Fachartikel
Qualität von Anfang an
Ökologisches Z-Saatgut
Benedikt Endres wurde als bester ökologischer Z-Saatgut-Aufbereiter 2023 vom Getreidefonds Z-Saatgut e. V. ausgezeichnet – eine Anerkennung, die den herausragenden Einsatz und die Innovationskraft seines Betriebes widerspiegelt.
Was steckt hinter diesem Erfolg? Und wie gelingt es Endres, in einem so anspruchsvollen Bereich wie der ökologischen Saatgutproduktion Maßstäbe zu setzen?
Vom Vater zum Sohn
Der Betrieb Endres begann in den 1980er Jahren mit der Saatgutvermehrung. Damals legte sein Vater, Hermann Endres, den Grundstein für das heutige Unternehmen, indem er mit der Vermehrung von Weizen und Gerste begann. Im Laufe der Jahre erweiterte sich das Spektrum der vermehrten Kulturen stetig. Eine große Besonderheit war die Aufnahme der Hybridroggenvermehrung in den 1990er Jahren. Die Getreideart spielte über drei Jahrzehnte hinweg eine bedeutende Rolle im Betrieb, bis zur Umstellung auf ökologische Landwirtschaft im Jahr 2016. „Auf Biobetrieben spielen Hybridsorten keine so bedeutende Rolle,“ erläutert Endres. Auch die Hybridrapsvermehrung war für einige Jahre Teil des Portfolios, was die Vielseitigkeit und Experimentierfreudigkeit des Unternehmens unterstreicht. Ein wichtiger Meilenstein war 2009, als durch die Eiweißinitiative in Bayern die erste Sojavermehrung, die im Laufe der Jahre auf 50 ha anwuchs, angelegt wurde. Neben der Saatgutvermehrung auf 280 ha und der anschließenden Aufbereitung führt der Betrieb auch Lohnarbeiten für andere Biobetriebe durch und baut u. a. Speiseleguminosen, Sonnenblumen und Zuckerrüben an.
Qualität aus Leidenschaft
Die Entscheidung, 2022 in die Aufbereitung einzusteigen, war für Benedikt Endres keine leichtfertige. Sie entsprang einem tiefen Verständnis für die Bedeutung der Saatgutqualität und dem Wunsch, jeden Aspekt des Produktionsprozesses zu kontrollieren und zu optimieren. Dabei legt er besonderen Wert auf die technische Reinheit des Saatgutes. „Wir achten darauf, dass die Rohware möglichst frei von Staub, Stroh und Spelzen ist, da dieser Besatz oft einen höheren Pilzbefall aufweist, der durch biologische Beizen nicht vollständig bekämpft werden kann“, erklärt Endres. „Unser Ziel ist es, gesundes Z-Saatgut zu produzieren, das den höchsten Qualitätsstandards entspricht.“ Er beschreibt seine Motivation mit Leidenschaft: „Wir möchten unseren Qualitätsanspruch für beste Saatgutqualität in der gesamten Prozesskette, von der Aussaat bis zum Endprodukt, mit größter Sorgfalt und Hingabe selbst gestalten.“ Dieser Ansatz spiegelt sich in der Vielfalt der aufbereiteten Kulturen wider. Von verschiedenen Getreidesorten wie Winterweizen, Dinkel, Hafer, Sommergerste und Wintertriticale über Sojabohnen bis hin zu Futtererbsen – das Spektrum ist breit gefächert und zeigt die Flexibilität und das umfassende Know-how des Betriebes.
Qualität beginnt auf dem Feld
Die Grundlage für die Erzeugung von hochwertigem Z-Saatgut wird bereits auf dem Acker gelegt. Benedikt Endres betont die Wichtigkeit einer durchdachten Herangehensweise von Anfang an, um sicherzustellen, dass das Saatgut gesund und widerstandsfähig wird: „Ausgewogene Fruchtfolgen, gutes Beikrautmanagement über die gesamte Vegetation, ideale Termine für Aussaat (z. B. Weizen Ende Oktober bis Anfang November, anschließend Striegeln – Hacken), Pflege und Ernte nutzen, bestmögliche Spezialtechnik einsetzen, selbst auf die beste Saatgutqualität achten und schonende Behandlung des Erntegutes“ seien ausschlaggebend für die Qualität der Saatware – schon vor der eigentlichen Aufbereitung. Seine Fruchtfolge orientiert sich an einer typischen Ökofruchtfolge und wird je nach Bodenzustand, Nährstoffversorgung und Beikrautbesatz noch individuell angepasst: Luzerne–Luzerne–Winterweizen–Zuckerrübe–Sojabohne–Dinkel–Sommergerste oder Hafer–Sonnenblume. Endres „Geheimrezept“ bleibt natürlich geheim, nur so viel verrät er: „Immer auf dem Feld präsent sein, genau wissen, was wann wächst und keimt und der Kulturpflanze einen vegetativen Vorsprung verschaffen!“
Hohe Ansprüche an die Aufbereitung: Nur das Beste ist gut genug
„Mein Anspruch ist, möglichst gesundes und reines Saatgut herzustellen. Daher sortiert eine gute Aufbereitungsanlage jegliche Fremdbestandteile sowie nicht optimal geeignete Körner zuverlässig aus“, betont Endres. Besonders als Öko-Vermehrer und Aufbereiter zählen neben den üblichen Anerkennungskriterien die Gesundheit des Kornes (frei von samenbürtigen Krankheiten wie z. B. Steinbrand) und die Triebkraft (Kalttest) unter nicht optimalen Bedingungen. Endres erläutert, dass seine Ansprüche an die Saatgutqualität sehr hoch sind, da er weiß, wie wichtig hochwertiges Saatgut für den Erfolg der Landwirte ist, die seine Produkte verwenden. „Da in der ökologischen Landwirtschaft keine chemischen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden, ist es umso wichtiger, dass die Pflanzen von Beginn an stark und gesund sind,“ ergänzt Endres.
Technik, Erfahrung und Teamarbeit
Um die hohen Qualitätsstandards zu erreichen, setzt der Betrieb auf eine Kombination aus modernster Technik und jahrelanger Erfahrung. Endres erklärt: „Wir nutzen in allen Bereichen bestmögliche Spezialtechnik, die wir oft noch nach unseren Bedürfnissen umbauen, und versuchen, keine Kompromisse einzugehen.“ Doch Technik allein macht noch keinen Erfolg aus. „Die Position in der Fruchtfolge ist eine wichtige Basis. Die Bestandesführung auf dem Feld bedarf viel Wissen, Erfahrung und auch Handarbeit“, so Endres. Letztendlich sei es ein Zusammenspiel aus Technik, einer guten Teamleistung im gesamten Produktionsprozess sowie der Witterung. Endres hebt hervor, dass die kontinuierliche Weiterbildung und der Austausch mit Experten entscheidend sind, um immer auf dem neuesten Stand und der besten Praktiken zu bleiben.
Für einen „Neuling“ sei es besonders herausfordernd, die ideale Anlageneinstellung herauszufinden, um konstant zu performen. Umso mehr freue er sich daher, dass er den Preis als bester ökologischer Getreide-Z-Saatgut-Aufbereiter erhalten habe.
Überraschungen und Probleme gab es in der anfänglichen Phase jedoch kaum: „Unser Motto ist: ‚Wenn dann mach mer’s gscheit‘ – von nennenswerten Problemen und Überraschungen sind wir bislang verschont geblieben.“.
Herausforderungen in der ökologischen Saatgutproduktion
Im Vergleich zur konventionellen Produktion sieht sich der ökologische Saatgutproduzent mit besonderen Herausforderungen konfrontiert. Dabei wird die Einhaltung ökologischer Standards weniger durch die Aufbereitung, sondern vielmehr durch die Produktion auf dem Feld sichergestellt. Endres bringt es auf den Punkt: „Wir sind viel mehr auf das Produkt selbst angewiesen. Probleme können nicht durch Mitteleinsatz (z. B. chemische Beize) gelöst werden. Daher muss der gesamte Erzeugungsprozess stimmen.“ Dies bedeutet, dass jeder Schritt, von der Bodenvorbereitung über die Aussaat bis hin zur Ernte, sorgfältig geplant und durchgeführt wird, um sicherzustellen, dass die ökologischen Standards eingehalten werden.
Fokus auf natürliche Widerstandsfähigkeit
Besonders im ökologischen Bereich sind Betriebe auf eine gute Ausgangsbasis der verwendeten Betriebsmittel angewiesen. „Gute Werte bei Keimfähigkeit und Triebkraft sind entscheidend für robustes Pflanzenwachstum und resiliente Entwicklung“, erklärt Endres. Interessanterweise sieht Endres hier auch Potenzial für den konventionellen Bereich: „Eigentlich müsste IMMER zuerst auf die natürliche Fähigkeit des Saatgutes geachtet werden. Dies könnte so manchen Beizmitteleinsatz im konventionellen Bereich unnötig machen.“ Für ihn steht fest, dass die Erkenntnisse aus der ökologischen Landwirtschaft auch für konventionelle Betriebe von großem Wert sein können und möglicherweise zu einer insgesamt nachhaltigeren Landwirtschaft führen könnten.
Vision einer nachhaltigen Landwirtschaft
Mit Blick auf die Zukunft hat Benedikt Endres klare Vorstellung: „Mein Ziel ist, mit konstant guter Saatgutqualität punkten zu können.
Meine Vision ist die fortschreitende Umstellung vieler Kollegen zum Ökolandbau für eine umweltverträglichere Landbewirtschaftung und möglichst gesunde Lebensmittel – am liebsten 100 % Bio.“ Für ihn ist die ökologische Produktion nicht nur ein Nischenmarkt, sondern ein Zukunftsmodell für die gesamte Branche.
Für die kommenden fünf bis zehn Jahre erwartet Endres positive Entwicklungen in der ökologischen Landwirtschaft. „Ich erwarte einen konstant wachsenden Bioabsatz und wieder steigendes Bewusstsein beim Einkaufsverhalten der Verbraucher. Die Absatzdelle durch die Krisen der Welt wird sich erholen und die Betriebe sich vermehrt mit Umstellungsgedanken befassen. Regionale Bioerzeugnisse rücken dann wieder mehr in den Fokus,“ resümiert er optimistisch.
Fazit
Hochwertiges Saatgut bildet die Grundlage für gesunde, widerstandsfähige Pflanzen, die besser mit Krankheiten und Schädlingen umgehen können. Besonders die Produktion von ökologischem Z-Saatgut, wie sie von Benedikt Endres praktiziert wird, stellt hohe Qualitätsanforderungen an den Vermehrer und Aufbereiter. Sie erfordert ein tiefes Verständnis für natürliche Prozesse, den Einsatz modernster Technik und ein engagiertes Team. Der Erfolg von Endres, gekrönt durch die Auszeichnung als bester ökologischer Getreide-Z-Saatgut-Aufbereiter 2023, zeigt, dass mit Leidenschaft, Erfahrung und dem richtigen Ansatz herausragende Ergebnisse erzielt werden können.
Benedikt Endres
Bild: Daniel Delang /
Öko-Modellregionen Bayern
Betriebsspiegel
Betriebsleiter:
Benedikt Endres
Betriebsform:
Ackerbau
Ackerbau:
280 ha
Saatgutvermehrung:
ca.
40 ha Winterweizen
25 ha Dinkel
15 ha Sommergerste
15 ha Hafer
50 ha Sojabohnen
40 ha Zuckerrübe
15 ha Sonnenblumen
20 h Kichererbsen
50 ha Luzerne
10 ha Sonstige
Klima:
580 mm Jahresniederschlag, 9,7°C
Boden:
>80 % schluffiger Lehm
Benedikt Endres erzeugt ökologisches Saatgut nach Bioland-Richtlinien.
Bild: Endres