Wert des Züchtungsfortschritts anerkennen

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„Wert des Züchtungsfortschritts anerkennen“

Interview mit Dr. Stefan Streng, Geschäftsführer der Saatzucht Streng-Engelen GmbH & Co. KG. Artikel vom 19.11.2010

Die Ziele in der Getreidezüchtung wandeln sich. Zukünftig müssen leistungsfähige Sorten nicht nur viele Qualitätsanforderungen erfüllen, sondern zudem dem Klimawandel trotzen. Im Interview gibt Dr. Stefan Streng einen Einblick in die züchterische Arbeit, die sich bereits heute mit den Anforderungen von morgen beschäftigt.

 


Welche Aufgaben prägen Ihre Züchtungsarbeit zurzeit?
Heute steht die generelle Anforderung nach hohem Ertrag in einem
komplexen Kontext. Zusätzlich zum Ertrag sind vor allem bei Weizen
die Züchtungsziele Qualitätseigenschaften und ertragsstabilisierende
Faktoren wichtig. Das A und O für die Zukunft ist es, Pflanzen fit für
den Klimawandel zu machen. Das bedeutet, dass sie extreme
Witterungsbedingungen mit schnellen Wechseln bei Temperatur
und Wasserversorgung überstehen. Zudem werden Doppelnutzungen
als Lebensmittel und als Rohstoff immer wichtiger.

Welche Eigenschaften verfolgen Sie für die Getreidesorten
2030?

Tatsächlich züchten wir schon heute an den zukünftigen Getreide-
sorten. Unser Augenmerk richten wir darauf, die Robustheit gegen-
über biotischen und abiotischen Einflüssen zu verbessern. Bei
Weizen verbreitern wir die Anbauwürdigkeit in Bezug auf Grenz-
standorte. Für die Verwendung von Weizen in der Bioethanolher-
stellung züchten wir Pflanzen mit guten Fermentierungseigen-
schaften.

Wie lange dauert die Züchtung einer neuen Sorte?
Ab der ersten Kreuzung von zwei vielversprechenden Eltern benö-
tigen wir bis zur Marktreife je nach Kulturart acht bis elf Jahre. Aus
1.000 Kombinationen entsteht in unserem Betrieb eine neue Sorte.
Die Zahl der Einzelpflanzen, die wir dabei selektieren und kreuzen,
geht in die Millionen. In den vergangenen Jahren hat sich die Sorten-
entwicklung durch moderne Methoden beschleunigt.

Welche Investitionen sind für eine neue Sorte notwendig und
wie lassen
sich diese erwirtschaften?
Für die Entwicklung einer neuen Getreidesorte investieren wir unge-
fähr 1,2 Millionen Euro. Weil die Umtriebszeit der Sorten immer
kürzer wird, müssen wir heute in höchstens vier Jahren diese Aus-
gabe refinanzieren. Der Erfolg der deutschen Pflanzenzüchtung
basiert auf ihrer mittelständischen Struktur, in der wir uns gegenseitig
zur besten Leistung antreiben. Leider ist dieses Erfolgsmodell gefähr-
det, weil auch bei Fruchtarten mit geringen Margen, die bisher vor-
nehmlich von mittelständischen Züchtungsunternehmem bearbeitet
wurden, der steigende Konkurrenzdruck immer höhere Investitionen
notwendig macht.


Welches Umfeld benötigen Züchter, um die von den Land-
wirten gewünschten
Sorten zu entwickeln?
Wir haben bereits das beste Sortenschutzgesetz der Welt. Seine
klare Umsetzung beim Nachbau würde jedoch mehr Gerechtigkeit
schaffen. Wir brauchen einen vernünftigen Dialog mit den Landwirten.
Wir sind gemeinsam Teil einer Wertschöpfungskette. Neue Züch-
tungsziele werden wir erfolgreich realisieren können, wenn die Land-
wirte den Wert des Züchtungsfortschritts anerkennen, indem sie
Z-Saatgut einsetzen. Dadurch sichern sie gemeinsam mit uns
Züchtern die Refinanzierung der Entwicklungskosten.

Wie sehen Sie Ihr Verhältnis zur praktischen Landwirtschaft?
Landwirte sind unsere wichtigsten Kunden. Zudem bin ich selbst
Landwirt und pflege viele nachbarschaftliche Kontakte, bin offen für
Anregungen der Berufskollegen und weiß, wie stark sie von den
Erzeugerpreisen abhängig sind. Bei regelmäßigen Gesprächen mit
Landwirten stellen wir den Züchtungsfortschritt vor und erläutern die
wirtschaftlichen Zusammenhänge.

Warum setzen Sie Z-Saatgut ein?

"Durch den Einsatz von Z-Saatgut fühle ich mich sicher, weil die Qualität des Saatguts, die das A und O ist, ausgezeichnet ist. "

- Jan Tölle

Fachartikel

„Züchtungsforschritt bietet Nutzen für Landwirte“

Interview mit Dr. Jutta Ahlemeyer, Deutsche Saatveredelung AG, Lippstadt.
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