Praxis unterschätzt oft Risiko
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„Praxis unterschätzt oft Risiko“
Interview mit Dr. Berta Killermann und Benno Voit von der LfL in Freising zur jüngsten Befallsserie mit Zwergsteinbrand und Steinbrand. Artikel vom 14.11.2011
Dr. Berta Killermann und Benno Voit arbeiten an der LfL
in Freising in den Arbeitsgruppen Saatgutuntersuchung
und Saatgutforschung.
Wie hat sich die Situation in den vergangenen
Jahren entwickelt?
Benno Voit: Bei den konventionellen Betrieben nimmt der Zwergstein-
brand zu, bei den biologisch wirtschaftenden Betrieben stellen wir
mehr Steinbrand und Zwergsteinbrand fest.
Wie ist das Auftreten zu erklären?
Benno Voit: Bei den konventionellen Betrieben steht nur ein Beiz-
mittel gegen Zwergsteinbrand zur Verfügung, mit dem aber nur 50
Prozent des Weizensaatgutes gebeizt werden. Deshalb konnte
sich der Zwergsteinbrand wieder etablieren. Die Krankheit ist heim-
tückisch und das Risiko wird von der Praxis oft unterschätzt, weil
der Anfangsbefall häufig nicht wahrgenommen wird, die Sporen im
Boden aber mehr als 10 Jahre infektionsfähig bleiben. In den Bio-
Betrieben ist die Weizensaat durch den Verzicht auf die chemische
Beizung voll und ganz den jeweiligen Infektionsbedingungen aus-
gesetzt.
Welche Gegenmaßnahmen können Landwirte ergreifen?
Benno Voit: Konventionelle Betriebe können sich durch Beizung vor
Brandkrankheiten schützen. Alle Beizmittel haben eine ausreichende
Wirkung gegen Steinbrand. In Gebieten mit Zwergsteinbrandbefall
ist das entsprechende Beizmittel auszuwählen, das unbedingt mit
guter, fachgerechter Beiztechnik aufgebracht werden muss. Bei den
Bio-Betrieben sollte nur gesundes geprüftes Saatgut zum Einsatz
kommen, am besten ist die Verwendung von Zertifiziertem Saatgut.
Die Aussaat sollte nicht vor Mitte Oktober erfolgen.
Welche Forschungsansätze verfolgen Sie, wie gehen Sie
praktisch vor?
Dr. Berta Killermann: Wir prüfen ackerbauliche Maßnahmen wie die
Saatzeit, die Fruchtfolgen und die Wirkung der Biofumigation auf die
Lebensfähigkeit der Sporen. Daneben verfolgen wir die Anfälligkeit
der Sorten gegenüber Brandkrankheiten. Erste Ergebnisse deuten
darauf hin, dass sich hier züchterische Ansätze bieten. Ein weltweit
neuer Ansatz ist, dass wir auch das Infektionspotenzial der Brand-
krankheiten im Boden bestimmen.
Zeichnen sich Wege ab, gegen die Brandkrankheiten tolerante
Sorten zu züchten?
Benno Voit: Glücklicherweise ja, insbesondere gegen Steinbrand
sind schon Lösungen in Sicht. Deutlich schwieriger ist es beim
Zwergsteinbrand, aber auch hier sind schon positive Tendenzen
erkennbar.
Welche Argumente sprechen für den konsequenten Einsatz
von Z-Saatgut?
Dr. Berta Killermann: Mit dem Kauf von Z-Saatgut bekommt der Land-
wirt eine geprüfte Qualität und zwar nicht nur im Hinblick auf Rein-
heit, Fremdbesatz und Keimfähigkeit, sondern auch hinsichtlich der
Saatgutgesundheit. Gerade die Saatgutgesundheit muss, wie die Zu-
nahme der Brandkrankheiten zeigt, wieder verstärkt in das Blickfeld
gerückt werden. Ganz abgesehen davon profitiert der Landwirt zu-
sätzlich vom Züchtungsfortschritt regional angepasster Sorten.
Warum setzen Sie Z-Saatgut ein?
"Mit Z-Saatgut weiß ich, dass ich eine gute Qualität erhalte."
- Johann Meyer
Fachartikel
Sortenspektrum weiter gewachsen.
Die Sortenvielfalt bei Getreide ist im Jahr 2008 weiter gestiegen. Insgesamt wurden 44 neue Sorten zugelassen.


