewusstsein beim Einkaufsverhalten der Verbraucher. Die Absatzdelle durch die Krisen der Welt wird sich erholen und die Betriebe sich vermehrt mit Umstellungsgedanken befassen. Regionale Bioerzeugnisse rücken dann wieder mehr in den Fokus,“ resümiert er optimistisch.

Fazit

Hochwertiges Saatgut bildet die Grundlage für gesunde, widerstandsfähige Pflanzen, die besser mit Krankheiten und Schädlingen umgehen können. Besonders die Produktion von ökologischem Z-Saatgut, wie sie von Benedikt Endres praktiziert wird, stellt hohe Qualitätsanforderungen an den Vermehrer und Aufbereiter. Sie erfordert ein tiefes Verständnis für natürliche Prozesse, den Einsatz modernster Technik und ein engagiertes Team. Der Erfolg von Endres, gekrönt durch die Auszeichnung als bester ökologischer Getreide-Z-Saatgut-Aufbereiter 2023, zeigt, dass mit Leidenschaft, Erfahrung und dem richtigen Ansatz herausragende Ergebnisse erzielt werden können.

Benedikt Endres

Bild: Daniel Delang /
Öko-Modellregionen Bayern

Betriebsspiegel

Betriebsleiter:
Benedikt Endres
Betriebsform:
Ackerbau
Ackerbau:
280 ha
Saatgutvermehrung:
ca.
40 ha Winterweizen
25 ha Dinkel
15 ha Sommergerste
15 ha Hafer
50 ha Sojabohnen
40 ha Zuckerrübe
15 ha Sonnenblumen
20 h Kichererbsen
50 ha Luzerne
10 ha Sonstige
Klima:
580 mm Jahresniederschlag, 9,7°C
Boden:
>80 % schluffiger Lehm

Benedikt Endres erzeugt ökologisches Saatgut nach Bioland-Richtlinien.

Bild: Endres

Akribische Planung und strenge Kontrolle

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Akribische Planung und strenge Kontrolle

Die Vermehrung und Aufbereitung von Saatgut ist ein aufwendiger Prozess.

Die Reinsdorfer Agrargenossenschaft aus Sachsen gibt Einblicke in die verantwortungsvolle Arbeit.

Die Reinsdorfer Agrargenossenschaft eG bei Waldheim, rund 60 Kilometer westlich von Dresden, blickt auf eine lange Geschichte zurück. Ursprünglich als LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) mit Pflanzen- und Tierproduktion gegründet, hat sich der Betrieb heute zusätzlich ein Standbein in der Saatgutproduktion aufgebaut. Dabei setzt die Genossenschaft auf nachhaltige Anbaumethoden, innovative Technik und eine gezielte Marktstrategie.

Der Klimawandel stellt Landwirte vor neue Herausforderungen. In Reinsdorf begegnet man diesen mit einer Mischung aus Erfahrung und Innovation. „Wir setzen verstärkt auf trockenresistente Sorten“, erläutert Charlotte Glitz, Vorstandsvorsitzende der Genossenschaft. „Aber das allein reicht nicht. Unser gesamtes Anbausystem muss sich anpassen.“ Extremwetterlagen wie Trockenperioden im Sommer und feuchte Frühjahre erschweren die Planung. „Die letzten Jahre haben gezeigt, dass wir flexibel reagieren müssen“, ergänzt sie. Die Fruchtfolgegestaltung ist dabei ein Schlüsselelement. Auf einer bewirtschafteten Fläche von 1.200 ha hat die Genossenschaft neben den klassischen Kulturen wie Weizen, Gerste und Raps, auch auf 95 ha Triticalevermehrung als wichtige Säule etabliert. Aber auch Leguminosen wie Erbsen finden ihren Platz. „Sie lockern die Fruchtfolge auf, binden Stickstoff und verbessern die Bodenstruktur. Das spüren wir in der gesamten Rotation“, stellt Glitz heraus.

Effizient durch nachhaltige Praktiken

Die Genossenschaft hat sich auf die Vermehrung und Aufbereitung von Saatgut spezialisiert und bedient mit Triticale eine wichtige Marktnische. „Triticale vereint die Vorteile von Weizen und Roggen. Sie ist robust, anspruchslos und liefert stabile Erträge – ideal für unsere Bedingungen“, erklärt Marco Rost, Leiter der Saatgutproduktion.

„Durchwuchs ist der Feind jedes Vermehrers“, weiß Rost. „Deshalb planen wir die Fruchtfolge auf den Vermehrungsflächen besonders akribisch. In der Vermehrung haben wir deutlich strengere Vorgaben als im regulären Ackerbau“, betont er. Besonders wichtig ist eine weite Fruchtfolge, die die Bestände sauber hält und das Risiko von Durchwuchs, Krankheiten und Schädlingsbefall minimiert.

Während der Vegetation werden die Bestände intensiv betreut. Geschulte Mitarbeiter kontrollieren regelmäßig auf Fremdbesatz. „Wenn nötig, gehen wir mit einigen Mitarbeitern durchs Feld und selektieren per Hand“, erklärt Rick Hertzsch, zuständig für die Vermehrungsvorhaben. „Das ist zwar aufwendig, aber für Spitzenqualität im Z-Saatgut-Bereich unerlässlich.“

Die Auswahl der richtigen Sorten spielt ebenfalls eine Schlüsselrolle. Besonders bei Weizen ist Stickstoffeffizienz von Bedeutung. „Unser Ziel ist es, mit minimaler Düngung maximalen Proteingehalt zu erzielen.“ Daher wird jedes Jahr die Düngestrategie neu bewertet und angepasst, statt pauschal festgelegte Mengen zu verwenden.

Der Fahrer der Pflanzenschutzspritze spielt ebenfalls eine unverzichtbare Rolle. Er kennt die Felder in- und auswendig und gibt einen ersten Eindruck der Bestände wieder. Diese enge Betreuung sorgt dafür, dass potenzielle Probleme frühzeitig erkannt und zielgerichtet behandelt werden. Die weite Fruchtfolge trägt nicht nur zur Vermeidung von Krankheiten bei, sondern auch zur Reduktion des Schädlingsbefalls. „Schädlinge wie das Getreidehähnchen oder der Maiszünsler fühlen sich bei engen Fruchtfolgen besonders wohl“, warnt Hertzsch. Der Fruchtwechsel unterbricht den Entwicklungszyklus vieler Schädlinge und reduziert so den Befallsdruck. Auch Pilzkrankheiten wie Schwarzbeinigkeit oder Halmbruch treten vor allem bei engen Fruchtfolgen auf. Der Wechsel mit Blattfrüchten wie Raps oder Leguminosen verringert den Krankheitsdruck und minimiert den Einsatz von Fungiziden.

Zusätzlich trägt die Fruchtfolge zur Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit bei. „Mit Zwischenfrüchten und stickstoffbindenden Pflanzen wie Erbsen verbessern wir die Bodenstruktur und verringern den Bedarf an zusätzlichem Dünger“, erklärt er. Diese nachhaltige Strategie fördere nicht nur stabile Erträge, sondern stelle Saatgut mit den höchsten Qualitätsanforderungen sicher.

Präzision in der Saatgutaufbereitung

Die Saatgutproduktion endet nicht mit der Ernte – im Gegenteil: Die Qualitätssicherung wird auch während der Aufbereitung fortgeführt. Nach der Einlagerung wird die Rohware streng kontrolliert. Die optimale Feuchte bei der Einlagerung liegt bei 15–16 %. Durch konsequentes Runterlüften auf unter 20 °C wird die Lagerfähigkeit gewährleistet.

Der Prozess der Saatgutaufbereitung erfolgt in der Reinsdorfer eG in mehreren Stufen:

  • Grobreinigung: Entfernen von Fremdbesatz mittels Sieben und Wind.
  • Spezialreinigung: Bruchkorn und Fremdbesatz werden durch Trieur-Trommeln entfernt.
  • Silo-Lagerung: Unter kontrollierten Bedingungen wird das Saatgut zwischengelagert und eine Probe wird im Labor auf die Beschaffenheit überprüft.
  • Wenn alle Parameter zur Eignung für Z-Saatgut eingehalten werden, wird eine Anerkennung erteilt und die Ware ist handelsfähig.
  • Beizung und Verpackung: Big Bags, Papiersäcke oder lose Verladung auf LKW.

„Unsere Aufbereitungskapazität reicht von zwei bis sechs Tonnen pro Stunde, je nach Reinigungsanlage“, berichtet Rost. Ein besonderer Fokus liegt auf der schonenden Behandlung des Z-Saatgutes. Fallhöhen werden minimiert und Becherwerke laufen auf reduzierter Geschwindigkeit, um Bruchkorn zu vermeiden. „Wir wollen nicht nur die Mindeststandards erfüllen, sondern stets das Optimum erreichen“, betont Glitz.

Die Vermarktung des Z-Saatgutes erfolgt dann über die Geschäftsstellen von Saatgut 2000, der einzigen neu gegründeten VO-Firma im Osten Deutschlands. „Eine regionale Vermarktung wäre der Idealzustand, aber aktuell nicht realistisch“, muss Glitz zugeben. „Die Region um Dresden ist kein typisches Triticaleanbaugebiet. Aber unser Ziel ist es, den Bereich der Saatgutvermehrung weiter auszubauen und weitere Potenziale zu erschließen, indem wir gezielt auf Nachfrage reagieren und unser Sortiment erweitern“, so Glitz.

Digitale Pläne für die Zukunft

Doch trotz aller Erfolge bleibt die Landwirtschaft ein herausforderndes Geschäft. Der Kampf um Pachtflächen, steigende Auflagen und schwankende Märkte fordern die Genossenschaft. „Wir müssen ständig am Ball bleiben“, sagt Glitz. „Stillstand können wir uns nicht leisten.“

Für die Zukunft hat man große Pläne. Wie erwähnt, soll die Saatgutvermehrung weiter ausgebaut werden. Aber auch in Sachen Digitalisierung und Präzisionslandwirtschaft will man vorangehen. „Wir investieren in Technik und Know-how. Aber immer mit Augenmaß. Die Technik soll uns unterstützen, nicht ersetzen“, ergänzt sie.

Ein besonderes Anliegen ist der Genossenschaft der Nachwuchs. „Wir bilden aus und bieten jungen Menschen eine Perspektive“, betont sie. „Denn nur mit qualifizierten und motivierten Mitarbeitern können wir die Herausforderungen der Zukunft meistern.“

Fazit

Die Reinsdorfer Agrargenossenschaft eG zeigt, wie sich Tradition und Fortschritt vereinen lassen. Mit einem klaren Fokus auf Qualität, nachhaltigen Anbaumethoden und der Spezialisierung auf die Saatgutvermehrung hat sich der Betrieb eine starke Position erarbeitet.

Jennifer Nickel
Getreidefonds Z-Saatgut e. V.

Die Reinsdorfer Agrargenossenschaft in Waldheim bewirtschaftet 1.200 ha Fläche.

Foto: Reinsdorfer Agrargenossenschaft eG

Marco Rost sorgt für die fachgerechte Aufbereitung des Z-Saatgutes.

Foto: Reinsdorfer Agrargenossenschaft eG

Für die Ernte werden zwei John-Deere-Mähdrescher eingesetzt, die durch ihr Rotorsystem die Körner schonen ausdreschen.

Foto: Niklas Polster/Luftbilder_HD

Die 95 ha Triticalevermehrung werden in der eigenen Anlage aufbereitet und durch Saatgut 2000 vermarktet.

Foto: Reinsdorfer Agrargenossenschaft eG

Die Drillmaschine sorgt mit hoher Flächenleistung für eine termingerechte und gleichmäßige Saatgutablage.

Foto: Reinsdorfer Agrargenossenschaft eG

Die Gülle aus der Milchviehhaltung (knapp 500 Rinder) und die Gärreste der 549 kW-Biogasanlage werden als organische Dünger auf den Feldern ausgebracht.

Foto: Reinsdorfer Agrargenossenschaft eG

Die Kunst der Saatgutvermehrung: Z-Saatgut-Vermehrer und -Aufbereiter zieht Bilanz

Fachartikel

Die Kunst der Saatgutvermehrung:

Z-Saatgut-Vermehrer und -Aufbereiter zieht Bilanz

2023 war ein Jahr der Extreme – das kalte und nasse Frühjahr verzögerte die Aussaat, durch die Frühsommertrockenheit gerieten u. a. die Sommerungen unter Trockenstress, und der verregnete Juli/August sorgte für wochenlange Druschpausen und ließ einige Bestände ins Lager gehen. Vor allem die Flächen im Norden und Westen Deutschlands waren von Auswuchs betroffen. Gegebenheiten, die besonders in der Saatgutproduktion erfahrene und fachkundige Profis erfordern, um am Ende Qualitätssaatgut für die Landwirte herstellen zu können.

Saatgutvermehrer in der 3. Generation

Ulrich Horsch aus dem baden-württembergischen Maulbronn ist einer dieser Profis. Seit der Übernahme des elterlichen Betriebes 1996 hat Horsch den Betriebszweig der Vermehrung und Aufbereitung kontinuierlich ausgebaut. „Die Saatgutvermehrung ist mehr als nur eine Tätigkeit – es ist eine Tradition, die wir seit drei Generationen mit Herzblut verfolgen. Durch stetige Anpassungen und Investitionen haben wir nicht nur die Technologie vorangetrieben, sondern auch unser Vermehrungssortiment vielfältig erweitert“, betont der erfahrene Betriebsinhaber.

Die Vielfalt im Fokus: Z-Saatgut und mehr

Aktuell vermehrt der Elfinger Hof zwei Sorten Wintergerste, sechs Sorten Winterweizen, eine Sorte Sommerweizen und zwei Sorten Sommerbraugerste. Die Breite des Vermehrungssortiments dient nicht nur der optimalen Auslastung der Aufbereitungsanlage, sondern hat auch das Ziel, ein breites und angepasstes Portfolio für die Landwirte in der Region bereitzustellen. Auf dem Betrieb von Ulrich Horsch wird nur Saatgut aus der eigenen Vermehrung aufbereitet. „Die Produktion von Z-Saatgut erfordert höchste Qualitätsstandards. Daher haben wir vor einigen Jahren entschieden, uns aus der Aufbereitung von Saatgut anderer Betriebe zurückzuziehen, um die Kontrolle über die Qualität von Anfang bis Ende zu behalten“, erklärt der Vermehrer.

Ulrich Horsch (rechts) und sein Mitarbeiter Werner Ludwig beim Absacken des gereinigten Z-Saatgutes

Foto: U. Horsch

„Ich habe den Anspruch, unseren Landwirten Z-Saatgut höchster Qualität anzubieten.“

Qualität beginnt auf dem Feld

Die Qualität des Saatgutes steht und fällt nicht nur mit der Aufbereitung, sondern beginnt bereits auf dem Feld. „Eine sorgfältige Bodenbearbeitung, eine durchdachte Fruchtfolge und die Vermeidung von Ausfallgetreide sind von grundlegender Bedeutung. Besonders im Kontext von Z-Saatgut ist eine akribische und in den meisten Fällen händische Feldbereinigung vor der Ernte unerlässlich“, betont Horsch. Für ihn kann eine erfolgreiche Vermehrung nur in weiten Fruchtfolgen mit konsequentem Wechsel von Sommer- und Winterungen erfolgen. „Unsere Fruchtfolge unterscheidet sich oft von der unserer Berufskollegen“, stellt Horsch fest. Wintergerste wird beispielsweise nach Raps oder anderen Blattfrüchten vermehrt. Die Wintergerstenvermehrung nach Weizen ist aufgrund von Weizendurchwuchs nicht möglich. Ein weiterer Punkt betrifft das Glyphosatverbot. Falls es bestehen bleibt, wird die Sommergerstenvermehrung nach Weizen in Mulchsaat nicht mehr möglich sein, da der Weizendurchwuchs nicht zu 100 Prozent mechanisch bekämpft werden kann. Daher plant der Landwirt, die Sommergerste nach spätgerodeten Zuckerrüben zu vermehren. Ebenfalls vermieden wird die Ausbringung von Stallmist vor Getreide, um Verunreinigungen durch Getreidereste aus dem Stroh zu verhindern. Die Keimung des Ausfallgetreides ist die Grundvoraussetzung für die anschließende mechanische Bekämpfung. Hier setzt der Landwirt auf eine Grundbodenbearbeitung, gefolgt von einem Feingrubber mit Gänsefußscharen. Ein entscheidender Unterschied zu anderen Landwirten besteht darin, dass der Walzennachläufer durch einen Striegel ersetzt wurde. Dadurch werden Pflanzen nicht erneut angedrückt und können nicht weiterwachsen. Ein Vergraben des Ausfallgetreides muss laut dem Vermehrer durch Pflügen oder tiefes Grubbern vermieden werden, da es sonst in den folgenden Jahren immer wieder Verunreinigungen in den Vermehrungsbeständen nach sich zieht.

„Unsere Entscheidungen auf dem Feld beeinflussen direkt die Reinheit, Keimfähigkeit und Sortenreinheit des produzierten Z-Saatgutes.“

 

Auch nach der Ernte legt der Betriebsinhaber großen Wert auf Sauberkeit und Hygiene auf dem Hof und im Getreidelager. So werden die Getreideannahme und alle an der Aufbereitung beteiligten Geräte nach jedem Arten- und Sortenwechsel penibel gereinigt, damit Vermischungen ausgeschlossen werden. Um Keimfähigkeitsverluste zu minimieren, wird das Getreide möglichst schonend gedroschen, transportiert und schonend entgrannt.

Saatgutsaison 2023 auf dem Elfinger Hof

Da die Getreideflächen des Elfinger Hofes im Frühdruschgebiet liegen, war die Qualität der Saatware insgesamt gut. Die Keimfähigkeiten waren überwiegend sehr gut bis gut, jedoch brachte die Sommertrockenheit im Juni und Juli vor allem bei späteren Weizensorten und der Sommergerste Herausforderungen in der Sortierung mit sich. Einige Partien mussten daher zweimal gereinigt werden, um eine Spitzen- Saatgutqualität zu gewährleisten, wobei laut Horsch bis zu 30 Prozent Sortierabgang akzeptiert werden musste.

Der verregnete Sommer führte beim Betriebsinhaber vermehrt zu besorgten Anfragen bezüglich der Saatgutverfügbarkeit von Saatweizen. „Die Bestellungen für Weizensaatgut trafen frühzeitig ein, da Landwirte befürchteten, dass es aufgrund der Witterungsbedingungen knapp werden könnte“, resümiert Horsch.

Trotz der reichlichen Wintergerstenernte, konnte diese aufgrund des deutlichen Rückganges der Schweinehaltung nicht vollständig vermarktet werden. Im Gegensatz dazu verzeichnete der Saatweizen einen erfolgreichen Absatz. Angesichts dieser Erfahrungen zieht das Unternehmen Rückschlüsse für die kommende Saison. So wird die Sommergerstenvermehrung, insbesondere für die Herbstsaat, ausgebaut. Seit fünf Jahren ist der Elfinger Hof auch in der Sojabohnenvermehrung tätig und hat dabei gezielt eine bestimmte Sorte in den Fokus genommen. In dieser Zeit wurde die Aufbereitungsanlage entsprechend modifiziert, um die Förderwege und Fallhöhen zu verringern.

Damit reagiert das Unternehmen strategisch auf die Marktanforderungen und strebt eine zukunftsorientierte Ausrichtung der Saatgutsaison an.

Herausforderungen der Branche

Die größte Herausforderung für den Familienbetrieb liegt, neben der Witterung, in der wirtschaftlichen Darstellung der Saatgutvermehrung sowie im bürokratischen Aufwand. „Steigende Kosten setzen uns unter Druck. Die Investitionen in Anlagentechnik, die steigenden Dokumentations- und Zertifizierungskosten erfordern eine fortwährende Anpassungsfähigkeit“, gibt der Betriebsinhaber zu bedenken.

„Die Qualität unserer Arbeit spiegelt sich unmittelbar im Endprodukt, dem Z-Saatgut, wider. Um weiterhin auf diesem Qualitätsniveau agieren zu können, müssen die Kosten der Vermehrung und Aufbereitung angemessen berücksichtigt werden“, hebt der Vermehrer hervor. „Es ist entscheidend, dass Landwirte die Bedeutung dieser Kosten für ein hochwertiges Produkt verstehen und bereit sind, angemessene Preise dafür zu zahlen. Nur so können wir die gewohnten Standards und die Erwartungen unserer Kunden erfüllen.“

Trotz dieser Herausforderungen bleibt die Motivation hoch. „Positive Rückmeldungen zum Z-Saatgut bestätigen nicht nur die Qualität der Aufbereitung, sondern spornen mich und mein Team an, auch in Zukunft höchste Standards zu erreichen“, unterstreicht Ulrich Horsch.

Vor der Feldbestandsprüfung werden die Saatgutvermehrungsflächen händisch von Fremdbesatz gereinigt.

Foto: U. Horsch

Beim Öko-Z-Saatgut gibt es keine Kompromisse

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Beim Öko-Z-Saatgut gibt es keine Kompromisse

Bio boomt, und das nicht nur beim Verbraucher. Auch viele Landwirte schließen sich diesem Trend an und stellen ihre Betriebe auf ökologischen Landbau um. Diese Entwicklung hat für alle Prozessbeteiligten weitreichende Konsequenzen. Das fängt schon bei der Bereitstellung von hochwertigem Öko-Z-Saatgut an. Das ist keine leichte Aufgabe, denn die Qualitätsansprüche sind gegenüber konventionellem Saatgut nochmals höher. Ein Beispiel aus Norddeutschland.

Der 1991 gegründete Erzeugerzusammenschluss (EZG) Öko-Korn-Nord in Nord-Ost Niedersachsen (Kasten) hat aktuell über 100 aktive Mitglieder, die ihr Getreide und ihre Leguminosen über die EZG gemeinsam vermarkten. Gleichzeitig zählt Öko-Korn-Nord zu den größten und bedeutendsten Aufbereitern und Vermarktern von Bio-Z-Saatgut in Deutschland.

Als reines Bio-Unternehmen fühlt sich die EZG dem ökologischen Landbau verpflichtet und fördert ihn aktiv. Der wirtschaftliche Verein (w.V.) versteht sich als eine von Landwirten gesteuerte, bäuerliche Selbsthilfeeinrichtung im besten genossenschaftlichen Sinne. Dass die im Leitbild formulierten Wertevorstellungen wie soziale Verantwortung, Zukunftsfähigkeit oder Nachhaltigkeit nicht nur ein Lippenbekenntnis sind, erkennt man bereits beim ersten Kontakt mit den engagierten Mitarbeitern. Der Leiter der Saatgutabteilung, Folkert Höfer, ist bereits seit 2001 im Unternehmen und scheint die Philosophie der Firma verinnerlicht zu haben.

Das gleiche gilt für Hans-Hermann Moritz. Der gelernte Landwirt arbeitet seit 2004 bei Öko-Korn-Nord und ist als Betriebsleiter der Saatgutanlage in Uelzen ein unverzichtbarer Ansprechpartner und Ratgeber für die Biobauern der Region. Er spricht auch schon mal Klartext, wenn es kritische Nachfragen z.B. bei der Reinigung und Aufbereitung des angelieferten Rohstoffs wegen zu hoher Abgänge gibt. „Aus schlechten Qualitäten kann ich nicht Gold machen“, bringt es Moritz auf den Punkt.

Um die Effektivität der eigentlichen Saatgutaufbereitung zu erhöhen und die Qualitäten zu verbessern verfährt er nach der Devise, schon bei der Vorreinigung des angelieferten Saatgetreides „richtig Gas zu geben“, um z.B. unerwünschte Bestandteile wie Schmachtkorn oder Unkrautsamen frühzeitig auszusortieren. „Am Anfang darf man nicht feige sein“, weiß Moritz.

Saatgutexperten unter sich (v.l.n.r.):
Der Vermehrer und Biobauer Jürgen Cordes stimmt sich von der Planung bis zur Ernte seiner Vermehrungsvorhaben immer eng mit dem Leiter Saatgut bei der Öko-Korn-Nord, Folkert Höfer, bzw. mit Hans-Hermann Moritz, Lag

Foto: TextTour

Lagerleiter Hans-Hermann Moritz achtet im Aufbereitungsprozess streng darauf, dass das Saatgut sortenrein erfasst wird. Aus diesem Grund werden in Uelzen statt Trogkettenförderer nur Gummibänder zum waagerechten Transport verwendet.

Foto: TextTour

Risiken frühzeitig minimieren

Diese klare Ansprache kommt bei den Mitgliedern der EZG an. Beispiel Jürgen Cordes: Der Biobauer leitet in Mechtersen bei Lüneburg einen 140 ha großen Marktfruchtbetrieb, den er 2017 auf ökologische Wirtschaftsweise umgestellt hat. Er hat sich auf seinen leichten und nicht beregnungsfähigen Böden mit 18 bis 30 Bodenpunkten nahezu voll und ganz auf die Vermehrung von Getreide und Körnerleguminosen für Öko-Korn-Nord und von Grassamen und Buchweizen für die Deutsche Saatveredlung (DSV) konzentriert. Wichtig sind ihm auch andere Kulturen wie die Blaue Lupine, Sommerroggen oder Buchweizen, die mit wenig Wasser in der Vegetationszeit auskommen. „Die Qualität passt in der Regel dennoch“, bilanziert der 56-jährige Landwirt, der hauptsächlich Wintergerste, Winterweizen, Dinkel, Winterroggen und Ackerbohnen vermehrt.

Im Durchschnitt kommt Cordes auf Naturalerträge von 3,5 t/ha bei Saat-Getreide und 2 t/ha bei Saat-Lupinen. Damit ist er zufrieden, zumal er eine sehr hohe Anerkennungsquote von etwa 90 % aufweisen kann, wie der Biobauer bei einem Treffen bei Öko-Korn-Nord in Uelzen berichtet. Dieser Top-Wert fällt ihm aber nicht in den Schoß. Er scheut sich nicht, regelmäßig und mit wachem Auge durch seine Vermehrungsbestände zu gehen und unerwünschte oder artfremde Aufwüchse wie z.B. Flughafer frühzeitig zu eliminieren. „Das kostet Zeit, muss aber sein“, begründet Cordes seine Sorgfalt, denn ein Korn Flughafer gilt bereits als Aberkennungsgrund für eine Partie.

Und er nennt zwei weitere Gründe für seine hohe Anerkennungsquote: frühzeitiges Minimieren möglicher Aberkennungsrisiken und strenge Hygiene. So werden in der Ernte Mähdrescher und Transportfahrzeuge gründlich gereinigt, wenn sie von einem Schlag zum anderen wechseln. „Die Maschinen müssen absolut sauber sein, das klappt nur mit Druckluft und einem leistungsstarken Staubsauger“, sagt er. Den eigenen Mähdrescher stellt er auf dem Feld „nicht zu scharf“ ein. Cordes vertraut darauf, dass die Reinigung bei Öko-Korn-Nord schonender und effektiver arbeitet.

Der Gewichtsausleser ist Pflicht bei der Aufbereitung von Öko-Saatgut. Durch Einstellung der Hubgeschwindigkeit, der Luftmenge und/oder der Längs- und Querneigung des Tisches kann Hans-Hermann Moritz das Erntegut in die gewünschten Fraktionen trennen.

Foto: TextTour

Erster reiner Öko-Saatguterzeuger

Die über 100 Mitgliedsbetriebe spiegeln die ganze Bandbreite der Landwirtschaft wider. Die Vermehrungsflächen pro Betrieb und Jahr reichen von 7 ha bis über 100 ha. Öko-Korn-Nord war bundesweit von 2003 bis vor wenigen Jahren der einzige reine Öko-Saatguterzeuger, dem der VO-Status von den Züchtern übertragen wurde. Neben der Vermehrung generiert die EZG mit der Lagerung und dem Handel von Öko-Konsum- und Futtergetreide einen beträchtlichen Teil des Gesamtumsatzes. Auch der Abgang aus der Reinigung und Aufbereitung des Saatgutes – etwa 20 % der Gesamtmenge – wird laut Höfer als Futtergetreide bestmöglich vermarktet.

Mitgliedsbetriebe haben zudem eine Abnahme- und Lagergarantie bei gleichzeitiger Andienungspflicht. „Durch unsere aktive, marktgerechte Anbausteuerung haben unsere Kunden eine große betriebliche Sicherheit“, ergänzt Folkert Höfer, der neben seinem Fulltime-Job bei der EZG auch noch eine kleine Nebenerwerbslandwirtschaft in Ostwestfalen-Lippe betreibt und so den „direkten Draht zur Praxis“ hat.

Den Saatgutwechsel bei den Biobauern schätzt der Experte deutlich höher ein als bei der konventionellen Landwirtschaft, wo er aktuell rund 60 % beträgt. In diesem Zusammenhang stellt Höfer klar, dass für den Nachbau gewisse Spielregeln einzuhalten seien. Seinen Angaben zufolge zählt u.a. dazu, über die Nachbaugebühren dem Züchter einen fairen Anteil für seine Züchtungsarbeit zukommen zu lassen. Auch stünden Bio-Bauern in der Eigenverantwortung, das Saatgut reinigen und auf samenbürtige Krankheiten untersuchen zu lassen sowie die Bestände intensiv auf Fremdbesatz zu kontrollieren.

Jürgen Cordes ist kein großer Fan vom Nachbau. „Mein Saatgutwechsel liegt bei knapp 100 %, das stelle ich auch nicht in Frage“, ist der 56-jährige Landwirt überzeugt. Damit steht er stellvertretend für viele Ökobauern. Das Problem im Ökolandbau sei zum einen, wer die Reinigung durchführen darf – Stichwort Zertifizierung –, und zum anderen der notwendige höhere Reinigungsgrad. „Da im Biobereich chemische Herbizide verboten sind und zur Beikrautbekämpfung nur die Mechanik bleibt, müssen wir zwangsläufig mit einem höheren Unkrautsamenbesatz im Erntegut leben“, zeigt Cordes die Problematik auf. Diese unerwünschten Bestandteile müssten natürlich wieder herausgereinigt werden. Hans-Hermann Moritz formuliert die hohen Ansprüche an die Qualität von Öko-Z-Saatgut so: „Unser Ausgangsmaterial kann nicht so sauber sein wie konventionell erzeugtes Saatgut, das Endprodukt muss aber sauberer sein.“

Die Bioland-Landwirte Jürgen Cordes und sein Sohn Moritz aus Mechtersen sind mit Leib und Seele Vermehrer von Bio-Z-Saatgut. In diesem Jahr wird u.a. auch die Winterroggensorte Amilo – ein Populationsroggen – für die Öko-Korn-Nord vermehrt.

Foto: Meike Cordes

Eigenes Rabattsystem schafft Anreize

Um den Absatz des Premium-Saatguts anzukurbeln, setzt die Öko-Korn-Nord bei ihren Mitgliedsbetrieben finanzielle Anreize durch die Gewährung von attraktiven Rabatten. Betriebe, die bei der EZG Z-Saatgut für die Produktion von Konsumgetreide zukaufen, erhalten sogar eine zusätzliche Rückvergütung. „Damit unterstützen wir die eigene Saatgutvermehrung und verstärken den Anreiz bei den Ökobauern, bestes Z-Saatgut von uns zu kaufen und damit den Grundstein für die Erzeugung von hochwertigem Getreide zu legen“, erklärt Höfer.

Sehr wichtig ist für ihn die Vorgabe, gesundes Getreide abzuliefern. Kein leichtes Unterfangen, denn die Ökobauern dürfen keine Fungizide einsetzen, um Pilzbefall – z. B. Fusarium – und die Bildung von Mykotoxinen zu verhindern. Da ein Befall auf dem Feld nicht mehr zu kontrollieren sei, komme es gerade im Ökolandbau darauf an, nur gesundes, geprüftes und zertifiziertes Saatgut einzusetzen, das garantiert nicht mit Erregern kontaminiert ist. Das sei insofern wichtig, da auch chemische Beizen im Ökolandbau tabu sind. Um diese Vorgabe abzusichern, werden Proben vom angelieferten Getreidesaatgut in Fremdlaboren auf Befall mit samenbürtigen Krankheitserregern wie z.B. Gerstenflugbrand oder Steinbrand untersucht. „Wenn einzelne Partien die geforderte Norm nicht einhalten, werden sie nicht als Saatgut vermarktet“, versichert Höfer.
Um solche Szenarien von vornherein zu verhindern, erfolgt in Absprache mit den Bauern bereits eine sorgfältige Flächenauswahl für die Vermehrungsvorhaben. Gleichwohl müssen die Züchter zusichern, dass das ungebeizte Basissaatgut untersucht wurde und die Grenzwerte einhält. In diesem Zusammenhang wies Höfer darauf hin, dass die Öko-Getreidezüchter es selbst in der Hand hätten, solche Risiken zu begrenzen. Sie würden sich deshalb intensiv mit der genetischen Resistenz gegen samenbürtige Krankheitserreger beschäftigen, so der Experte. Bei der EZG würden anfälligere Sorten konsequent vom Anbau ausgeschlossen.

Die Öko-Korn-Nord ist ein zertifizierter Aufbereiter. 80 % der über 100 Mitglieder der EZG gehören dem Bioland-Verband an.

Foto: TextTour

Kunden stellen hohe Ansprüche

Höfer stellte klar, dass im Ökolandbau die gleichen Normen für die Saatenanerkennung gelten wie im konventionellen Anbau: „Wir haben zwar in der Tendenz einen höheren Besatz z.B. an Samen anderer Pflanzen- oder Getreidearten, aber bei der Anerkennung kriegen wir keine Extrawurst.“ Im Gegenteil, die Kunden von Öko-Korn-Nord erwarten seiner Erfahrung nach eine höhere Qualität als es die Norm vorschreibt. „Schon wenige Wickensamen führen im Ökolandbau zu unkontrollierbarer Vermehrung“, weiß Höfer.

Etliche Kunden bestehen sogar darauf, nicht nur Öko-Saatgut bei der EZG einzukaufen, sondern Saatgut zu verwenden, was auch dort aufbereitet worden ist“, präzisiert der Leiter Saatgut. Das klappe in der Regel auch, denn von dem gesamten verkauften Getreide-Z-Saatgut werden in Uelzen rund 80 % selbst aufbereitet. Der Rest ist Zukauf von bereits anerkanntem Saatgut. „Das Urteil der Kunden stufen wir wie einen Ritterschlag ein“, merkt Höfer stolz an.

Das Vertrauen der Kunden hat auch noch einen anderen Grund. So legt die Öko-Korn-Nord nach Aussage von Hans-Hermann Moritz großen Wert auf eine starke, aber sehr schonende, mehrstufige Reinigung des Saatguts mit Entgranner, Siebreiniger, Trieur und Gewichtsausleser. Auch der Transport des Getreides von der Annahme bis zur Zelle ist darauf ausgerichtet, das einzelne Korn nicht zu verletzen. Statt der üblichen Elevatoren kommen in Uelzen Pendelbecherwerke zum Einsatz. Dadurch kann der Verlust an Keimfähigkeit – insbesondere bei den sensiblen Körnerleguminosen – deutlich gesenkt werden.

Und statt der üblichen Trogkettenförderer werden zum waagerechten Transport bewusst nur Gummibänder eingesetzt, die die gereinigte Ware z.B. in die Zellen verfrachten. „Die lassen sich bei einem Artenwechsel viel besser reinigen als Trogkettenförderer und garantieren eine 100 %ige Reinheit der Partie“, begründet der Lagerleiter die Entscheidung.

Wenn es doch mal zu Reklamationen kommt, sei die Öko-Korn-Nord jederzeit in der Lage, die Ursache durch eine Durchsicht der Rückstellmuster nachzuverfolgen und aufzuklären. „Wir ziehen von der Anlieferung bis zur Aufbereitung mehrere Proben. Das gibt uns die nötige Sicherheit, alle Fragen zu beantworten“, meint der 56-Jährige.

Vermehrung muss sich lohnen

Die Mitgliedsbetriebe schätzen diese hohe Qualität. Doch rechnen muss sich der höhere Aufwand auch für die Ökobauern. Die Saatgutvermehrer erhalten von Öko-Korn-Nord nach der Ablieferung einen Grundpreis, der sich in seiner Höhe an den aktuellen Marktpreisen orientiert. Konventionelle Vermehrer erhalten laut Höfer üblicherweise einen Aufschlag von 2,00 bis 2,50 €/dt. Öko-Korn-Nord zahle dagegen einen attraktiven Vermehrungsaufschlag, der deutlich über diesem Wert liege. Dies sei auch vertretbar, weil im Ökolandbau aufgrund des Verzichts auf mineralischen Stickstoff im Mittel nicht 70 bis 80 dt/ha, sondern nur 35 bis 40 dt/ha geerntet würden. Zusätzlich gebe es noch einen qualitätsabhängigen Zu- oder Abschlag.

Höhere Kosten entstehen auch durch die im Vergleich zu Z-Saatgut höheren Einkaufspreise für Basissaatgut. Weiterhin werden die Aussaatmengen im Biosegment im Vergleich zum konventionellen Landbau um etwa 10 % erhöht, was die Kosten weiter nach oben treibt. Diese Positionen sollen laut Höfer bei Öko-Korn-Nord mit einem Vermehrungsaufschlag ausgeglichen werden. „Wir möchten, dass die Landwirte trotz des höheren Aufwandes dabeibleiben und dass sich die Vermehrung für alle lohnt“, sagt er. Klar sei aber, dass der preisliche Aufschlag nur bei erfolgreicher Anerkennung gezahlt werde. „Das Anerkennungsrisiko liegt daher beim Landwirt, das anschließende Vermarktungsrisiko bei der Öko-Korn-Nord“, ordnet Höfer die Chancen und Risiken beiden Parteien zu.

TextTour

Saatgut aus dem Norden

Fachartikel

Saatgut aus dem Norden

Ein Betriebsporträt der BIOTOPP 4/21

Astrid und Jörg Hansen bewirtschaften ihren rund 280 Hektar großen Hof dort, wo andere Urlaub machen: nahe Grömitz, unweit der Ostseeküste. Sie ackern schon lange viehlos und sind auf die Erzeugung von Saatgut spezialisiert.

Astrids Vater stellte den Hof 1989 auf die ökologische Landwirtschaft um. Er war Rechtsanwalt und hatte einen Betriebsleiter angestellt, lenkte die Geschicke des Hofes aber stets. Seine Kinder lernten die Landwirtschaft kennen, was bei der ältesten Tochter Astrid zum Studium der Ökologischen Agrarwissenschaften in Witzenhausen führte, wo sie ihren Mann Jörg kennenlernte.

Die beiden übernahmen den Hof 2004 und bauten den schon bestehenden Betriebszweig der Saatguterzeugung weiter aus. Mitte der 90er-Jahre entwickelte Astrids Vater diese Idee der Spezialisierung, vor allem weil es beim Winterweizen aufgrund der langsamen Erwärmung der Böden schwierig war, Backqualitäten zu erzeugen, aber auch, um ganzjährig Arbeit für die Angestellten zu haben. Er baute ein Getreidelager und erwarb Maschinen zum Reinigen des Saatguts von einem Betrieb, der die Aufbereitung von Getreide zu dieser Zeit einstellte. Seither ist die Aufbereitungsanlage ständig erweitert und verbessert worden. Sie ist Jörg Hansens Reich. Der technikaffine Landwirt tüftelt ständig an ihrer Optimierung. Aus damals vier bis fünf vermehrten Sorten sind inzwischen 15 bis 20 geworden: darunter beispielsweise Winter- und Sommerweizen zur Back- und Futternutzung, Hafer, Winter- und Sommergerste, Winterroggen, Winter- und Sommertriticale, Dinkel, Ackerbohne und Rotklee.

Astrid und Jörg Hansen haben ihren Betrieb voll auf die Saatguterzeugung ausgerichtet.

Foto: Hella Hansen

Win-win in der Vermarktung

Bis vor drei Jahren vermarktete das Ehepaar das Saatgut selbst, seit 2018 läuft das über die Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG. „Unsere Kernkompetenz ist die Landwirtschaft und zu der bin ich durch die Zusammenarbeit ein Stück zurückgekehrt“, sagt Astrid Hansen und ergänzt: „Es tut gut, in einem Team mit vielen Möglichkeiten zu arbeiten. Um Marketing, Logistik und Rechnungsstellung kümmert sich jetzt vor allem die Marktgesellschaft. Meine Kunden betreue ich nun mit größerem Angebot weiter.“ Eine Win-win-Situation: Denn die Marktgesellschaft ist im Süden ansässig, hat den Hof Hansen quasi als neuen Standort im Norden. Auch weil mit der Marktgesellschaft der Bereich der potenziellen Abnehmer noch mal stark gewachsen ist, sind die Hansens zufrieden mit diesem Schritt.

Ackerbaulich ist auf dem Hof auch alles auf die Saatguterzeugung ausgerichtet. „Wir müssen die Bestände sauber halten, um die Feldanerkennung zu bekommen“, sagt Astrid Hansen. Die Vorgabe: kein Durchwuchs aus dem Vorjahr und wenig Beikräuter. Das schaffen sie mit ackerbaulichen Maßnahmen wie beispielsweise dem zweijährigen Anbau von Kleegras. „Nach der Ernte bearbeiten wir die Stoppelfelder flach und ganzflächig schneidend gegen Distel, Ampfer und Quecke“, erklärt Jörg Hansen weitere Maßnahmen. „Damit kein Ausfallgetreide in der folgenden Kultur mit aufwächst, werden die meisten Flächen gepflügt. Bei der Feldhygiene müssen wir sehr konsequent sein. Unser Ziel ist die Etablierung von wachstumskräftigen, dichten Beständen, sodass keine weiteren Pflegemaßnahmen nach der Aussaat nötig sind“, so Hansen weiter.

Die hohen Anforderungen an die Saatgutqualität machen eine konsequente Sorgfalt vom Acker über die Ernte und das Lager bis zur Reinigung notwendig, um Verunreinigungen und Beschädigungen des Getreides zu vermeiden. Zum Beispiel müssen die Hansens als Saatguterzeuger einen Mindestabstand zum Nebenfeld einhalten. Bei Ackerbohnen sind es 50 Meter; bei Roggen, der ein Fremdbestäuber ist, sogar 500. Eine gute Dokumentation und die Untersuchung auf samenbürtige Krankheiten ist unerlässlich. Sämaschine, Mähdrescher, Anhänger, Läger: Alles wird nach einem Wechsel zu einer anderen Sorte penibel gereinigt, damit es nicht zu Verunreinigungen kommt. In kleinem Umfang reinigen die Hansens Backgetreide und schälen Dinkel, auch als Dienstleistung für Nachbarbetriebe. Nicht als Saatgut anerkannte oder abgesetzte Partien werden als Speise- oder Futtergetreide vermarktet und das Kleinkorn aus der Saatgutaufbereitung geht zur Verfütterung an benachbarte Tierhalter.

Der Klimaveränderung begegnen

Das Ehepaar spürt auch an der Ostseeküste die Klimaveränderung durch längere Hitze- oder Regenperioden und seltenere Frosttage und sie machen sich viele Gedanken, wie sie damit umgehen.

„Wir müssen flexibler reagieren und viel genauer gucken als früher, welche Bearbeitung passt“, sagt Astrid Hansen. Da kommen viele Fragen auf: „Wie tief wollen wir arbeiten? Müssen wir pflügen oder geht es ohne? Wenn wir nicht pflügen – mit welchen Maßnahmen bekommen wir dann gute Bestände?“ Das Ehepaar will in Zukunft versuchen, den Pflug möglichst wenig einzusetzen. Eine Winterfurche machen sie schon lange nicht mehr und säen Untersaaten und Zwischenfrüchte, um den Boden lange zu begrünen und gut zu durchwurzeln.

„Wenn Pflügen nötig ist, machen wir das bei Sommerungen nur noch im Frühjahr direkt vor der Aussaat“, erklärt Astrid Hansen. „Wir haben uns geschworen, nie wieder auf einen nassen Acker zu fahren“, ergänzt sie. „Jeder faule Kompromiss rächt sich, ggf. noch über Jahre.“ Auf manchen Flächen experimentieren die Hansens auch mit pflugloser Bearbeitung: Dann grubbern sie zum Umbruch von Kleegras und vor der Aussaat der Ackerbohnen flach und ganzflächig schneidend. Vor der jeweils darauf folgenden Saat lockern sie die festen Böden nochmals tiefer und mischend. Der Zinkenstriegel ist für sie keine Alternative in der Beikrautregulierung. Auf den relativ schweren Böden ist das Zeitfenster zum Striegeln kurz und das Wintergetreide ist durch die von Niederschlägen verkrustete Oberfläche kaum striegelfähig.

Betriebsspiegel

Betrieb Hof Hansen in 23730 Bentfeld
(bei Grömitz)

Betriebsleiter:
Astrid und Jörg Hansen

Betriebsgröße:
280 ha Ackerfläche
6 ha Grünland
6 ha Landschaftselemente, verteilt auf drei Standorte in Bentfeld, Großenbrode und Fehmarn

Höhenlage:
0–40 m

Böden/Bodenpunkte:
zwischen 55 und 80; östliches Hügelland, sandiger Lehm bis toniger Lehm

Niederschläge Ø:
630 mm mit meist feuchten Wintern und Frühsommertrockenheit

Arbeitskräfte:
1 fester Mitarbeitender
1 Erntehelfender
1 Auszubildender

Anbau:
6-gliedrige Fruchtfolge
2-jähriges Kleegras
Winter- oder Sommerweizen
Wintergerste oder
Dinkel mit anschließender Zwischenfrucht
Ackerbohnen oder
Hafer mit Untersaat
Triticale
Roggen
Sommergerste

Tierhaltung:
3 Muttersauen mit Nachzucht
Futter: viehloser Ackerbau
Futter-Mist-Kooperation mit Nachbarbetrieb

Vermarktung:
Saatgut und aberkannte oder nicht abgesetzte Saatgutpartien über Marktgesellschaft der Naturland Bauern AG
Kleinkorn an benachbarte Betriebe

Versuch macht klug

So passen die Hansens die Bearbeitung und Fruchtfolge auf den einzelnen Feldern immer wieder an den Mix der herrschenden Bedingungen an. Kein Wunder, dass das Ehepaar gleich in zwei  Demonstrationsnetzwerken mitarbeitet. Im Demonstrationsnetzwerk Erbse/Bohne, in dem es um Körnerleguminosen geht, und im Demonet-KleeLuzPlus, in dem kleinkörnige Leguminosen im Mittelpunkt stehen. Beide Netzwerke wollen Anbau und Verwertung von heimischen Eiweißträgern fördern und erweitern.

„Wir machen gerne in solchen Netzwerken mit, um unsere Beobachtungen zu teilen und Wissen zu erweitern.“

Der Hof Hansen ist Demobetrieb von zwei  Demonstrationsnetzwerken

„Durch die Demonstrationsparzellen, die wir anlegen, werden wir immer ein Stück schlauer. In diesem Jahr waren es beispielsweise Sortendemonstrationen, Saatstärken- und Untersaatvarianten in Ackerbohnen und verschiedene Kräutermischungen im Kleegras. Wir bekommen Unterstützung bei der Anlage und Auswertung der Praxisversuche, die forschenden Mitarbeitenden aus den Projekten können die bei uns erhobenen Daten auswerten: ein Gewinn für beide“, erläutert Jörg Hansen.

Drei Standorte managen

Eine Besonderheit beim Hof Hansen sind drei verschiedene Standorte, für die das Ehepaar mitdenken muss. Um die Hofstelle in Bentfeld herum bewirtschaften sie 165 Hektar, in Großenbrode vor Fehmarn 35 Hektar und auf der Insel Fehmarn 80 Hektar. Standort Nummer drei auf Fehmarn kam 2012 hinzu. Mitte Juli bekamen die beiden die Bewirtschaftung von 80 Hektar angeboten, biologisch bewirtschaftet, da der Vorpächter kurzfristig aufhören wollte. Nach nur zwei Wochen war alles durchkalkuliert, der Vertrag unterschrieben.

„Das war eine aufregende Zeit“, erinnert sich Astrid Hansen – und bot eine große Chance. Die Entscheidung musste schnell fallen, damit die Biozertifizierung nicht verloren geht. Fehmarn ist 50 Kilometer von der Hofstelle an der Lübecker Bucht entfernt. „Wir müssen nicht nur die Bestände hier und dort im Auge behalten, sondern auch den ganzen Maschinenpark so planen, dass wir ihn für beide Standorte nutzen können“, erklärt Jörg Hansen. Immerhin hatten sie schon die Erfahrung, dass es mit einem weiteren Standort klappen kann durch die Flächen in Großenbrode, die seit 2002 zum Hof gehören. „Wir betrachten jedes Feld individuell und trotzdem muss das Ganze zusammenkommen und einen sinnvollen Ablauf ergeben“, sagt Astrid Hansen und ergänzt: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht mehr Zeit auf der Straße verbringen als auf dem Acker.“ Dennoch haben die verschiedenen Standorte auch Vorteile: Es gibt in Bentfeld feuchte Senken, Kuppen, die sehr tonig sind, auf Fehmarn sehr ebene, arrondierte Flächen, allerdings mit hohem Fuchsschwanzdruck. So hat alles seine Vorteile, aber auch Schwierigkeiten.

Wissen teilen und vermehren. Das gefällt dem Ehepaar.

Foto: Hella Hansen

Kleegras gegen Mist

Als reiner Ackerbaubetrieb mulchten Astrid und Jörg Hansen ihr Kleegras bis 2014, das sie zu circa einem Drittel auf ihrer Ackerfläche anbauen. Um den Stickstoff aus den Feinleguminosen noch effizienter zu nutzen, haben die beiden eine Kooperation mit einem benachbarten konventionellen Milchviehbetrieb vereinbart, der von ihnen Futter bekommt, die Hansens Mist vom Jungvieh.

Gerne hätte das Ehepaar mit dem nächsten Biobetrieb zusammengearbeitet. Aber der ist mit zwölf Kilometern für Transporte weit entfernt und hatte keinen Bedarf an zusätzlichem Futter. Die Zusammenarbeit mit dem Nachbarbetrieb funktioniert hervorragend und führte dazu, dass dieser den hohen Futterwert des Kleegrases kennenlernte.

Lange Saison

Nach der Ernte geht die Arbeit auf dem Hof Hansen noch bis März in der Saatgutaufbereitung weiter. Sie haben eine eigene Durchlauftrocknung, Lager in Flachsilos und Trichterzellen und eine Saatgutreinigung mit Siebkasten, Trieuren und Taumelsieb. Dann geht das Saatgut auf die Reise zu den Kunden. Einige holen es sogar selbst ab und halten noch einen kurzen Schnack. Der Kreislauf auf dem Hof Hansen beginnt mit der eigenen Aussaat wieder von Neuem: mit immer neuen Ideen von dem betriebsleitenden Ehepaar, wie sie ihre Wirtschaftsweise am besten an Klima, Boden und Vermarktung anpassen.

Hella Hansen
FiBL Deutschland

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