Fachartikel
Präzision vom Feld bis zum Sack
Saatgutvermehrung und -aufbereitung in der Praxis
Von der Züchtung zur modernen Aufbereitung
Die Wurzeln des Betriebes reichen tief in die Geschichte der Pflanzenzüchtung zurück. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts firmierte der Hof unter „Saatzucht Schweiger“ und widmete sich der Sommerbraugerstenzüchtung. 1903 erfolgte die erste Sortenzulassung, später folgten bekannte Sorten wie der Winterweizen „Moosburger begrannter Dickkopf“ oder „Jubilar“ von 1961, der zeitweise rund 40 Prozent der deutschen Winterweizenanbaufläche einnahm. Heute konzentriert sich die Familie ausschließlich auf die Saatgutaufbereitung und -produktion für externe Firmen, ein Tätigkeitsfeld, dem sie sich seit 2007 verschrieben hat. Seit 2018 ist der Betrieb zudem öko-zertifiziert, sodass sowohl konventionelles als auch ökologisches Saatgut angeboten werden kann.
Ackerflächen für jede Kultur optimal genutzt
Rund 130 Hektar Ackerland bewirtschaftet der Betrieb Schweiger. Auf diesen Flächen wachsen Winterackerbohnen, Sojabohnen, Weizen, Sommertriticale und Körnermais, überwiegend zur Saatgutvermehrung. Hierbei ist es laut dem Betriebsleiter Christian Schweiger entscheidend die Bodenbearbeitung und Fruchtfolge im Blick zu haben, damit die Kulturen gleichmäßig reifen und die hohen Qualitätsstandards für Saatgut eingehalten werden können.
Etwa ein Drittel der Flächen liegt in den Amperauen. Dort prägen leichte, kiesige Böden mit 40–60 Bodenpunkten den Anbau. „Auf diesen Standorten muss man die Wasserversorgung besonders im Auge behalten“, so Christian Schweiger. Die restlichen Flächen sind tonig-lehmige Ackerböden mit Lösslehmcharakter und 70–80 Bodenpunkten – deutlich ertragssicherer.
Anpassung an Klimawandel und Marktbedingungen
Die klimatischen Veränderungen machen auch vor Feldkirchen nicht halt. Für den Betrieb Schweiger bedeutet das, Anbauplanung und Bewirtschaftung stetig anzupassen. „Auch, wenn wir grundsätzlich eine gute Wasserversorgung haben, achten wir inzwischen gezielt darauf, den Wasserhaushalt im Boden optimal zu halten, damit die Pflanzen jederzeit über genügend Wasser verfügen“, erklärt Christian Schweiger. Unterstützt wird das durch angepasste Bodenbearbeitung, die das Wasser im Boden hält, und gezielte Fruchtfolgen, die den Boden langfristig stabilisieren.
Eine wichtige strategische Entscheidung war die Aufnahme von Sojabohnen in die Fruchtfolge. Vor einigen Jahren zunächst auf kleinen Versuchsflächen angebaut, sind sie heute fester Bestandteil. Der Sojaanbau bringt nicht nur Abwechslung in die Fruchtfolge, sondern trägt auch zur Entzerrung von Arbeitsspitzen im Jahresverlauf bei.
Markt- und Preisentwicklungen wirken sich nur begrenzt aus, da der Betrieb einen stabilen, leicht wachsenden Marktanteil hält. Größere Herausforderungen sieht Schweiger in fehlenden Wirkstoffzulassungen für Beizen, dem zunehmenden Import von Saatgut aus dem Ausland und dem Auftreten neuer Schädlinge. „Gerade der Bohnenkäfer bereitet uns bei Ackerbohnen zunehmend Probleme“, berichtet er.
Ein spezielles regionales Risiko ist der Hagel. Der Betrieb liegt in einem Gebiet, in der etwa alle zehn Jahre mit gravierenden Schäden zu rechnen ist. Um diesen Gefahren zu begegnen, setzt Schweiger auf eine Hagelversicherung. Darüber hinaus helfen ein weit gespanntes Netzwerk von Partnerbetrieben, ein großes Einzugsgebiet sowie die Verarbeitung unterschiedlicher Kulturen in der eigenen Anlage dabei, Ernteausfälle abzufedern und die Kunden selbst in schwierigen Jahren zuverlässig mit Z-Saatgut zu beliefern.
Partner für die Region
Neben dem eigenen Ackerbau ist die Saatgutaufbereitung längst zu einem festen Standbein des Betriebes geworden. Sieben Arbeitskräfte, davon zwei Familienmitglieder sorgen dafür, dass die Anlage das ganze Jahr über in Betrieb ist; in der Hochsaison verstärken erfahrene Aushilfskräfte das Team.
Viele Landwirte aus der Umgebung legen in Abstimmung mit Schweiger und den jeweiligen Züchtern Vermehrungen an, die anschließend im Betrieb erfasst und aufbereitet werden. Für Höfe ohne eigene Lager- oder Aufbereitungskapazitäten ist das ein entscheidender Vorteil. „Ohne unsere Partnerbetriebe gäbe es hier nicht diese Kultur- und Sortenvielfalt – und auch nicht die Mengen an hochwertigem Z-Saatgut, die wir heute verarbeiten“, betont Christian Schweiger. Gleichzeitig ist der Betrieb für viele Kollegen zu einer echten Alternative geworden – gerade für jene, die selbst keinen Lagerplatz besitzen oder lange Wege zum Landhandel hätten.
Qualitätsarbeit in der Aufbereitung
Jährlich werden in Feldkirchen rund 80 verschiedene Sorten und weit über 5.000 Tonnen Rohware verarbeitet – vom klassischen Weizen und Gerste bis zu Roggen, Hafer, Nackthafer, Lupine, Dinkel und verschiedenen Körnerleguminosen. Neben Z-Saatgut für Landwirte bereitet Schweiger auch Vorstufen- und Basissaatgut für Züchter auf.
Die technische Ausstattung ist breit aufgestellt: Siebreinigung, Trieur, Bürstmaschine, Stein- und Gewichtsausleser sowie ein Farbsortierer der neuesten Generation mit 4K-Echtfarbkameras und Low-NIR- sowie InGaAs-Sensoren. „Damit können wir das Saatgut optisch absolut präzise sortieren. Der Gewichtsausleser ist besonders wertvoll, wenn es um angekeimtes Getreide geht – er trennt aufgrund des veränderten spezifischen Gewichts zuverlässig aus“, erklärt Schweiger.
Die Arbeitsabläufe sind auf Sortenreinheit optimiert. Nach jedem Partiewechsel wird die Technik mit Pressluft und Staubsaugern gründlich gereinigt. „Wir verzichten bewusst auf Redler und Schnecken, um Kornbruch zu vermeiden. Bei uns laufen die Körner schonend über Bänder und Becherwerke.“ Das Ergebnis sind technische Reinheiten von 99,9–100 %, deutlich über den amtlich geforderten 98 % für zertifiziertes Saatgut.
Einblick in die aktuelle Saatgutsaison
Der Schwerpunkt liegt im Wintergetreide – und damit in einem engen Zeitfenster. „Für den Großteil unseres Absatzes haben wir nur wenige Wochen. Da müssen Vermehrer, Aufbereiter und Logistik perfekt zusammenarbeiten“, sagt Schweiger.
In diesem Jahr war das Wetter eine besondere Herausforderung. Ein Teil der Bestände konnte noch vor den langanhaltenden Regenfällen geerntet werden – mit sehr guten Qualitäten und Erträgen. „Alles, was wir vor dem 20. Juli dreschen konnten, hatte Topqualität und hervorragende Keimfähigkeit“, so Schweiger. Die spätere Ernte erforderte hingegen intensives Trocknen; die Anlagen liefen fast rund um die Uhr. Trotz leichter Einbußen bei der Keimfähigkeit liegen die Qualitäten weiterhin auf hohem Niveau und über den gesetzlich geforderten Mindestwerten. Die Aufbereitung ist bereits weit fortgeschritten, und im August konnten so viele Mengen ausgeliefert werden wie nie zuvor. Lediglich eine Partie musste aufgrund von Druschschäden ausgesondert werden.
Zukunftsaussichten und Visionen
Stillstand kommt für Christian Schweiger nicht infrage. Für die kommenden Jahre plant er für den Betrieb eine weitere Automatisierung der Anlage, um die Belegschaft zu entlasten und Kapazitäten zu erhöhen. „Nachhaltigkeit und Innovation sind für uns gelebte Praxis. Unsere Trocknungsanlagen arbeiten CO₂-neutral, und auch bei der Reinigung setzen wir modernste Technik ein“, erklärt Schweiger.
Ziel ist es, weiterhin große Mengen hochwertiges Z-Saatgut zu liefern – auch bei Sonderkulturen wie Sojabohnen – und den Betrieb langfristig als zentralen Partner für die regionale Landwirtschaft zu positionieren. „Entscheidend ist, dass am Ende im Sack nur das Beste liegt“, resümiert er.
Der Hof der Familie Schweiger in Feldkirchen bei Freising – seit über 370 Jahren in Familienbesitz und heute ein moderner Ackerbau- und Saatgutbetrieb.
Fotos: Schweiger Feldkirchen
Betriebsspiegel
Saatzucht Schweiger, Feldkirchen
Geografische Lage:
östliche Stadtgrenze von München
Höhenlage:
523 m ü. NHN
Jahresniederschlag:
790 Liter
Betriebliche Ausrichtung:
Ackerbau, Saatgutvermehrung und -aufbereitung
Betriebsgröße:
130 ha
Bodenart:
leichte, kiesige Böden (40–60 Bodenpunkte) und tonig-lehmige Ackerböden mit Lösslehmcharakter (70–80 Bodenpunkte)
Betriebsleiter Christian Schweiger setzt auf Vielfalt in den Kulturen.
Vor der Feldbestandsprüfung werden die Saatgutvermehrungsflächen händisch von Fremdbesatz gereinigt.
Ein Blick in die Saatgutaufbereitung: modernste Technik sorgt für Präzision und Sortenreinheit.
Farbsortierer erkennen jedes einzelne Korn und entfernen unerwünschtes Material.
Die gesamte Anlage im Blick: Über Monitore wird jeder Arbeitsschritt in der Aufbereitung überwacht.
Geprüftes Z-Saatgut für die Landwirte der Region.