Trockentoleranz im Fokus

Der prognostizierte Klimawandel wird einschneidende Folgen für die Landwirtschaft haben. Experten sagen für Deutschland deutlich steigende Durchschnittstemperaturen und längere Trockenheitsphasen voraus. Die Getreidesorten der Zukunft müssen eine hohe Trockenstresstoleranz besitzen. Ein starker Verbund von Züchtern und Wissenschaftlern forscht an Gerste mit dieser Eigenschaft.

Das Witterungsszenario für Deutschland ist alarmierend:
"Bis zur Mitte dieses Jahrhunderts rechnen wir mit einem Anstiegder Jahresmitteltemperaturen um ein bis zwei Grad. Zum Ende des Jahrhunderts kann die Temperatur sogar mehr als drei Grad höher alsim Zeitraum von 1961 bis 1990 liegen", sagt Dr. Klaus Keuler vom Lehrstuhl für Umweltmeteorologie der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus. "Wir müssen mit trockeneren Sommern rechnen. Von Mai bis September werden die Niederschlagsmengen bis zum Ende des Jahrhunderts um 10 bis 30 Prozent zurückgehen."

Sorten für die Landwirtschaft
Bereits heute sind Witterungsbedingungen mit mehrwöchiger Trockenheit zu beobachten (s. Grafik). Um in Zukunft hohe Erträgemit der geforderten Qualität der Ernteprodukte zu sichern, haben Züchtung und Wissenschaft Trockenstresstoleranz besonders im Fokus. "In einem Gemeinschaftsprojekt wollen wir die Trockentoleranz von Getreide zunächst an Gerste erforschen und dann Empfehlungen zur praktischen Umsetzung erarbeiten, um der Landwirtschaft zukünftig ein trockentolerantes Sortenspektrum zur Verfügung stellen zu können", sagt Prof. Dr. Jens Léon, Inhaber der Professur für Pflanzenzüchtung an der Universität Bonn.


Zusammenarbeit von Experten

Im Rahmen des Projekts arbeiten mehrere Forschungsinstituteund sechs Züchtungsunternehmen zusammen (siehe auch Interview auf nächster Seite). "Wir prüfen verschiedene Merkmale unter definierten Austrocknungsszenarien. Hierbei werden neben der Ertrags-bildung zahlreiche pflanzenphysiologische Parameter und Inhaltsstoffe beobachtet", erklärt Prof. Dr. Léon. Die Projektbeteiligten wollen Merkmalskombinationen finden, die zukünftige Sorten besser mit langen Trockenphasen zurecht kommen lassen.

Z-Saatgut gezielt einsetzen
"Grundsätzlich sollte auch in Zukunft jede erfolgreiche neue Sorte pro Tonne verkaufsfertiger Ernteware geringere ökonomische und ökologische Kosten aufweisen", sagt Prof. Dr. Léon. "Für die Klimaanpassung müssen die neuen Sorten die vorhandenen Wasserressourcen erfolgreich für die Ertragsbildung aufschließen – auch unter diesem Aspekt erlaubt der regelmäßige Einsatz von Z-Saatgut die Teilnahme am Züchtungsfortschritt und den gezielten Wechsel auf die jeweils am besten für den eigenen Betrieb geeigneten Sorten."