Weizenzüchtung zum Vorteil der Landwirtschaft

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„Weizenzüchtung zum Vorteil der Landwirtschaft!“

Interview mit Dr. Hubert Kempf, Stationsleiter und Weizenzüchter der SECOBRA Saatzucht GmbH. Artikel vom 10.06.2010

Dr. KempfDie Weizenzüchtung steht vor großen Herausfor-
derungen. Im Interview erläutert Dr. Hubert Kempf, Stationsleiter und Weizen-
züchter der SECOBRA SaatzuchtGmbH in Moos-
burg, welche Potentiale Züchter heute zum Vorteil der Landwirtschaft nutzen.

Herr Dr. Kempf, welche Entwicklungsschritte der Weizenzüchtung der vergangenen 100 Jahre waren in Deutschland entscheidend?
Die Kombinationszüchtung vor ungefähr 100 Jahren war wichtig, erstmals wurde die gezielte Kombination von Merkmalen möglich. In den 1950er Jahren wurde mit der Einführung der Mähdrescher die Züchtung von Kurzstrohweizen mit hoher Ausfallfestigkeit notwendig. In den 1960er bis 1980er Jahren gelang deutschen Züchtern die Verbindung von hoher Qualität mit hohen Erträgen. Dieser Erfolg machte Deutschland von US-Importen unabhängig. Seit den 1990er Jahren kommen verstärkt biotechnologische Verfahren zum Einsatz. Zudem ist Deutschland in der Resistenzzüchtung führend – bei der Fusariumresistenz sind wir der westeuropäischen Konkurrenz um 10 bis 20 Jahre voraus.


Und wo stehen wir jetzt mit den aktuellen Weizensorten?
Heute sind Sorten mit hohen Kornerträgen, breiten Resistenzen kombiniert mit guten Backqualitäten auf dem Markt. Die Landwirte können aus einer Vielzahl bester Sorten für verschiedenste Nutzungsrichtungen und Anbaubedingungen auswählen.

 

Welche Züchtungsziele werden heute bearbeitet und in welche Richtung werden sich die Züchtungsziele in den kommenden 15 Jahren entwickeln?
Das wichtigste Zuchtziel ist nach wie vor der Kornertrag in Kombination mit Resistenz, Standfestigkeit, Winterhärte und Qualität. Daran wird sich nicht viel ändern. Unter den Bedingungen des Klimawandels werden Schwerpunkte anders gesetzt werden. Ertragsstabilität wird bei breiteren Anbaubedingungen und starken jährlichen Witterungsschwankungen noch wichtiger werden, zudem könnten neue Resistenzen, beispielsweise gegen Schadinsekten oder Schwarzrost, ins Blickfeld geraten.

 

Die praktische Landwirtschaft meldet für Mais, Zuckerrüben und Raps jedes Jahr neue Spitzenerträge. Ist dagegen das Potential bei Weizen ausgereizt?
Ganz klar nein! In den Wertprüfungen zeigt Weizen im Schnitt 0,7 Dezitonnen pro Hektar Ertragsfortschritt im Jahr. 2008 war das Jahr mit den höchsten Erträgen jemals. Wir können aber Gründe für einen scheinbar fehlenden Ertragsfortschritt feststellen: Die hohen Betriebsmittelpreise haben zu einer Reduktion der Intensitäten geführt, Weizen wird immer stärker auf marginalen Böden oder in Selbstfolge angebaut. Weizen als Winterung kann stärker unter Jahresschwankungen leiden. Zudem steigt die Züchtungsintensität und damit der Zuchtfortschritt besonders dort, wo die Refinanzierung des Züchtungsaufwands wie bei Mais, Zuckerrüben und Raps besser ist als bei Weizen.


Wie beurteilen Sie als Züchter die Ertragsfortschritte bei Weizen?
Ertragszüchtung ist immer dann schwierig, wenn Ertrag mit vielen anderen Merkmalen wie Resistenz und Qualität kombiniert werden soll. Dennoch gibt es weiteren Ertragsfortschritt. Angetrieben wird der Ertrags- und Züchtungsfortschritt auch durch den Konkurrenzdruck innerhalb der vielfältigen Züchterlandschaft, die aber nur bestehen bleiben wird, wenn sich Investitionen auch rechnen.


Warum ist die öffentliche Forschung in der Weizenzüchtung so wichtig?
Weizen ist als größte Kulturart in Deutschland in der Forschung unterrepräsentiert. Deswegen haben wir Landwirtschaft, Züchtung, Forschung und Vertreter der Behörden kürzlich in einem Symposium zusammengebracht, um den Forschungsfokus wieder verstärkt auf Weizen und insbesondere die Ertragsbildung zu lenken.

 

Wie könnten landwirtschaftliche Praxisanforderungen und Forschung noch besser aufeinander abgestimmt werden?
Derzeit denkt man über ein Weizenforum nach, das mit Landwirten, Züchtern und Forschern besetzt ist. Es soll auf der Arbeitsebene die Weizenaktivitäten bündeln, Forschung fördern und schnell auf neue Fragestellungen reagieren.


Welche generelle Empfehlung können Sie zukunftsorientierten Landwirten geben?

Nutzen Sie die sehr guten Eigenschaften neuer Sorten, insbesondere Resistenzen, sie bieten doch erhebliche Einsparpotentiale! Setzen Sie Z-Saatgut ein oder erklären Sie zumindest den Nachbau. Nur so kann die erfolgreiche Züchtungsstruktur in Deutschland erhalten und weiterer Züchtungsfortschritt, insbesondere auch für regional ange-
passte Sorten finanziert werden – zum Vorteil der Landwirtschaft!

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Warum setzen Sie Z-Saatgut ein?

"Weil ich beim Z-Saatgut einwandfreies Saatgut bekomme, untersucht, gebeizt, gereinigt; keinen Aufwand auf dem Hof. Einfach eine saubere Sache."

- Martin Ress

Fachartikel

„Züchtungsforschritt bietet Nutzen für Landwirte“

Interview mit Dr. Jutta Ahlemeyer, Deutsche Saatveredelung AG, Lippstadt.
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