Fachartikel
Überzeugungstäterin in Sachen Z-Saatgut
Ostdeutscher Großbetrieb steigert Saatgutwechsel von 16 auf 100 %.
Die Agrar GbR Groß Kiesow in Mecklenburg-Vorpommern setzt seit vielen Jahren ausschließlich auf Z-Saatgut. Genaue Beobachtungen und Berechnungen führten 2008 zu einem Strategiewechsel bei der Aussaat. Eigener Nachbau kommt nur noch sporadisch zum Einsatz.
Das Jahr 2008 war richtungsweisend für die nahe Greifswald gelegene Agrar GbR Groß Kiesow, denn im Getreidebau wurde die Strategie grundlegend geändert. Bis zu diesem Zeitpunkt lag der Anteil an Z-Saatgut bei Weizen und Gerste im Durchschnitt der Jahre knapp unter 16 %, danach wurde er deutlich gesteigert. „Heute setzen wir nur noch Z-Saatgut ein“, sagt Doreen Riske, in der dreiköpfigen Geschäftsführung der Agrar GbR zuständig für pflanzenbauliche Fragen.
Gemeinsam diskutiert man in der Geschäftsführung intensiv darüber, was auf dem 2.440 Hektar (ha) großen reinen Ackerbaubetrieb angebaut wird. Auf gut der Hälfte der Flächen steht Wintergetreide, die andere Hälfte wird mit Winterraps, Zuckerrüben, Kartoffeln und Sommerkulturen bestellt. Und über alles, was auf dem Feld passiert, wird akribisch elektronisch Buch geführt.
Diese Zahlen waren dann auch die Grundlage für das eindeutige Votum zugunsten von Z-Saatgut. Dabei waren es zunächst optische Unterschiede zwischen den mit Z-Saatgut bzw. eigenem Nachbau bestellten Flächen, die Riske genauer hinsehen ließen. „Die Z-Saatgut-Bestände waren deutlich dichter“, schildert die 43-jährige Diplom-Agraringenieurin einen direkten Vergleich im Jahr 2007. Bei genauerer Untersuchung von Wintergerstenflächen stellte sie fest, dass bereits vor der Bestockung (EC 11-12) bis zu 50 Pflanzen pro Quadratmeter mehr gezählt werden konnten. Mit 244 zu 194 Pflanzen je Quadratmeter lagen die Z-Saatgut-Flächen vorne.
Z-Saatgut bringt finanziellen Mehrertrag
Der Vorsprung hielt bis zur Ernte. „Am Ende brachte die Z-Partie einen deutlichen Mehrertrag“, berichtet die Geschäftsführerin. Monetär bewertet war es ein Plus von 183 Euro je Hektar (Euro/ha). Bei Winterweizen betrug der Abstand im gleichen Jahr 166 Euro/ha. Alle anderen pflanzenbaulichen Parameter wie Bodenbearbeitung, Düngung oder Pflanzenschutz waren identisch, lediglich die Kosten für das Saatgut (inklusive Beizung und Nachbargebühren) differierten.
Diese eindeutigen Zahlen machten die gelernte Biologin neugierig, und sie rechnete für fünf weiterere zurückliegende Jahre bei Winterweizen und -gerste nach. Auch hier schnitt das Z-Saatgut gegenüber dem eigenen Nachbau konstant besser ab – allerdings in unterschiedlicher Intensität: Die positive Differenz bewegte sich zwischen zehn und 355 Euro/ha.
Als Resultat ihrer Berechnungen hält Riske fest: „Im Mittel der Jahre brachte Winterweizen pro Hektar 121 Euro mehr, bei Wintergerste waren es 133 Euro.“
Doreen Riske, Geschäftsfüherin Agrar GbR Groß Kiesow.
Foto: Hollweg
Betriebsspiegel
Agrar GbR Groß Kiesow (Mecklenburg-Vorpommern)
Rechtsform: Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
Geschäftsführung:
Volkmar Stutz, Torsten Steinberg, Doreen Riske
Betriebsgröße:
2.440 ha (50 % Pacht)
durchschnittliche Schlaggröße:
40 ha
Boden:
Sand – schwach lehmiger Sand (S – s’l) , durchschnittlich 35 Bodenpunkte
Niederschläge:
800 mm (ungünstig verteilt)
Kulturen:
1.100 ha Wintergetreide (Konsum, Vermehrung), 110 ha Sommergetreide (Vermehrung), Kartoffeln, Zuckerrüben, Erbsen, Lupinen
Technik:
100 % Eigenmechanisierung<
Mitarbeiter:
21 Angestellte (saisonbeschäftigt), ein Auszubildender, ein Fachschüler
Eigener Nachbau kein Thema mehr
Angesichts dieser eindeutigen Zahlen ware der Betrieb nach Worten Riskes „mit dem Thema ‚eigener Nachbau‘ durch“. Die Konsequenz folgte auf dem Fuß: Bereits bei der nächsten Getreidebestellung im Jahr 2008 betrug der Saatgutwechsel bei Wintergerste und Winterweizen bereits 66 %, seit 2009 ist er zu 100 % vollzogen.
Auf den Flächen der Agrar GbR Groß Kiesow kommt nur noch dann eigener Nachbau in Betracht, wenn nicht ausreichend Z-Saatgut geliefert werden kann. Das war zum Beispiel 2011 der Fall, als eine schwierige Ernte für Engpässe speziell bei Winterweizen sorgte. „Da mussten wir dann noch einmal unsere alte Aufbereitungsanlage mobilisieren“, erinnert sich die Landwirtin.
Diese schon leicht angegraute Technik war in der Vergangenheit regelmäßig in Betrieb und erforderte den kontinuierlichen Einsatz einer Arbeitskraft. „Absolut ineffektiv“ nennt Frau Riske das heute. Der dafür abgestellte Mitarbeiter könne sich jetzt ganz auf seine eigentliche Aufgabe, den Pflanzenschutz, konzentrieren. So seien der Druck während der Arbeitsspitzen geringer, die Betriebsabläufe entspannter und ingesamt die Qualität der Arbeit besser.
„Außerdem können wir gar nicht leisten, wozu hochmoderne Aufbereitungsanlagen heute im Stande sind“, so die Ostdeutsche, und sie erzählt von der Profianlage einer VO-Firma vor Ort, die sie kürzlich besichtigen konnte. Es habe sie „schwer beeindruckt“, mit welchem technischen Aufwand das Korn gereinigt, nach Größen sortiert und gebeizt werde. Seitdem hat sich für sie der Hinweis auf die genetische Uniform von Z-Saatgut und eigenem Nachbar relativiert: „Natürlich ist die Genetik gleich“, sagt Riske, „aber am Ende machen Aufbereitung und Beizung den Unterschied.
Plädoyer für die Saatgutbranche
Die Getreideanbauerin bezeichnet sich selbst als „Überzeugungstäterin in Sachen Z-Saatgut“. Und das betrifft nicht nur dessen 100-%-Einsatz bei der Saat. Seit 2008 sind Riske und die Agrar GbR in die Getreidevermehrung eingestiegen. Auf 250 ha baut sie Winter- und Sommergetreide für verschiedene VO-Firmen an. „Ich fühle mich dem Saatgut verpflichtet“, lacht die Geschäftsführerin, und sie hält abschließend ein Plädoyer für die Saatgutbranche: „Sie ist wirtschaftlich wichtig, weil sie den Zuchtfortschritt sicherstellt! Außerdem schafft sie Arbeitsplätze von Landwirtschaft über Züchtung bis hin zu Logistik und bringt damit Wertschöpfung ins Land.“
Aber auch Doreen Riske weiß: Ackerbauern entscheiden danach, was am Ende im Portemonnaie ankommt. Und das kann sich nach Berechnungen der Agrar GbR sehen lassen. Umso unverständlicher ist für die Ostdeutsche die Zurückhaltung ihrer Berufskollegen gegenüber Z-Saatgut. In Mecklenburg-Vorpommern liegt der Saatgutwechsel nach Insiderwissen bei gerade einmal 50 %. „Das kann nicht zufrieden stellen“, meint Riske und begrüßt die Initiative „Pro Z-Saatgut“ des Saatgutverbandes Mecklenburg-Vorpommern, die derzeit im fünften Jahr läuft.
„Für den Saatgutwechsel spricht viel“, resümiert Riske, und sie unterstützt die Initiative. „Z-Saatgut bringt eindeutig wirtschaftliche Vorteile, weil eigener Nachbau nicht in der erforderlichen Qualität aufbereitet werden kann“, lautet das persönliche, auf eigener Erfahrung beruhende Fazit. Ihr Ziel aus 2007, den hundertprozentigen Saatgutwechsel zu vollziehen, hat sie bereits seit Jahren erfolgreich umgesetzt.
„Pro Z-Saatgut“ – Inititative des Saatgutverbands Mecklenburg-Vorpommern bringt teilnehmenden Landwirten wirtschaftliche Vorteile
Den Einsatz von Z-Saatgut in der Landwirtschaft zu fördern, ist das Ziel der Initiative „Pro Z-Saatgut“. Die Initiative trägt dazu bei, dass der Züchtungsfortschritt und die termingerechte Versorgung der Landwirtschaft mit Z-Saatgut langfristig sichergestellt werden. Derzeit ist das Projekt noch auf Mecklenburg- Vorpommern begrenzt. Teilnehmen können Landwirte, die auf ihren Feldern zu 100 Prozent Z-Saatgut einsetzen.
Auf Grundlage einer schriftlichen Vereinbarung, die vorab getroffen wird, erhalten sie von der VO-Firma einen Bonus für den Kauf von Z-Saatgut.
Bei einer ersten Umfrage im Jahr 2012 gaben 95 Prozent der befragten Projektteilnehmer an, die Initiative auch in Zukunft zu unterstützen. Die Befragung ergab außerdem, dass die meisten Partner wirtschaftlich vom Projekt profitieren.
Hohe Zufriedenheitswerte wurden bei der Zusammenarbeit mit Handelspartnern, VO-Firmen und Züchtern erreicht. Ungefähr 200 Landwirte haben im vergangenen Jahr am Pilotprojekt „Pro
Z-Saatgut“ teilgenommen.