Gerste der Zukunft soll Klimawandel gewachsen sein

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Gerste der Zukunft soll Klimawandel gewachsen sein

Gemeinschaftliche Grundlagenforschung an Trockentoleranz. Artikel vom 20.11.2010

Startschuss für ein neues Forschungsprojekt: Wissen-
schaftler und Züchtungsunternehmen untersuchen
gemeinsam die Trockentoleranz von Gerste. Ziel ist
die Selektion von Kulturpflanzen, die auch unter den
Bedingungen des Klimawandels stabile Erträge bringen.

Die Vorzeichen der prognostizierten Klimaveränderung sind bereits
zu spüren: Niederschlagsarme, heiße Sommer erzeugen Trocken-
stress in Getreidekulturen. Hier setzt das im Oktober offiziell begon-
nene Verbundvorhaben der Gemeinschaft zur Förderung der privaten
deutschen Pflanzenzüchtung e.V. (GFP) an. Vier wissenschaftliche
Institute und sechs Züchtungsunternehmen forschen gemeinsam
nach Parametern für Trockentoleranz bei Gerste.

Kombinierte Suche nach robusten Genotypen
„Das Verbundprojekt vereinigt vier Forschungsansätze“, erläutert Dr.
Carl Bulich, Geschäftsführer der GFP. „Von der kombinierten Unter-
suchung des äußeren Erscheinungsbilds und zusätzlich der mole-
kularen Ebene erhoffen wir uns entscheidende Fortschritte bei der
Auswahl der robustesten Genotypen.“

Künstliches Trockenklima
Neu bei der Beurteilung des äußeren Erscheinungsbildes der
Gerstenpflanzen ist die Beobachtung und Untersuchung der
Wurzeln und des Wurzelbildungsvermögens. Um die Pflanzen in
künstlicher Trockenheit zu halten, setzen die Wissenschaftler im
Feldversuch einen Rain-out-Shelter ein. Dabei handelt es sich um
ein spezielles Gewächshaus, das bei Niederschlägen die Anbau-
fläche abschirmt, ansonsten aber freilandähnliche Bedingungen
erzeugt.

Parallel wird das Pflanzenmaterial in Klimakammern extremen
Wetterbedingungen ausgesetzt. Auf Basis der äußeren und moleku-
laren Ergebnisse sollen frühzeitige Vorhersagen möglich werden: Mit
Hilfe der markergestützten Selektion lässt sich bereits sehr junges
Pflanzenmaterial auf die gewünschte Trockentoleranz selektieren.


Staatliche Förderung und private Investitionen
Für das auf drei Jahre angelegte Grundlagen-Projekt der GFP-
Gemeinschaftsforschung wurden Fördermittel in Höhe von 835.000
Euro aus dem Innovationsprogramm des Bundesministeriums für
Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) ein-
geworben. Die sechs Züchtungsunternehmen bringen weitere
155.000 Euro an Sachleistungen ein. „Unsere Mitglieder beteiligen
sich über das Innovationsprogramm des BMELV direkt mit Feldver-
suchen an den Forschungsarbeiten“, sagt Dr. Bulich. „Dadurch
kommen vielfältige Daten aus Wissenschaft und Züchtungspraxis
zusammen. Das verspricht einen schnellen Erkenntnisgewinn.
Zudem fließen die neu gewonnenen Ergebnisse auf denkbar
kürzestem Weg direkt wieder in die Züchtungspraxis ein.“ Um die
Aufgaben innerhalb der Kooperation möglichst effizient zu ge-
stalten, sind regelmäßige Arbeitstreffen aller Beteiligten und ein
intensiver Austausch der aktuellen Ergebnisse geplant.

Erkenntnisse für andere Getreidearten
Bis die Ergebnisse des Forschungsvorhabens zur Trockentoleranz
von Gerste zur Züchtung marktreifer Sorten genutzt werden können,
sind voraussichtlich mindestens zehn Jahre intensiver Arbeit nötig.
Zusätzlich erhoffen sich die Projektbeteiligten neue Erkenntnisse
über grundsätzliche Mechanismen, die für die Züchtung anderer
Getreidearten, zum Beispiel Weizen, genutzt werden können.

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