"Die Basis für gute Ergebnisse"

Zur Sicherung stabiler Erträge auch in Zukunft müssen Züchter schon heute an Sorten arbeiten, die den kommenden Anforderungen gewachsen sind. Im Interview erläutert Dr. Lissy Kuntze, welche Anstrengungen Züchter für die Gerstensorten der Zukunft unternehmen - und welche Voraussetzung erfolgreiche Züchtungsarbeit benötigt.

Frau Dr. Kuntze, wie wichtig ist Trockenstresstoleranz bei Gerste für die Landwirtschaft?
Mit der prognostizierten Klimaveränderung und der Zunahme derWetterextreme gewinnt Trockenstresstoleranz bei Gerste an Bedeutung. Das gilt besonders für Sommergerste auf schwächeren Standorten. Leichtere Böden mit geringerem Wasserhaltevermögen reagieren stärker auf Trockenheit. Allerdings steht das Züchtungsziel Trockenstresstoleranz nicht allein im Mittelpunkt, sondern ist Teil der verschiedenen Merkmalskomplexe, die wir bearbeiten.

Die Grafik beschreibt die Fähigkeit von Gerste, den Kornertrag auch unter Trockenbedingungen aufrecht zu halten. Je näher die Datenpunkte an der Linie liegen, desto besser halten die getesteten Pflanzen den Ertrag bei Trockenheit aufrecht. Die blau dargestellten Proben erreichen im Vergleich zur Kontrollgruppe auch bei Trockenheit 100 Prozent Ertrag.


Wie schnell müssen Sie handeln?

Auf Trockenstresstoleranz selektieren wir bereits seit Jahrzehnten, vor allem auch für ausländische Märkte. Und der Klimawandel passiert ja zum Glück nicht von heute auf morgen. Wir Züchter versuchen, die Linien und Sorten kontinuierlich anzupassen und wenden uns systematisch der Lösung zu, so wie wir immer arbeiten.

Gibt es regionale Unterschiede in Deutschland?
Es gibt jedes Jahr wechselnde regionale Unterschiede ohne klare Tendenz. Wenn wir trockenstresstolerante Sorten entwickeln, die in allen Regionen Deutschlands angebaut werden können, entscheidet der Landwirt über die Bedeutung in seinem Betrieb.

Worin besteht für Sie der Vorteil des Gemeinschaftsprojekts zur Trockenstresstoleranz von Gerste?
Die Ziele, die wir uns in dem Projekt gesetzt haben, sind sehr komplex, umfangreich und erfordern unterschiedliche Kompetenzen. Nur ein Kooperationsvorhaben zwischen Wissenschaftlern und prak-
tischen Pflanzenzüchtern kann zum Erfolg führen. Wir folgen dem Motto "Keiner kann alles allein". Die beteiligten Züchter stellen Zuchtlinien und Sorten aus den Zuchtprogrammen zur Verfügung. Außerdem unterstützen wir das Projekt durch Leistungsprüfungen an verschiedenen Orten über mehrere Jahre.

Welche Erkenntnisse erwarten Sie aus dem Projekt?
Als praktische Züchterin erhoffe ich mir ein zuverlässiges methodisches Instrumentarium, mit dem sich eine größere Anzahl von Zuchtstämmen auf Trockenstress prüfen lässt. Zudem sind wir sehr gespannt auf mögliche Erkenntnisse zur Rolle der Wurzel und zu molekularen Aspekten bei Trockenstress.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Züchterin mit Blick auf die Landwirtschaft?
Die Landwirtschaft muss den wachsenden Ansprüchen der Verbraucher und den Anforderungen einer sich ändernden Umwelt gerecht werden. Dafür ist die Leistung der Pflanzenzüchtung unverzichtbar,
weil sie neue Sorten entwickelt, die in der Summe der wertbestimmenden Eigenschaften einen Fortschritt darstellen.

Welche Voraussetzungen benötigen die Züchtungsunternehmen, um auch in Zukunft erfolgreich arbeiten zu können?
Für die Entwicklung neuer Sorten unternehmen die Pflanzenzüchter außerordentliche Anstrengungen und setzen dabei viel Geld ein. Um diese Aufwendungen zu refinanzieren, ist der Schutz des geisti-
gen Eigentums über den Sortenschutz die Grundvoraussetzung. Als Selbstbefruchterzüchter benötigen wir eine gut funktionierende Nachbauregelung, die den Ansprüchen der Züchter und der Landwirte
gerecht wird.

Welche Argumente sprechen für den konsequenten Einsatz von Z-Saatgut?
Mit dem Kauf und dem Anbau von Z-Saatgut profitiert der Landwirt unmittelbar vom Züchtungsfortschritt und leistet einen Beitrag zur Refinanzierung der Züchtung. Außerdem bietet Z-Saatgut bei Eigenschaften wie Keimfähigkeit, Besatz und Reinheit die geprüfte Qualität. Das ist die Basis für gute Ergebnisse.

Zur Person: Dr. Lissy Kuntze ist seit 1998
Sommergerstenzüchterin bei der Nordsaat Saatzucht GmbH in Langenstein. Nach dem Studium der Agrarwissenschaften an der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg forschte sie an der
Universität Hohenheim und am Institut für Resistenzgenetik der damaligen Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen in Grünbach