Zwei fast überwundene Krankheiten kehren zurück

Im Anbaujahr 2010/2011 sind zwei längst überwunden geglaubte Brandkrankheiten verstärkt wieder aufgetreten: Zwergsteinbrand und Steinbrand haben die Bestände der Weizenanbauer in Deutschland befallen. Forscher der LfL sind den Ursachen auf der Spur und geben konkrete Empfehlungen für die Praxis.

"Eigentlich glaubte man, dass die Brandkrankheiten ausgestorben seien. Doch die vergangenen zehn Jahre haben uns eines Besseren belehrt", sagt Dr. Berta Killermann, die an der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) in Freising auf diesem Gebiet forscht (siehe auch Interview auf Seite 2). "Beide Brandkrankheiten haben für die Landwirtschaft nach wie vor eine große Bedeutung, wie der drastische Schub im vergangenen Anbaujahr zeigt."

Stinkende Brandbutten statt Körner

Der Zwergsteinbrand und der gewöhnliche Steinbrand waren bis zur Einführung der chemischen Beizung die wichtigsten Pilzkrankheiten bei Weizen. Bei Befall bilden sich in den Ähren Brandbutten statt der Körner. Das Innere der Brandbutten riecht unangenehm nach Heringslake – daher stammt die Bezeichnung Stinkbrand für den Steinbrand. Stark befallenes Erntegut ist als Back- und Futterware sowie als Saatware unbrauchbar. Beim Weizendreschen werden Brandbutten zerschlagen und die Sporen auf dem Feld verteilt. Eine einzige Steinbrandbutte kann vier bis fünf Millionen Sporen enthalten.

Witterung begünstigt Infektion

Der Befall mit den Brandkrankheiten ist zunächst kaum sichtbar. Vom Zwergsteinbrand befallene Pflanzen haben eine deutlich geringere Wuchshöhe als die mit Steinbrand befallenen. Entscheidend sind bestimmte Witterungsbedingungen im Bestockungsstadium: Die Infektion mit Zwergsteinbrand tritt vor allem dann auf, wenn die Bodentemperatur mehrere Wochen zwischen 0 und 5 Grad Celsius bleibt und zusätzlich eine Schneedecke befallsfördernde Schwachlichtverhältnisse schafft. Diese Situation war im Winter 2010/2011 gegeben. Während beim Zwergsteinbrand der Befall ausschließlich vom Boden ausgeht, konnten die Forscher der LfL eindeutig nachweisen, dass die Infektion beim Steinbrand im Gegensatz zu Angaben in der Fachliteratur vom Saatgut und vom Boden ausgeht. Die Infektion mit Steinbrand beginnt bereits während der Keimung des Weizens und ist besonders stark, wenn die Temperatur bei trockenem Boden zwischen 5 und 10 Grad Celsius liegt.

Positive Züchtungsansätze

Insbesondere beim Zwergsteinbrand erkennen die Forscher entsprechend der ihn fördernden Witterungsbedingungen regionale Unterschiede: „Während Zwergsteinbrand früher nur in Süddeutschland in Höhenlagen über 1000 Meter zu beobachten war, finden wir ihn heute auch in Ost- und Mitteldeutschland in Höhenlagen von 400 Metern. Dagegen tritt Steinbrand in ganz Deutschland auf“, sagt Dr. Berta Killermann. Im Rahmen ihrer laufenden Studie haben die Fachleute der LfL bereits festgestellt, dass Sorten unterschiedliche Anfälligkeiten zeigen. Diese Varianz bietet den Ansatzpunkt für züchterische Bearbeitung bis hin zu resistenten Sorten. Insbesondere bei der Abwehr des Steinbrands erkennen die Experten positive Tendenzen.