"Praxis unterschätzt oft Risiko"

Dr. Berta Killermann und Benno Voit arbeiten an der LfL in Freising in den Arbeitsgruppen Saatgutuntersuchung und Saatgutforschung.

Wie hat sich die Situation in den vergangenenJahren entwickelt?
Benno Voit: Bei den konventionellen Betrieben nimmt der Zwergstein-brand zu, bei den biologisch wirtschaftenden Betrieben stellen wir mehr Steinbrand und Zwergsteinbrand fest.

Wie ist das Auftreten zu erklären?
Benno Voit: Bei den konventionellen Betrieben steht nur ein Beiz-mittel gegen Zwergsteinbrand zur Verfügung, mit dem aber nur 50 Prozent des Weizensaatgutes gebeizt werden. Deshalb konnte sich der Zwergsteinbrand wieder etablieren. Die Krankheit ist heim-tückisch und das Risiko wird von der Praxis oft unterschätzt, weil der Anfangsbefall häufig nicht wahrgenommen wird, die Sporen im Boden aber mehr als 10 Jahre infektionsfähig bleiben. In den Bio-Betrieben ist die Weizensaat durch den Verzicht auf die chemische Beizung voll und ganz den jeweiligen Infektionsbedingungen aus-gesetzt.

Welche Gegenmaßnahmen können Landwirte ergreifen?
Benno Voit: Konventionelle Betriebe können sich durch Beizung vor Brandkrankheiten schützen. Alle Beizmittel haben eine ausreichende Wirkung gegen Steinbrand. In Gebieten mit Zwergsteinbrandbefallist das entsprechende Beizmittel auszuwählen, das unbedingt mit guter, fachgerechter Beiztechnik aufgebracht werden muss. Bei den Bio-Betrieben sollte nur gesundes geprüftes Saatgut zum Einsatz kommen, am besten ist die Verwendung von Zertifiziertem Saatgut. Die Aussaat sollte nicht vor Mitte Oktober erfolgen.

Welche Forschungsansätze verfolgen Sie, wie gehen Sie praktisch vor?
Dr. Berta Killermann: Wir prüfen ackerbauliche Maßnahmen wie die Saatzeit, die Fruchtfolgen und die Wirkung der Biofumigation auf die Lebensfähigkeit der Sporen. Daneben verfolgen wir die Anfälligkeit der Sorten gegenüber Brandkrankheiten. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich hier züchterische Ansätze bieten. Ein weltweit neuer Ansatz ist, dass wir auch das Infektionspotenzial der Brand-krankheiten im Boden bestimmen.Zeichnen sich Wege ab, gegen die Brandkrankheiten tolerante Sorten zu züchten?Benno Voit: Glücklicherweise ja, insbesondere gegen Steinbrand sind schon Lösungen in Sicht. Deutlich schwieriger ist es beim Zwergsteinbrand, aber auch hier sind schon positive Tendenzen erkennbar.

Welche Argumente sprechen für den konsequenten Einsatz von Z-Saatgut?
Dr. Berta Killermann: Mit dem Kauf von Z-Saatgut bekommt der Land-wirt eine geprüfte Qualität und zwar nicht nur im Hinblick auf Rein-heit, Fremdbesatz und Keimfähigkeit, sondern auch hinsichtlich der Saatgutgesundheit. Gerade die Saatgutgesundheit muss, wie die Zu-nahme der Brandkrankheiten zeigt, wieder verstärkt in das Blickfeld gerückt werden. Ganz abgesehen davon profitiert der Landwirt zu-sätzlich vom Züchtungsfortschritt regional angepasster Sorten.