Züchtung

Die moderne Pflanzenzüchtung entwickelt neue, leistungsstarke Sorten, die in sich verbesserte Ertragsleistungen, gezielte Resistenzen oder Qualitäts- und Verarbeitungseigenschaften vereinen und den individuellen Ansprüchen der Landwirtschaft gerecht werden können.

Der Weg zu einer neuen Sorte

Der Weg zu einer neuen Sorte ist langwierig. Das Ziel ist dabei klar definiert: Gegenüber dem bisherigen Sortenniveau soll ein Fortschritt erreicht werden. Tausende von Einzelpflanzen werden über mehrere Generationen ausgelesen. Von der ersten Kreuzung bis zum Eintrag in der Sortenliste vergehen meist zehn bis fünfzehn Jahre. Mit diesem aufwändigen Prozess ist zwar ein hohes wirtschaftliches Risiko verbunden, doch nur durch einen umfassenden Sortenschutz kann die zeit- und kostenintensive Züchtungsarbeit refinanziert werden. Der Schutz geistigen Eigentums und die Lizenzgebühren gewährleisten, dass weiterhin neue Sorten gezüchtet und leistungsfähiges Z-Saatgut bereitgestellt werden können.

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Züchtungsziele

Welche Züchtungsziele gibt es?

Getreidezüchtung ist heute Spitzentechnologie, die durch Forschung und Entwicklung in der Lage ist, innovative Getreidesorten mit optimierten Eigenschaften zu züchten. Hierzu gehören:

  • jährliche Ertragszuwächse von bis zu einem Prozent bei gleichzeitig erhöhter Ertragssicherheit,
  • verbesserte Widerstandsfähigkeit gegen Pilz-, Bakterien- und Viruskrankheiten,
  • höhere Toleranzen gegen abiotische Stressfaktoren wie Frühsommertrockenheit, Hitze- oder Feuchtestress,
  • verbesserte agronomische Eigenschaften (Winterhärte, Standfestigkeit, Auswuchsfestigkeit, Reife),
  • gesteigertes Nährstoffaneignungsvermögen für gezielteren Einsatz von Düngemitteln,
  • Anpassung an spezifische Bodenbedingungen (Bodenart, Bodengefüge, Bodenfeuchte).

Um diese Züchtungsziele zu erreichen, kommen unterschiedliche Methoden zur Anwendung: von den klassischen Kreuzungs- und Kombinationsverfahren bis zu Hybridzüchtungen und modernen Methoden der Biotechnologie.

Ertragsleistung

Warum heute schon an übermorgen denken?

Zwischen 1970 und 2000 hat sich der durchschnittliche Weizenertrag in Deutschland von knapp 40 dt/ha auf über 80 dt/ha verdoppelt und liegt damit um ein vielfaches höher als in Ländern wie etwa Kanada, Australien oder den USA. Mehr als die Hälfte der jährlichen Ertragssteigerung ist heute direkt auf den züchterischen Fortschritt zurückzuführen. Durch eine immer stärkere Regulierung des Dünge- und chemischen Pflanzenschutzmitteleinsatzes wird dieser Anteil zukünftig sogar noch steigen.

Resistenzzüchtung

Dank der Resistenzzüchtung und der Ausbildung von Toleranzen profitieren Getreide anbauende Landwirte direkt vom züchterischen Fortschritt neuer Sorten. So konnte der Einsatz von Fungiziden in den letzten Jahrzehnten deutlich reduziert und der Arbeitsaufwand für zusätzliche Überfahrten verringert werden.

In Zukunft wird der Züchtungsfortschritt die Leistungsfähigkeit der Getreideerzeuger noch weiter verbessern und dazu führen, Betriebsmittelkosten zu senken und somit auch einen Beitrag zum Schutz der Umwelt durch einen reduzierten Pflanzenschutzmitteleinsatz zu leisten.

Ein deutlicher Beleg für den Züchtungsfortschritt ist die Abnahme der Befallsneigung gegenüber Mehltau, Braunrost und Blattseptoria bei Winterweizen.

Qualitätseigenschaften

    Welchen Einfluss hat Züchtung auf die Verbesserung von Qualitäten?

    Dank intensiver Züchtungsarbeit ist es gelungen, deutliche Fortschritte in der Ertragsentwicklung und der Resistenzzüchtung zu erreichen. Gleichzeitig konnten definierte Qualitätseigenschaften bei vielen Getreidesorten nachhaltig verbessert werden.

    Dies zeigt sich beispielsweise in:

    • der erfolgreichen Kombination von hohem Kornertrag und herausragenden Qualitäten,
    • hervorragenden Verarbeitungseigenschaften, die auf die spezifischen Verwendergruppen wie Mühlen und Mälzereien abgestimmt sind,
    • marktgerechten Inhaltsstoffen, die auf die Anforderungen der Lebensmittelherstellung ausgerichtet sind,
    • Möglichkeiten, den stetig steigenden Qualitätsanforderungen der Endverbraucher gerecht zu werden.

    Sortenzulassung

    Wie erfolgen Sortenprüfung und -zulassung?

    Die Prüfung neuer Sorten obliegt dem Bundessortenamt. Grundlage für die Sortenschutzerteilung ist die Registerprüfung. In der Registerprüfung werden Unterscheidbarkeit (neue Sorte muss sich mindestens in der Ausprägung eines Merkmals von allen anderen bekannten Sorten unterscheiden), Homogenität (neue Sorte ist bezogen auf die maßgebenden Merkmale hinreichend einheitlich) und Beständigkeit (neue Sorte bleibt nach jeder Vermehrung bezogen auf die maßgebenden Merkmale unverändert) festgestellt. Nur wenn weiterhin im Rahmen der Wertprüfung der landeskulturelle Wert nachgewiesen wird, d.h. nur wenn eine Verbesserung der Anbau- und Verwertungseigenschaften gegenüber allen derzeit zugelassenen Sorten besteht, wird die Sortenzulassung erteilt. Erst dann darf Saatgut dieser neuen Sorte verkauft werden.

    Zudem prüfen die Bundesländer in den Landessortenversuchen die regionalen Sorteneignungen und Sorteneigenschaften sowie Düngung und Pflanzenschutz.

    Durch dieses mehrstufige Prüfungs- und Zulassungsverfahren wird gewährleistet, dass immer leistungsfähigere Sorten auf den Markt gelangen.