Pflanzenzüchtung für leistungsstarke und zukunftsfähige Getreidesorten
Die moderne Pflanzenzüchtung bildet die Grundlage für eine nachhaltige und leistungsfähige Landwirtschaft. Durch gezielte Kreuzungen, umfangreiche Feldprüfungen und moderne Züchtungsmethoden entstehen Getreidesorten mit höheren Erträgen, verbesserter Krankheitsresistenz und optimalen Qualitätseigenschaften. So können Landwirte auf die Herausforderungen des Klimawandels, steigende Qualitätsanforderungen und einen effizienteren Ressourceneinsatz reagieren.
Der Weg zur neuen Getreidesorte
Von der Kreuzung bis zur Sortenzulassung
Die Entwicklung einer neuen Getreidesorte ist ein langfristiger und aufwändiger Prozess. Ziel jeder Züchtung ist es, Sorten gezielt zu verbessern und einen messbaren Fortschritt für Landwirtschaft und Verarbeitung zu erreichen.
Dafür werden zunächst geeignete Elternlinien ausgewählt und miteinander gekreuzt. Anschließend prüfen Züchter über viele Jahre hinweg Tausende Einzelpflanzen auf Ertrag, Gesundheit, Qualität und Anbaueigenschaften. Nur wenige Kandidaten erfüllen am Ende die hohen Anforderungen an eine neue Sorte.
Von der ersten Kreuzung bis zur offiziellen Zulassung vergehen in der Regel zehn bis fünfzehn Jahre. Die umfangreichen Prüfungen stellen sicher, dass nur leistungsfähige, stabile und wirtschaftlich attraktive Sorten den Markt erreichen.
Die Entwicklung neuer Sorten ist mit einem erheblichen personellen, wissenschaftlichen und finanziellen Aufwand verbunden. Der Sortenschutz schafft die Grundlage dafür, diese Investitionen langfristig zu sichern. Er schützt das geistige Eigentum der Züchter und ermöglicht über Lizenzgebühren die Finanzierung weiterer Forschungs- und Züchtungsprogramme.
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Züchtungsziele moderner Getreidezüchtung
Welche Eigenschaften sollen neue Sorten besitzen?
Die Anforderungen an moderne Getreidesorten wachsen stetig. Neben hohen und stabilen Erträgen spielen heute Faktoren wie Krankheitsresistenzen, Klimaresilienz, Ressourceneffizienz und Qualitätseigenschaften eine immer größere Rolle. Ziel der Pflanzenzüchtung ist es, Sorten zu entwickeln, die den vielfältigen Ansprüchen von Landwirtschaft, Verarbeitung und Markt gleichermaßen gerecht werden.
Im Mittelpunkt der Züchtungsarbeit stehen unter anderem folgende Ziele:
- höhere und stabilere Erträge
- verbesserte Resistenz gegen Pilz-, Bakterien- und Viruskrankheiten
- mehr Toleranz gegenüber Trockenheit, Hitze und Feuchtigkeit
- verbesserte Winterhärte und Standfestigkeit
- effizientere Nährstoffaufnahme
- Anpassung an unterschiedliche Standorte und Bodenverhältnisse
- optimierte Qualitätsmerkmale für Mühlen, Malzereien und Lebensmittelindustrie
Um diese vielfältigen Züchtungsziele zu erreichen, kommen bewährte und moderne Züchtungsverfahren zum Einsatz. Dazu gehören klassische Kreuzungs- und Selektionsmethoden ebenso wie Hybridzüchtungen sowie molekulare und biotechnologische Verfahren. Jede Methode verfolgt das Ziel, leistungsfähige, widerstandsfähige und qualitativ hochwertige Getreidesorten für die Landwirtschaft von heute und morgen bereitzustellen.
Die Züchtung einer neuen Getreidesorte dauert 12 – 15 Jahre und kostet bis zu 5 Mio. €.
Ertragsleistung – Höhere Erträge nachhaltig sichern
Eine der wichtigsten Aufgaben der modernen Pflanzenzüchtung ist die kontinuierliche Verbesserung der Ertragsleistung. Dabei geht es nicht nur um möglichst hohe Erträge, sondern vor allem um stabile Erträge unter unterschiedlichen Anbaubedingungen. Wetterextreme, Krankheiten und sich verändernde klimatische Bedingungen stellen die Landwirtschaft zunehmend vor Herausforderungen. Leistungsfähige Getreidesorten helfen dabei, Ertragspotenziale zuverlässig auszuschöpfen und Ernteausfälle zu minimieren.
Der züchterische Fortschritt hat in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich dazu beigetragen, dass die Erträge im Getreideanbau kontinuierlich gesteigert werden konnten. Heute ist die Entwicklung neuer Sorten einer der wichtigsten Faktoren für die langfristige Sicherung der landwirtschaftlichen Produktivität. Jede neue Generation von Sorten vereint verbesserte Ertragseigenschaften mit einer höheren Widerstandsfähigkeit und einer besseren Anpassung an unterschiedliche Standort- und Witterungsbedingungen.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen an eine nachhaltige Landwirtschaft. Der Einsatz von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln wird zunehmend gezielt und ressourcenschonend gestaltet. Moderne Getreidesorten leisten hierzu einen wichtigen Beitrag, indem sie vorhandene Nährstoffe effizient nutzen und ihr Ertragspotenzial auch unter anspruchsvollen Bedingungen bestmöglich ausschöpfen.
Die Pflanzenzüchtung denkt dabei weit über die nächste Ernte hinaus. Ziel ist es, Sorten zu entwickeln, die auch zukünftigen Herausforderungen wie dem Klimawandel, veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen und steigenden Qualitätsanforderungen gerecht werden. So entstehen leistungsfähige Getreidesorten, die Ertrag, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit miteinander verbinden.
Resistenzzüchtung – Gesunde Pflanzen mit weniger Pflanzenschutz
Vorteile der Resistenzzüchtung auf einen Blick
- Höhere Ertragssicherheit
- Weniger Krankheitsbefall
- Reduzierter
- Pflanzenschutzmitteleinsatz
- Geringere Betriebskosten
- Weniger Überfahrten im Feld
- Ressourcenschonender Anbau
- Stärkere Anpassung an den Klimawandel
Die Resistenzzüchtung ist ein zentraler Bestandteil der modernen Pflanzenzüchtung. Ihr Ziel besteht darin, Getreidesorten zu entwickeln, die gegenüber wichtigen Krankheiten und Schaderregern eine hohe natürliche Widerstandskraft oder Toleranz aufweisen. Dadurch bleiben die Pflanzen gesund, stabil und können ihr Ertrags- und Qualitätspotenzial auch unter anspruchsvollen Anbaubedingungen besser ausschöpfen.
Von diesem züchterischen Fortschritt profitieren landwirtschaftliche Betriebe in vielerlei Hinsicht. Robuste Sorten tragen dazu bei, den Einsatz von Fungiziden zu reduzieren und den Aufwand für zusätzliche Überfahrten im Feld zu verringern. Das spart Zeit, Betriebsmittel und Kosten und unterstützt gleichzeitig einen ressourcenschonenden Pflanzenbau.
Ein wichtiger Vorteil ist zudem die höhere Ertragssicherheit. Widerstandsfähige Bestände reagieren robuster auf wechselnde Witterungsbedingungen und können Ertragseinbußen durch Krankheiten deutlich begrenzen. Gerade vor dem Hintergrund des Klimawandels und zunehmender Wetterextreme gewinnt dieser Aspekt zunehmend an Bedeutung.
Durch kontinuierliche Züchtungsarbeit konnten in den vergangenen Jahrzehnten erhebliche Fortschritte erzielt werden. So wurde die Anfälligkeit vieler Winterweizensorten gegenüber bedeutenden Pilzkrankheiten wie Mehltau, Braunrost oder Blattseptoria deutlich reduziert. Gleichzeitig arbeiten Pflanzenzüchter fortlaufend daran, neue Resistenzen zu identifizieren und in moderne Sorten einzukreuzen, um auch zukünftigen Herausforderungen im Pflanzenbau wirksam begegnen zu können.
Die Resistenzzüchtung leistet damit einen wichtigen Beitrag zu einer wirtschaftlichen, nachhaltigen und zukunftsfähigen Landwirtschaft. Sie stärkt die Pflanzengesundheit, reduziert den Ressourcenverbrauch und unterstützt Landwirtinnen und Landwirte bei einer sicheren und erfolgreichen Getreideproduktion.
Qualitätseigenschaften – Züchtung für höchste Ansprüche
Moderne Pflanzenzüchtung verfolgt nicht nur das Ziel, Erträge zu steigern und Pflanzen widerstandsfähiger zu machen. Ebenso wichtig ist die kontinuierliche Verbesserung der Qualitätseigenschaften. Denn unterschiedliche Verwendungszwecke stellen unterschiedliche Anforderungen an das Getreide – von der Lebensmittelherstellung über die Futtermittelproduktion bis hin zur industriellen Verarbeitung.
Durch gezielte Züchtungsarbeit ist es gelungen, hohe Ertragsleistungen mit hervorragenden Qualitätseigenschaften zu kombinieren. Moderne Getreidesorten überzeugen nicht nur durch ihre Leistungsfähigkeit auf dem Feld, sondern auch durch ihre zuverlässigen Eigenschaften bei der Verarbeitung und Vermarktung.
Zu den wichtigsten Qualitätszielen gehören:
- Hohe Erträge bei gleichbleibend hoher Qualität: Moderne Sorten verbinden wirtschaftliche Leistungsfähigkeit mit konstanten Qualitätseigenschaften.
- Optimierte Verarbeitungseigenschaften: Je nach Verwendungsrichtung werden Sorten gezielt auf die Anforderungen von Mühlen, Mälzereien, Futtermittelherstellern oder der Lebensmittelindustrie abgestimmt. Dazu zählen beispielsweise Backqualität, Malzqualität oder Futterwert.
- Marktgerechte Inhaltsstoffe: Eigenschaften wie Protein- und Stärkegehalt, Hektolitergewicht oder weitere qualitätsrelevante Merkmale werden kontinuierlich verbessert, um den Anforderungen des Marktes gerecht zu werden.
- Hohe Produktsicherheit und gleichbleibende Qualität: Einheitliche Sorteneigenschaften erleichtern die Verarbeitung und tragen dazu bei, den hohen Qualitätsansprüchen von Handel, Verarbeitungsbetrieben und Verbraucherinnen und Verbrauchern gerecht zu werden.
Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Qualitätseigenschaften sorgt dafür, dass moderne Getreidesorten entlang der gesamten Wertschöpfungskette überzeugen – vom landwirtschaftlichen Betrieb über die Verarbeitung bis hin zum fertigen Lebensmittel.
Sortenprüfung und Sortenzulassung – Der Weg zur zugelassenen Getreidesorte
Anforderungen:
Unterscheidbarkeit
Die neue Sorte muss sich in mindestens einem relevanten Merkmal eindeutig von allen bereits bekannten Sorten unterscheiden.
Homogenität
Die Pflanzen einer Sorte müssen in ihren wesentlichen Eigenschaften ausreichend einheitlich sein.
Beständigkeit
Die charakteristischen Merkmale einer Sorte müssen auch nach wiederholter Vermehrung erhalten bleiben.
Bevor eine neu gezüchtete Getreidesorte vermarktet werden darf, durchläuft sie ein umfangreiches gesetzlich geregeltes Prüfungs- und Zulassungsverfahren. Ziel ist es, sicherzustellen, dass nur leistungsstarke, praxistaugliche und qualitativ hochwertige Sorten in den landwirtschaftlichen Anbau gelangen.
Die Prüfung neuer Sorten erfolgt durch das Bundessortenamt. Im Rahmen der Registerprüfung wird untersucht, ob die Sorte die Anforderungen an Unterscheidbarkeit, Homogenität und Beständigkeit erfüllt.
Zusätzlich wird in der Wertprüfung untersucht, welchen landeskulturellen Wert die Sorte besitzt. Dabei wird geprüft, ob sie gegenüber bereits zugelassenen Sorten einen nachweisbaren Fortschritt bietet – beispielsweise durch höhere Erträge, verbesserte Krankheitsresistenzen, bessere Qualitätseigenschaften oder eine höhere Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Standortbedingungen.
Erfüllt die Sorte alle gesetzlichen Anforderungen, wird sie zugelassen und in das Sortenverzeichnis eingetragen. Erst anschließend darf das Saatgut offiziell vermarktet werden.
Ergänzend bewerten die Bundesländer in den Landessortenversuchen die Leistung neuer Sorten unter regionalen Anbaubedingungen. Untersucht werden unter anderem Ertrag, Qualität, Krankheitsanfälligkeit sowie Empfehlungen für Düngung und Pflanzenschutz. Die Ergebnisse unterstützen landwirtschaftliche Betriebe bei der Auswahl geeigneter Sorten für ihre Standorte.
Das mehrstufige Prüfungsverfahren schafft Transparenz und gewährleistet, dass nur sorgfältig geprüfte Sorten in die Praxis gelangen. Es bildet die Grundlage für eine leistungsfähige, nachhaltige und zukunftsorientierte Getreideproduktion.
Erhaltungszüchtung – Sortenechtheit und Saatgutqualität langfristig sichern
Mit der Sortenzulassung endet die Arbeit der Pflanzenzüchtung nicht. Damit eine Getreidesorte ihre charakteristischen Eigenschaften dauerhaft bewahrt, ist eine kontinuierliche Erhaltungszüchtung erforderlich. Sie sorgt dafür, dass die genetische Identität, Leistungsfähigkeit und Qualität einer Sorte auch über viele Vermehrungsgenerationen hinweg erhalten bleiben.
Im Rahmen der Erhaltungszüchtung werden Vermehrungsbestände regelmäßig kontrolliert und nach strengen züchterischen Kriterien selektiert. Pflanzen, die von den sortentypischen Merkmalen abweichen, werden konsequent ausgesondert. Auf diese Weise bleiben wichtige Eigenschaften wie Ertrag, Qualität, Krankheitsresistenz, Standfestigkeit und weitere agronomische Merkmale erhalten.
Die Erhaltungszüchtung bildet zugleich die Grundlage für die Produktion von Vorstufen-, Basis- und zertifiziertem Saatgut. Durch eine lückenlose Qualitätskontrolle und sorgfältige Vermehrung wird sichergestellt, dass Landwirtinnen und Landwirte Saatgut erhalten, das den Eigenschaften der zugelassenen Sorte zuverlässig entspricht.
Damit leistet die Erhaltungszüchtung einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Sortenechtheit, zur Qualitätssicherung im Saatgutwesen und zu einer zuverlässigen, leistungsfähigen Pflanzenproduktion.


