Fachartikel

Qualität mit System

Z-Saatgutvermehrung und -aufbereitung aus Leidenschaft am Eifelrand

Seit den 1960er-Jahren ist der Name Becker in Kreuzau untrennbar mit der Saatgutwirtschaft verbunden. Was vor über 60 Jahren begann, führen Dietmar und Klarissa Becker heute in dritter Generation mit derselben Sorgfalt und einem klaren Ziel fort: Bestes Z-Saatgut zu erzeugen, das den Grundstein für den Erfolg anderer landwirtschaftlicher Betriebe legt.

Als spezialisierter Ackerbaubetrieb hat sich die Saatgutwirtschaft Becker als verlässlicher Partner für VO-Firmen und Züchterhäuser etabliert. Dabei geht das Spektrum weit über das Standard-Sortiment hinaus: Auch die anspruchsvolle Erzeugung von Vorstufen- und Basissaatgut gehört zum Kerngeschäft des Betriebes – eine Aufgabe, die kompromisslose Feldhygiene und höchste Präzision in der Planung voraussetzt.

Investitionen in moderne Strukturen

Die steigenden Anforderungen an Sortenreinheit, Rückverfolgbarkeit und Aufbereitungsqualität haben den Betrieb in den vergangenen Jahren zu gezielten Investitionen veranlasst. Um die hohen Qualitätsstandards in der Z-Saatgutaufbereitung dauerhaft abzusichern und zugleich effizienter arbeiten zu können, wurde konsequent in moderne Aufbereitungs- und Lagertechnik investiert. „Wir haben bewusst früh investiert, um die Saatgutqualität weiter zu steigern und unsere Prozesse klarer und sicherer aufzustellen“, betont Betriebsleiter und Inhaber Dietmar Becker.

Die Saatgutanlage befindet sich heute in einer modernen, klar gegliederten Halle mit kurzen Förderwegen. Diese Struktur ermöglicht einen schonenden Warenfluss und minimiert das Risiko von Vermischungen – ein zentraler Faktor für die Saatgutqualität. Um auch kleinste Fremdbesätze sicher auszuschleusen, setzt der Betrieb in der Endreinigung auf modernste Sortiertechnik.

Seit der grundlegenden Erneuerung wird die Technik kontinuierlich weiterentwickelt und optimiert. „Kurze Wege und klare Linien sind für uns kein Selbstzweck, sondern ein wichtiger Beitrag zur Sortenreinheit“, so der Betriebsleiter.

Jährlich werden rund 1.000 Tonnen anerkannte Saatware von rund zwölf Getreidesorten aufbereitet. Dieses Volumen erfordert nicht nur leistungsfähige Technik, sondern vor allem präzise abgestimmte Abläufe und ein hohes Maß an fachlichem Know-how, um die Qualitätsanforderungen der Saatguterzeugung zuverlässig zu erfüllen.

Standort mit besonderen Herausforderungen

Der Betrieb liegt am Rand der Eifel, in einem Gebiet mit stark wechselnden Böden. Die Bodengüte schwankt zwischen 40 und 78 Bodenpunkten. Während der Anbau von Zuckerrüben hier nur eingeschränkt möglich ist, zeigen insbesondere Weizen und Braugerste – vor allem auf leichteren Standorten – seit Jahren stabile Erträge. Grünlandflächen, Obstbau und Waldstreifen prägen das abwechslungsreiche Landschaftsbild.

Die Flächen liegen auf etwa 240 Metern über NHN, bei einer mittleren Jahrestemperatur von 9,5 °C. Die Vegetationsperiode beginnt etwas später als in der Köln-Aachener Bucht – ein Faktor, der in der Anbauplanung stets berücksichtigt werden muss. „Wir können hier nicht nach Schema F arbeiten. Jeder Schlag verlangt eine eigene Strategie“, fasst Becker zusammen.

Für die Praxis bedeutet das eine sehr differenzierte Bewirtschaftung der einzelnen Flächen. Sortenwahl, Aussaatzeitpunkt und Bestandesführung werden standortspezifisch angepasst, um die unterschiedlichen Bodenqualitäten optimal zu nutzen. Auf leichteren Böden liegt der Fokus auf früh abreifenden, standfesten Sorten, während auf besseren Lehmböden auch ertragsstärkere Typen zum Einsatz kommen.

Gleichzeitig spielt das Wassermanagement eine zentrale Rolle. Eine angepasste Bodenbearbeitung soll die Wasserhaltefähigkeit sichern und Verdichtungen vermeiden. Gerade in der Saatgutvermehrung ist zudem eine gleichmäßige Bestandsentwicklung entscheidend, um eine homogene Abreife und damit eine hohe Saatgutqualität zu erreichen.

Für Becker steht fest: „Am Ende entscheidet nicht der Spitzenertrag, sondern ein gleichmäßiger und sortenreiner Bestand“.

Ackerbau klar auf Saatgut ausgerichtet

Der reine Ackerbaubetrieb ohne Tierhaltung bewirtschaftet rund 200 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Der größte Teil davon entfällt auf die Saatgutvermehrung, mit Schwerpunkten bei Winterweizen, Wintergerste und Sommergerste. Ergänzend werden Kulturen wie Raps, Zuckerrüben oder Mais gezielt als Bereinigungsfrüchte eingesetzt, um saubere Ausgangsbedingungen für die folgenden Vermehrungen zu schaffen.

Gerade bei diesen Bereinigungskulturen wird größter Wert auf Feldhygiene gelegt. Ausfallgetreide oder Fremdbesatz dürfen nicht in die Folgekultur getragen werden. „In der Saatgutvermehrung muss man bereit sein, Ertrag zugunsten von Qualität in Kauf zu nehmen“, stellt Becker klar. Ein Grundsatz, der die gesamte Fruchtfolgegestaltung bestimmt.

Hohe Anforderungen im Saatgutanbau

Die Anlage der Vermehrungsflächen erfordert eine langfristige Planung. „Wir müssen jederzeit in der Lage sein, neue Sorten oder höhere Anbaustufen aufzunehmen, um flexibel auf Marktbedürfnisse reagieren zu können“, erläutert Becker.

Zunehmend herausfordernd wirken sich dabei regulatorische Vorgaben aus. Das Glyphosatverbot auf Flächen in Wasserschutzgebieten erschwert insbesondere im Vorstufen- und Basisbereich die Einhaltung der hohen Qualitätsanforderungen. Auch bei der Zulassung von Beizmitteln fehlt es an Planungssicherheit. „Ohne verlässliche Rahmenbedingungen wird es für viele Betriebe schwierig, Z-Saatgut auf diesem Niveau zu erzeugen“, warnt Becker.

Ein oft unterschätzter Faktor in der Saatgutvermehrung ist der manuelle Arbeitsaufwand. Alle Bestände werden regelmäßig fußläufig kontrolliert und bei Bedarf nachbereinigt, um die hohen Anforderungen an Sortenreinheit zu erfüllen. „Das ist zeitaufwendig, aber unverzichtbar“, betont Becker.

Steigende Lohnkosten und der zunehmende Fachkräftemangel stellen den Betrieb dabei vor zusätzliche Herausforderungen – gerade in arbeitsintensiven Phasen der Saison. So müssen in kurzen Zeitfenstern viele Schläge parallel kontrolliert werden, während gleichzeitig qualifizierte Arbeitskräfte mit ausreichendem Sorten- und Kulturkenntnissen schwer verfügbar sind. Zudem lässt sich diese Arbeit kaum mechanisieren oder zeitlich verschieben, da Verzögerungen unmittelbar die Sortenreinheit und damit die Anerkennungsfähigkeit des Saatguts gefährden würden.

Effiziente Aufbereitung mit Qualitätssicherung

In der Saatgutaufbereitung gilt ebenfalls: Qualität vor Quantität. Das Zeitfenster ist eng, Flexibilität und eine enge Abstimmung mit den VO-Firmen sind entscheidend. Eingehende Aufträge werden digital erfasst, priorisiert und zügig abgearbeitet. Der gesamte Prozess wird laufend beprobt, um die Aufbereitungsqualität abzusichern.

Während der laufenden Kampagne übernimmt Klarissa Becker das Probenmanagement sowie organisatorische und logistische Aufgaben im Saatgutvertrieb.

„Eine sorgfältige Organisation und lückenlose Probenführung sind genauso wichtig wie die Technik selbst“, unterstreicht sie.

Herausforderungen als Auftrag: Die Zukunft im Blick

Der Weg zu hochwertigem Saatgut wird steiniger. Das Glyphosatverbot auf Vermehrungsflächen, etwa in Wasserschutzgebieten und die zunehmende Unsicherheit bei der Zulassung effektiver Beizwirkstoffe fordern das Betriebsleiterpaar täglich heraus. Doch für Dietmar und Klarissa Becker sind diese regulatorischen Hürden kein Grund zum Stillstand, sondern ein Auftrag zur Weiterentwicklung: „Wir passen unsere Strategien auf dem Feld und in der Anlage kontinuierlich an, um trotz enger werdender Rahmenbedingungen die gewohnte Reinheit sicherzustellen.“

Ein zentrales Ziel bleibt dabei der Dialog mit der Praxis: Ein konsequenter Saatgutwechsel ist die wirtschaftlichste Versicherung für stabile Erträge und vitale Bestände. „Gutes Z-Saatgut ist kein Betriebsmittel von der Stange, sondern ein Hochleistungsprodukt“, betont Becker. Mit der Kombination aus jahrzehntelanger Erfahrung, modernster Aufbereitungstechnik und einem klaren Bekenntnis zum Standort Eifelrand bleibt der Betrieb ein starkes Bindeglied in der Wertschöpfungskette – heute und in der nächsten Generation.

Autorin: Jennifer Nickel (M.Sc.arg.)

Seit vielen Jahren leiten Dietmar und Klarissa Becker gemeinsam den Betrieb.

Foto: Saatgutwirtschaft Becker

Betriebsspiegel

Geografische Lage:

Eifelrandlage im Raum Kreuzau (Nordrhein-Westfalen)

Höhenlage:

240 m ü. NHN

Jahresniederschlag:

700 Millimeter

Betriebliche Ausrichtung:

Ackerbaubetrieb ohne Tierhaltung, Schwerpunkt Z-Saatgutvermehrung und -aufbereitung (inkl. Vorstufen- und Basissaatgut) für VO-Firmen und Züchterhäuser

Betriebsgröße:

200 ha landwirtschaftliche Nutzfläche

Bodenart:

stark wechselnde Böden mit 40–78 Bodenpunkten; von leichteren, sandigeren Standorten bis zu besseren Lehmböden im hügeligen Voreifelgebiet

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Jährlich werden rund 1.000 Tonnen anerkannte Saatware aus rund zwölf Getreidesorten aufbereitet.

Foto: Saatgutwirtschaft Becker

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Vor der Feldbestandsprüfung werden die Saatgutvermehrungsflächen händisch von Fremdbesatz gereinigt.

Foto: Saatgutwirtschaft Becker

Bei einem Befall mit Flugbrand (Ustilago nuda) bildet die Gerste anstelle von Ährchen eine schwarze Masse aus Brandsporen.

Für jeden Arbeitsauftrag ist ein Rückstellmuster aufzubewahren.

Foto: Saatgutwirtschaft Becker

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